Opec Ölstaaten wollen Förderung deckeln

Vertreter von Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela haben beschlossen, ihre Ölförderung eventuell auf dem Niveau von Januar zu deckeln. Doch es könnten weitere Schritte nötig werden, um den Markt zu stabilisieren.

Von Jan Willmroth

In diesen Tagen wird wieder deutlich, wie stark diplomatisches Geschick den Ölmarkt bestimmt. Noch immer bewegen sich die Ölpreise um etwa 70 Prozent unter ihrem Hoch im Sommer 2014. Mächtige Ölexporteure wie Saudi-Arabien und Russland haben auf den Preisverfall mit einer höheren Produktion reagiert, um ihre Marktanteile zu erhalten und schwindende Einnahmen durch größere Mengen auszugleichen. Für manche Regierung wird der Druck auf ihre Staatsfinanzen so langsam unerträglich.

Nun könnte sich der Wettkampf um Marktanteile etwas entschärfen. Nach einem Jahr geheimer Verhandlungen beschlossen Vertreter von Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela am Dienstag in der katarischen Hauptstadt Doha, ihre Ölförderung eventuell auf dem Niveau von Januar zu deckeln. Es ist die erste solche Kooperation zwischen Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und einem wichtigen Ölproduzenten außerhalb des Klubs seit mehr als 15 Jahren. Allerdings sei das "potenzielle Einfrieren der Produktion" der "Beginn eines Prozesses", sagte der saudische Ölminister Ali al-Naimi im Anschluss an das Treffen. Es könnten weitere Schritte nötig werden, um den Markt zu stabilisieren, sagte er. Der Ölpreis fiel danach zunächst.

Saudi-Arabien weigert sich bislang, seine Förderung zu drosseln, und macht Verhandlungen darüber grundsätzlich von der Kooperation mit Staaten außerhalb der Opec abhängig. Sollte eine Obergrenze beschlossen werden, würde Russlands Ölförderung auf Rekordniveau verharren: Mit 10,9 Millionen Barrel Öl (jeweils etwa 159 Liter) pro Tag war das Land im Januar der größte Ölproduzent, gefolgt von Saudi-Arabien mit 10,2 Millionen Barrel.

Auf dem Weg, das aktuelle Überangebot an Erdöl zu beseitigen, ist der Beschluss also nur ein erster Schritt. Auch in der Vergangenheit ging solchen Vereinbarungen immer ein diplomatisches Vorantasten voraus. Entscheidend wird sein, welche anderen Ölexporteure sich an einem Abkommen beteiligen. Im Fokus steht vor allem der Erzfeind Saudi-Arabiens: Iran will nach dem Ende der Sanktionen schnellstmöglich seine Exporte erhöhen und auf den Weltmarkt zurückkehren. "Iran wird frühestens mit sich reden lassen, wenn sie ganz zurück auf dem Markt sind", sagte Jamie Webster, Öl-Spezialist der Analysefirma IHS, der SZ.