Wenig vertrauenerweckend ist auch, dass Magna Entertainment Pleite machte: Hier hat Stronach mit Rennbahnen aufs Pferdegeschäft gesetzt.

Anzeige

CSU-Politiker Guttenberg plädierte schließlich für den Mitbewerber Fiat, der aber aus dem Bieterverfahren ausstieg - genervt von immer neuen Finanzlöchern und Forderungen bei GM. Ersatzweise plädierte der Wirtschaftsminister für eine "geordnete Insolvenz".

Den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier ficht das nicht an. Der Bundesaußenminister ist zwar bislang als Ökonom noch nicht groß aufgefallen, doch rechtzeitig zum Beginn des Bundestagswahlkampfs trat er in Rüsselsheim vor der Opel-Belegschaft auf und versprach, sich um die Arbeitsplätze zu kümmern. Er hat die Wirtschaft entdeckt. Sein Thema wurde Opel. Sein Helfer wurde, indirekt: Putin.

Früh schon entschied sich Steinmeier für den Investor Magna. Es gibt hier einen prominenten Sozialdemokraten, der im Aufsichtsrat sitzt: der frühere österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky. Der lobt gern die Kraft von Magna und dessen Betrieb Magna Steyr in der Steiermark: "BMW könnte ohne den Steyr-Betrieb nicht mehr leben", sagt er beispielsweise.

Von Steinmeier, den langjährigen Chef des Bundeskanzleramts, ist es nicht weit zu einem anderen Regierungschef: Gerhard Schröder. Ihm hat Steinmeier viele Jahre treu als Majordomus gedient.

Der Altkanzler aus Hannover ist bekanntlich gut mit Putin betraut und steht als Aufsichtsratschef einem russisch-deutschen Konsortium vor, das sich um Ölpipelines in der Ostsee kümmert. Opel wäre, wenn alles klappt, dann der nächste russisch-deutsche Firmenzusammenschluss von Gewicht.

Ein besonderes Beispiel von Völkerverständigung

Offenbar gibt es hier eine neue Internationale, eine Internationale des Staatskapitalismus. So wie die Sberkank von Putins Gnaden im Weltmarkt mitmischt, so wäre Opel ohne die versprochenen Staatsbürgschaften von 4,5 Milliarden Euro nicht lebensfähig.

Immerhin macht der deutsche Autobauer, der jetzt die Trennung vom GM-Konzern sucht, in diesem Jahr vermutlich bis zu drei Milliarden Euro Verlust.

Noch sind nur Vorverträge zwischen GM und Magna unterschrieben. Es gibt ein memorandum of understanding, mehr nicht schon morgen, spätestens übermorgen, kann in dieser Sache alles anders aussehen.

Und es bleibt abzuwarten, wie bei Opel zwischen den Putin-Leuten in Moskau, den operativ Verantwortlichen in Rüsselsheim, den wirtschaftspolitischen Strippenziehern in Washington und der GM-Konzernleitung in Detroit hin- und hergeschaltet wird. Das dürfte ein besonderes Beispiel von Völkerverständigung werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel jedenfalls hat in der Causa Opel rechtzeitig mit Russlands Premier Putin telefoniert, dem einst in Dresden stationierten Ex-KGB-Agenten. Wichtige Fragen wurden geklärt. Die CDU-Chefin weiß, auf wen es jetzt ankommt.

"Beam" - der Lichtstrahl kommt aus Osten.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Wladimir Putin, der Mann hinter Opel
  2. Sie lesen jetzt Steinmeiers Thema: Opel. Sein indirekter Helfer: Putin
Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/odg)