Online-Versandhändler Verdi wirft Zalando Rechtsbruch vor

Die Pakete bleiben gleich, die Rechtsform von Zalando hat sich geändert.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Der Online-Händler Zalando wechselt die Rechtsform in eine internationale Aktiengesellschaft SE. Doch die Gewerkschaft Verdi sieht dadurch die Rechte der Mitarbeiter verletzt und droht mit dem Gang vor Gericht.

Von Max Hägler, Stuttgart/Berlin

Jetzt dürfte wieder ein Umsatzschub beim Online-Händler Zalando bevorstehen: Der Herbst kommt, überall in der Republik werden große Volksfeste gefeiert, zuvorderst natürlich das Oktoberfest in München. Ein mehr oder weniger passendes bairisches Dirndl oder Lederhosen kann der Volksfestgänger online bei Zalando bestellen. Das Portal ist der Durchstarter unter den Versandhändlern.

"Das wird eine Gaudi", heißt es bereits in folkloristischer Manier auf der Zalando-Internetseite. Und dann will das Berliner Start-up-Unternehmen im Herbst wohl auch noch an die Börse. Jedenfalls spekulieren Finanzkreise über einen entsprechenden Plan, der auch möglich geworden ist durch die Umwandlung in eine internationale Aktiengesellschaft: In die Zalando SE.

Wahrlich ein Gaudium. Wenn da nicht die Gewerkschaft Verdi wäre, die einiges bei Zalando gar nicht so lustig findet - und den Internethändler in die Schranken weisen will. Denn nach Erkenntnissen der Gewerkschaft hat Zalando beim Wechsel zur Rechtsform SE (Societas Europaea) gesetzeswidrig die Rechte der Arbeitnehmer übergangen - sie droht mit dem Gang vor Gericht.

In den Gründungsurkunden der Zalando SE, die am 24. März 2014 in Berlin notariell beglaubigt wurden, ist festgehalten, dass sich der Aufsichtsrat aus neun Mitgliedern zusammensetzt, "von denen sechs Mitglieder Anteilseignervertreter und drei Mitglieder Arbeitnehmervertreter sind".

Üblich bei Kapitalgesellschaften ist jedoch eine paritätische Besetzung, die bei großen GmbHs oder Aktiengesellschaften deutschen Rechts auch verbindlich vorgeschrieben ist. Die Zalando-Lösung hätten gewählte Vertreter der Mitarbeiter mit dem Management ausgehandelt, heißt es.

Doch wie kann es sein, dass Arbeitnehmer sich so unterbuttern lassen?

Die Umwandlung in eine SE ist nicht gesetzeskonform gelaufen

Weil der Prozess zur Bildung der SE "nach unserer Kenntnis nicht gesetzeskonform gelaufen ist", sagt Gewerkschaftssekretär Stefan Najda, zuständig bei der Verdi-Bundesverwaltung für die Online-Handelsbranche. Womöglich seien vor allem dem Arbeitgeber gewogene Mitarbeiter eingebunden gewesen.

Vorgeschrieben ist die Beteiligung aller Mitarbeiter: da es an den meisten Standorten keine Betriebsräte gibt, ist in Deutschland festgelegt, dass alle Mitarbeiter Gelegenheit erhalten, an den Wahlen zum sogenannten "Besonderen Verhandlungsgremium" mitzumachen. Das setzt eine Information voraus, etwa per E-Mail oder Aushang. Doch: "Wir haben niemanden ausfindig machen können, der solche Informationen erhalten hat", sagt Najda. Deswegen seien auch die Verhandlungen des Gremiums und ihre Ergebnisse, etwa die Beteiligung von nur einem Drittel Arbeitnehmer im Aufsichtsrat, "sehr zweifelhaft" und aus Sicht der Arbeitnehmer "nicht akzeptabel".

Verdi will nun mit dem Vorstand von Zalando darüber sprechen, wie eine Lösung im Sinne einer "tatsächlichen Mitbestimmung" möglich ist. Wobei Najda deutlich macht, dass Verdi gegebenenfalls kämpfen wird: "Wir behalten uns ausdrücklich vor, den Rechtsweg zu beschreiten." Möglich wäre etwa ein Antrag beim Registergericht auf Löschung der SE oder das Anrufen der Arbeitsgerichte, die über die ordnungsgemäße Mitbestimmung wachen.