Komfortable Position: General Motors wollte immer aus mindestens zwei Angeboten für Opel auswählen können. Die hat der angeschlagene US-Konzern nun: Am Montag erwartet er Offerten von Magna und RHJ.
Enspurt: Im Kampf um den angeschlagenen Autohersteller Opel rückt eine Entscheidung näher. Der bisherige Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will die Verhandlungsrunden abschließen und den Bieterprozess am kommenden Montag stoppen, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Verhandlungskreisen.
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Die Mitarbeiter in den deutschen Opel-Werken - wie hier in Eisenach - bangen noch immer um Arbeitsplätze. Schon bald soll die Suche nach einem Bieter aber abgeschlossen sein. (© Foto: AP)
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"Es gibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt klare Signale, dass der Prozess am Montag zugemacht werden soll", hieß es. Unabhängig voneinander bestätigten das mehrere mit den Vorgängen befasste Personen.
Erwartet würden bis dahin unterschriftsreife Verträge von den Opel-Bewerbern Magna sowie von der Beteiligungsgesellschaft RHJ, einem Ableger des US-Finanzinvestors Ripplewood. Ob auch der chinesische Aspirant, der Autobauer BAIC aus Peking, einen Kontrakt einreichen wird, sei noch unklar, hieß es.
Unterschriftsfähig am Wochenende
Die Opel-Bewerber befinden sich damit im Endspurt. GM hat stets darauf gesetzt, einen Bieterwettbewerb zu entfachen. Der US-Konzern möchte aus mehreren, mindestens aber zwei Angeboten für Opel auswählen können.
Liegen diese vor, werden die Kontrakte der Opel-Treuhandgesellschaft, bei der 65 Prozent der Anteile des deutschen Autoherstellers geparkt sind, und den Regierungen in Berlin und Washington präsentiert.
RHJ-Kreise bestätigten, dass bis zum Wochenende ein unterschriftsfähiger Vertrag vorhanden sein werde. Derzeit werde "das Werk" noch juristisch geprüft. Auch in Magna-Kreisen hieß es, der Autozulieferer arbeite intensiv an einer Einigung mit GM.
An dem RHJ-Plan für Opel entzündete sich erneut Kritik. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), nannte das Konzept eine "Zumutung". Der Wirtschaftsminister von Thüringen, Jürgen Reinholz (CDU), nannte es "völlig inakzeptabel".
Die alte Handschrift
In Verhandlungskreisen hieß es, der RHJ-Plan ähnele stark dem ursprünglichen Restrukturierungsvorhaben, das GM Opel verordnen wollte. "Das ist eins zu eins die Handschrift von Eric Stevens", hieß es. Stevens ist Vize-Chef der GM-Europa-Tochter. Zudem ist er einer von zwei Geschäftsführern der Opel-Treuhand.
RHJ trat der Kritik entgegen, nur ein Platzhalter für GM zu sein. Es gebe "kein automatisiertes Verfahren", dass eine Opel-Mehrheitsbeteiligung in einigen Jahren an den US-Konzern zurückverkauft werde. Man wolle Opel als "eigenständige Marke" aufstellen und bei der Firma "unternehmerisch Einfluss" ausüben, wurde betont.
Dem künftigen Opel-Aufsichtsrat sollen nach dem Willen des Finanzinvestors nach SZ-Informationen 20 Personen angehören, davon zehn von der Arbeitnehmerseite. Fünf Sitze soll GM besetzen. Ebenfalls fünf Posten sind für RHJ-Vertreter reserviert, wobei RHJ auch den Vorsitzenden des Gremiums stellen will. 275 Millionen Euro will der Investor bar bei dem Autobauer einschießen.
"Eine verschobene Schließung"
In Firmenkreisen wurde bestätigt, dass RHJ nach einem Einstieg bei Opel das belgische Werk Antwerpen schließen möchte. Die Fabrik in Eisenach mit ihren 1700 Beschäftigten soll zwei Jahre stillgelegt und 2012 wieder angefahren werden. Die Mitarbeiter sollen in Kurzarbeit geschickt werden.
Kritiker nannten das "eine verschobene Schließung". Auch die übrigen Standorte sollen deutlich verkleinert werden. Reinholz zufolge soll es auch Einschnitte in Rüsselsheim in der Forschung und Entwicklung geben. Insgesamt will RHJ "knapp unter 10.000" Jobs streichen - ähnlich viele wie Magna.
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(SZ vom 17.07.2009/pak)
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