Olympische Spiele in London Politiker sind erbost über US-Outfit "Made in China"

Über Erfolge der US-Athleten bei den Olympischen Spielen freuen sich nicht nur die USA. Auch die chinesische Textilwirtschaft darf jubeln: Sie hat den US-Olympioniken die Ausgehgarderobe geschneidert. Politiker fordern nun mehr als drastische Maßnahmen.

US-Sportler stecken drin, das Emblem der US-Vorzeigemarke Ralph Lauren ist aufgesteppt - doch produziert wurden die offiziellen Olympia-Uniformen der Vereinigten Staaten in China. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und wachsender Rivalität mit Asiens aufstrebender Wirtschaftsmacht hat das "Made in China" der olympischen Prestige-Kleidung die Washingtoner Politik auf den Plan gerufen. Geeint in patriotischer Empörung fordern Republikaner wie Demokraten, dass die als Frevel aufgefasste Praxis unterbunden wird.

Eine Neuanfertigung für die Ende Juli in London beginnenden Sommerspiele sei nicht mehr möglich, erklärte das Olympische Komitee der USA.

(Foto: REUTERS)

"Ich denke, dass Olympische Komitee sollte sich schämen", sagte der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid. Die Uniformen sollten auf einen großen Haufen geworfen und verbrannt werden, um noch einmal von vorn zu beginnen, forderte der Demokrat. Seine Parteikollegen, die Kongressabgeordneten Kirsten Gillibrand und Steve Israel, forderten das Komitee auf, künftig alle Olympia-Uniformen in den USA anfertigen zu lassen.

Auch der demokratische Senator Charles Schumer appelierte, die Garderobe der Athleten neu anfertigen zu lassen und schlug hierfür die im Bundesstaat New York ansässige Traditionsschneiderei Hickey Freeman vor. Der US-Wirtschaft entgehe mit der Verlagerung der Produktion nach China insgesamt ein Milliardengeschäft, lautet einer der Vorwürfe. Die Kleidungsstücke und Accessoires sind auch im Handel erhältlich und kosten zwischen 55 (45 Euro) und 795 Dollar.

Oabama lobt die Qualität amerikanischer Kleidung

Etwas gelassener gibt man sich im Weißen Hauses. Ein Sprecher sagte zwar, dass der Herstellungsort der Olympia-Outfits kein Thema der Regierung sei. Doch US-Präsident Barack Obama glaube an "die hohe Qualität amerikanischer Produkte" - das beinhalte auch in den USA hergestellte Kleidung.

Für die Ende Juli in London beginnenden Sommerspiele sei es eine Neuanfertigung zu spät, erklärte das Olympische Komitee der USA. Für die Winterspiele 2014 würden die Einwände aber berücksichtigt. Auch der Bekleidungskonzern Ralph Lauren gelobte Besserung. Das Unternehmen werde in der Branche und in der Regierung Gespräche vorantreiben, um die Produktion in den USA auszubauen.

Doch sechs Senatoren der demokratischen Partei von Präsident Barack Obama reicht das nicht. Sie wollen deshalb in der kommenden Woche einen Gesetzesvorschlag einbringen, der die Produktion der Olympia-Uniformen in amerikanischen Fabriken festschreibt.

Sportler geben sich gelassen

Der Senator von New Jersey, Robert Menendez, appellierte an die Abgeordneten, dem Gesetz zuzustimmen. "Wir wollen sicher sein, dass wir vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi nicht wieder in dieser schrecklichen, beschämenden Lage sind", betonte der Politiker.

Seinem Sprecher zufolge geht es einzig um die Anzüge, Hemden und Blusen, die die Sportler bei der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie tragen. Schließlich könnten Athleten für ihre jeweiligen Sportarten spezielle Funktionskleidung benötigen, die vielleicht gar nicht in den USA hergestellt wird.

Die betroffenen Olympia-Sportler sehen die Angelegenheit offensichtlich entspannter. "Wir leben in einer globalen Welt", sagte US-Beachvolleyballer Todd Rogers der Onlineausgabe von USA Today. Es gebe Wichtigeres, als die Frage, wo Ralph Lauren seine Klamotten herstellen lasse.