Offshore-Leaks Noch ein Österreicher im Steuerparadies

Der Name des österreichischen Managers Christian Baha taucht in den Offshore-Leaks-Daten auf. 

(Foto: AP)

Christian Baha besitzt eine Firma auf Antigua. Sie hat keine Büroräume und nur einen Mitarbeiter - aber einen Briefkasten auf der Karibikinsel. Das sei alles legal, behauptet der österreichische Manager.

Von Bastian Obermayer

Selten ging eine Enthüllung so schnell: Am Montag erst hatte die österreichische Zeitschrift News Christian Baha, den Gründer des Hedge-Fonds Superfund, darüber informiert, dass sein Name in den Offshore-Leaks-Dokumenten auftaucht. Es geht um seine offensichtliche Beteiligung an einer Firma namens Steel Pan Finance Limited, gegründet 2003, Firmensitz auf der steuergünstigen karibischen Insel Antigua.

Aber schon am Dienstagabend war die Sache in der Welt. Nicht etwa, weil News seine Recherchen publik gemacht hätte, sondern weil Christian Baha sich selbst an die Öffentlichkeit wandte: Mit dem Eingeständnis, dass diese Firma ihm mittelbar gehört, der Versicherung, dass alles legal gelaufen sei und einer beinahe schon leidenschaftlichen Verteidigung der Offshore-Strategie seines Unternehmens.

Bahas eilige Reaktion lässt sich wohl nur im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen in Österreich verstehen: Vor zwei Wochen hatten Berichte von Süddeutscher Zeitung und News dazu geführt, dass der wohl mächtigste Banker Österreichs, Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen International, seinen Rücktritt angekündigt hatte. SZ und News, die beide Zugang zu den Offshore-Leaks-Daten haben, jenem riesigen Datensatz von Kunden aus etlichen Steueroasen, hatten berichtet, dass Stepic verdeckt geführte Firmen in Hongkong und auf den Britischen Jungferninseln besaß. Stepics Rückzugsgefecht dauerte nicht lange: Schon am Tag nach den Veröffentlichungen gab der Manager - 2006 noch "European banker of the year" - seine Demission bekannt.

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Ähnlich wie Stepic ist auch Christian Baha in Österreich äußerst prominent. Der ehemalige Polizist hat mit seinem Finanzunternehmen Superfund viel Geld verdient und sich als Sponsor von zwei Fußballmannschaften und etlichen bekannten Sportlern einen Namen gemacht.

Baha wählte also die Offensive und kam damit vor News, das erst an diesem Donnerstag erscheint. In seiner Erklärung weicht er allerdings den Fragen zu jener Steel Pan Finance Limited auf Antigua erst einmal aus. Stattdessen schreibt er, es sei "kein Geheimnis", dass Superfund auf Grenada, einer anderen Karibikinsel, tätig sei, und zwar mit festem Firmensitz und "derzeit 49 Mitarbeitern". Es könne sich bei der Superfund-Niederlassung dort also nicht um eine Briefkastenfirma handeln. Was niemand behauptet hatte: Tatsächlich war es in dem Fragenkatalog des Magazins News, der der SZ vorliegt, vielmehr um jene Steel Pan Finance Limited auf Antigua gegangen. Diese wiederum, erklärt Baha, sei ein reines Vehikel zur Finanzierung des Bürogebäudes auf Grenada gewesen. Inzwischen sei das Gebäude fertiggestellt und die Steel Pan Finance Limited wieder aufgelöst worden.

Aber warum auf Antigua? Um eine "Vermögenskonzentration auf Grenada" zu vermeiden, schreibt Baha.

Der Unternehmer legt außerdem Wert darauf, dass auch diese Firma - benannt nach der Steel Pan, einem Instrument, das nur ein paar Inseln weiter auf Trinidad erfunden wurde - keine Briefkastenfirma gewesen sei, weil sie, so argumentiert Baha, ja einem "konkreten Projekt" gewidmet gewesen sei. Allerdings, räumt Baha auf SZ-Nachfrage ein, habe die Firma auf Antigua, ihrem Sitz, kein wirkliches Büro gehabt. Auch hätten die beiden einzigen Mitarbeiter der Firma - einer davon Baha selbst - dort nicht gearbeitet.

Auf Antigua befand sich also vor allem: ein Briefkasten.

Aber ob Briefkastenfirma oder nicht, die Konstruktion ist offenbar rechtlich nicht zu beanstanden. Damit ist Baha wohl einer von vielen in den Offshore-Leaks-Daten, die völlig legal von den steuerlichen Vorteilen abgelegener Inselstaaten profitieren. Das eigentlich Erstaunliche an dieser Angelegenheit ist eher, dass Baha sie auf Anraten seiner Anwälte selbst öffentlich macht und gleich noch eine leidenschaftliche Verteidigung des Offshore-Wesens im Allgemeinen und seiner Aktivitäten im Besonderen folgen lässt: Jedes Unternehmen sei angehalten, seine Kosten möglichst niedrig zu halten, um die Arbeitsplätze zu sichern, "in diesem Fall eben in Grenada". Auch Christian Baha selbst hat Österreich längst verlassen, sein aktueller Wohnsitz ist das zumindest steuerlich wesentlich attraktivere Monaco.