Olympiastätten in Athen:Teurer Spaß

In Athen beherrschen derzeit zwei Themen die Gespräche: die Sommerhitze und die Schuldenkrise. Kaum jemand interessiert sich noch für die olympischen Sportstätten von 2004. Dabei waren sie ein Grund für die Schulden. Nun verfallen sie zusehends - und kosten immer noch Millionen.

Olympiastätten in Athen

Mangelndes Interesse an Olympischen Spielen in London

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(Foto: AFP)

In Athen beherrschen derzeit zwei Themen die Gespräche: die Sommerhitze und die Schuldenkrise. Kaum jemand interessiert sich noch für die olympischen Sportstätten von 2004. Dabei waren sie mit ein Grund für die Schulden Griechenlands. Nun verfallen sie zusehends - und kosten immer noch Millionen. Mattheos Theodoridis, 25, ein Boxer, in einer olympischen Sportstätte von 2004: "Die Griechen haben wenig Lust darauf, die Olympischen Spiele anzuschauen", sagt er. Acht Jahre nach den Spielen im eigenen Land sind die Griechen zu sehr mit ihren wirtschaftlichen Problemen beschäftigt, als dass sie sich für sportliche Großereignisse interessieren könnten.

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Olympische Spiele kosteten doppelt so viel wie erwartet

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(Foto: AFP)

An den aktuellen Problemen sind auch die Olympischen Spiele von 2004 nicht ganz unbeteiligt: Ursprünglich war ein Budget von 4,5 Milliarden Euro eingeplant. Das war 1997. Heute werden die tatsächlichen Ausgaben auf mehr als das Doppelte geschätzt (rund elf Milliarden Euro). Alleine sieben Milliarden Euro wurden in den Neubau der olympischen Sportstätten gesteckt.

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Eskalation der Krise

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Die elf Milliarden Euro, mit denen Olympia den griechischen Staatshaushalt belastete, entsprachen sieben Prozent des griechischen Bruttoinlandsproduktes. Nach Einschätzung zahlreicher griechischer Ökonomen sei das der Punkt gewesen, an dem die Schuldenkrise in Griechenland außer Kontrolle geriet.

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Es fehlen die Mittel

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Hatte das griechische Haushaltsdefizit vor den Olympischen Spielen noch rund fünf Prozent betragen, stieg es im Jahr 2004 auf 7,4 Prozent. Experten schätzten schon damals, dass der griechische Steuerzahler noch mindestens zehn Jahre an den Kosten für Olympia zu tragen haben würde. Geld, das in der Sportförderung fehlt. Trainingsstätten befinden sich in einem schlechten Zustand, es fehlen Trainer, um den sportlichen Erfolg zu gewährleisten.

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Schlechte Trainingsbedingungen

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Die Spanischlehrerin und Amateur-Marathonläuferin Anna Stilianaki (links im Bild), 34, nutzt ein altes Olympiagelände in Athen zum Training. Die Olympioniken, allen voran die wegen Rassismusvorwürfen von London 2012 ausgeschlossene Dreispringerin Voula Papachristou, beschweren sich über die Trainingsbedingungen. "Es gibt keine Heizung und kein warmes Wasser für die Duschen im Winter, keine Klimaanlage im Sommer. Die Räumlichkeiten sind armselig und die Ausrüstung in einem Zustand, der zum Verzweifeln ist", twittert Papachristou.

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Fehlende Pläne für Nutzung der Sportstätten

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Auch fehlen die Ideen, was man aus den ehemaligen Olympiastätten machen kann. Von 22 Olympiabauten haben nur wenige, wie das Karaiskakis-Stadion, eine neue Bestimmung gefunden. Hier darf Olympiakos Piräus für 30 Jahre seine Spiele austragen. Der Plan, aus den Austragungsorten rund um den ehemaligen Athener Flughafen Ellinikon einen Freizeitpark zu machen, verstaubt - wie viele der Sportstätten auch.

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Scherben eines sportlichen Großereignisses

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Der Brunnen mit den olympischen Ringen hält kein Wasser mehr, nur noch Müll und Scherben.

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Disqualifiziert

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(Foto: Angelos Tzortzinis/AFP)

Ein Pool im olympischen Dorf zerfällt. Als Trainingsort ist er disqualifiziert. Auch der Ausschluss griechischer Athleten in London hat zum griechischen Desinteresse an diesen Spielen geführt. Dreispringerin Voula Papachristou disqualifizierte sich noch vor der Eröffnungsfeier mit rassistischen Äußerungen, die sie über Twitter verbreitete.

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Neue sportliche Hoffnung an einem trostlosen Ort

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Stavroula Spanoudi, 19, trainiert für die 800- und 1500-Meter-Rennen. Sie will einmal selbst an Olympischen Spielen teilnehmen. Momentan lebt sie im olympischen Dorf von 2004. Die Wohnungen dort dienen seit den Spielen 2004 als Unterkunft für Menschen mit geringem Einkommen.

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Olympia in Olympia

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Mattheos Theodoridis, 25. Der Boxer, der in einem Reisebüro arbeitet, trainiert in Athen. Griechische Medien und Wirtschaftsexperten sprechen sich dafür aus, die Olympischen Spiele alle vier Jahre nahe deren Geburtsstätte, dem griechischen Olympia stattfinden zu lassen.

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Von der Sportlerbehausung zur Sozialwohnung

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(Foto: AFP)

 Periklis Anastasis, ein arbeitsloser Bauarbeiter, der im olympischen Dorf wohnt, sagt: "Für mich sind die Olympischen Spiele das Beste auf der Welt. Ich bin froh, dass sie stattfinden und hoffe, sie kommen zurück nach Griechenland." Solange die Sportstätten leer stehen, kosten sie den griechischen Staat nach Schätzungen rund 85 Millionen Euro Unterhalt im Jahr. 

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