Online-Banking Wird schon gutgehen

Wie sicher sind Geldgeschäfte im Netz? Darüber gehen die Ansichten bei Kunden und Experten weit auseinander.

(Foto: Peter Endig/dpa)

Trotz vieler Pannen vertraut die Mehrheit der Kunden in die IT-Sicherheit von Banken. Experten sind weniger zuversichtlich.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Betrug beim Onlinebanking, schlechte Beratung, Skandale im Investmentbanking: Eigentlich gibt es genug Gründe für Verbraucher, der eigenen Bank oder Sparkasse nicht mehr zu vertrauen, erst recht seit der Finanzkrise. In punkto IT-Sicherheit ist das Zutrauen in die Geldbranche aber offenbar immer noch überraschend hoch, wie eine Umfrage der Beratungsfirma Capgemini unter 7600 Verbrauchern in acht Ländern ergeben hat. Demnach sehen mehr als 80 Prozent der Befragten ihre Daten bei Banken und Versicherungen in besten Händen, während das nur 28 Prozent über Online-Händler oder nur 13 Prozent über Telekom-Firmen sagen. "Auf Bankenseite entsteht allerdings ein ganz anderes Bild", heißt es in der Studie. Zugleich nämlich wurden auch 183 Banken- und Sicherheitsexperten befragt. Aus dieser Gruppe sei nur jeder fünfte zuversichtlich, was die Aufdeckung und Abwehr von Hackerattacken betrifft. Das sei "ein frappierendes Ungleichgewicht, das für Banken schon bald den massenhaften Verlust von Kunden bedeuten könnte".

Experten sind weit weniger zuversichtlich als die Online-Kunden

Denn drei Viertel der Verbraucher würden die Bank wechseln, käme es zum Verlust von Daten oder anderen Zwischenfällen. Tatsächlich sorgen sich auch die Finanzaufseher von Europäischer Zentralbank und Bafin zunehmend um die IT-Sicherheit der hiesigen Geldhäuser. Während das Onlinebanking für viele deutsche Haushalte längst zum Alltag gehört, sind die EDV-Systeme der Banken und Sparkassen oft veraltet. Das macht sie anfällig für IT-Pannen und Angriffe von außen. Seit Jahren werden im Online-Banking außerdem immer wieder neue Betrugsfälle bekannt, etwa durch das Abgreifen von PIN-Nummern ("Phishing") oder der mobilen Tan.

Zuletzt hatten sich außerdem Datenpannen gehäuft, hinter denen zwar keine Betrüger steckten, die aber trotzdem ärgerlich waren für die Betroffenen. Zu spüren bekamen das vergangenen Sommer zum Beispiel Kunden der Deutschen Bank: Auf zwei Millionen Konten wurden von einem Tag auf den anderen Buchungen doppelt angezeigt. Die Deutsche Bank konnte den Fehler zwar binnen eines Tages beheben, aber zahlreiche Kunden kamen trotzdem vorübergehend nicht an ihr Geld oder konnten nicht mit der Girocard bezahlen, weil ihr Konto durch die Doppelbuchungen zu weit überzogen war.

Für Aufsehen sorgte auch der Fall der Commerzbank-Tochter Comdirect aus Quickborn, wo Kunden im vergangenen Herbst mit einem Mal auf fremden Konten landeten, als sie sich in ihr Online-Banking einloggten. Auch dieser Fall führte zwar nicht dazu, dass Geld verloren ging, hebelte aber quasi das Bankgeheimnis vorübergehend aus.