Banken und Anwälte Helfer und Partner der Steueroasen

Wo Offshore-Kunden aus Deutschland wohnen

Aus welchen Länder kommen die geheimen Daten? Wie ist der Schaden durch Steuertrickser? Zahlen und Fakten zu Offshore-Leaks. mehr...

Die Mitarbeiter in der Steueroase dachten jahrelange, ein Rockefeller habe die Trusts gegründet. So reich und so bedacht auf seine Anonymität war dieser Kunde. Doch tatsächlich steckte ein anderer berühmter Name dahinter. Anwälte und Banken arbeiten hart, damit Offshore-Geschäfte geheim bleiben.

Von Bastian Brinkmann, Christoph Giesen, Frederik Obermaier und Bastian Obermayer

Die Finanzdienstleister Portcullis Trustnet und Commonwealth Trust Limited helfen Menschen, geheime Briefkastenfirmen aufzusetzen. Im hier verlinkten Report werden diese Firmen und ihre Gründer vorgestellt. Der folgende Text erklärt, wie diese Dienstleister arbeiten, um die Geheimnisse ihrer Kunden geheim zu halten - und wie Anwälte und Banken dabei helfen, dass das System Offshore funktioniert.

In den Firmendatenbanken von Portcullis Trustnet und Commonwealth Trust Limited finden sich zahlreich Memos und Notizen, die belegen, wie sehr die Dienstleister versuchen, die Identität der Kunden zu schützen. Manche Kunden durften auf keinen Fall angerufen werden, andere durften keine Briefe bekommen. Ein Mann namens Trevor Clarke wiederum sollte nur telefonisch kontaktiert werden. "Keine Dokumente" dürften in der Portcullis-Filiale auf den Cook-Inseln gelagert werden, stattdessen sollten die Unterlagen in Hongkong aufbewahrt werden. Der Grund: Clarke war von 2003 bis 2010 Chef der Finanzaufsicht der Cook-Inseln, die das Offshore-Business eigentlich kontrollieren soll.

Bei dem Gründer eines Trusts Parkland Oak Trusts lautet die ausdrückliche Anweisung, jegliche Post unbedingt an eine Schweizer Steuerkanzlei zu schicken - nicht dass jemand Unterlagen an den Gründer selbst schickt. Der war nämlich "offensichtlich sehr geheim", das besagten jedenfalls digitale Notizzettel in seiner Akte. Der Mann war aber auch durchaus prominent. Die Rede ist von Gunter Sachs, dem 2011 verstorbenen Millionenerbe, Playboy, Unternehmer. Sein Konstrukt auf den Cook-Inseln umfasste zwei Briefkastenfirmen und fünf Trusts.

Maria "Imee" Imelda Marcos Manotoc, Absolventin der US-Elite-Universität Princeton, ist die älteste Tochter des früheren philippinischen Diktators Ferdinand Marcos. Nach 21 Jahren an der Macht flüchtete er im Februar 1986 vor seinem eigenen Volk. Zuvor hatte er etwa fünf Milliarden Dollar aus der Staatskasse geplündert, schätzt man. Nur ein Bruchteil davon tauchte auf Bankkonten in Luxemburg und der Schweiz wieder auf, der Rest blieb verschollen.

Auch Marcos' Tochter Imee ging in die Politik, 1998 zog sie ins philippinische Repräsentantenhaus ein, später wurde sie Gouverneurin der Provinz Illocos Norte. Die Daten zeigen nun: Sie ist die Begünstigte mindestens eines Offshore-Vehikels mit Sitz in Britischen Jungferninseln: des Sintra Trusts. Als Staatsdienerin muss Marcos Manotoc ihr Vermögen offenlegen, das schreibt das philippinische Gesetz vor. In ihren Erklärungen taucht der Trusts jedoch nicht auf. Stammt das Geld in diesen Firmen aus dem unrechtmäßigen Vermögen des Vaters? Auf den Philippinen wollen die Behörden nun prüfen, ob darin das Vermögen ihres Vaters dort geparkt wurde - oder zumindest Teile davon.

Immer wieder stößt man bei Portcullis und Commonwealth auf Politiker, Despoten und ihre Verwandten. Die Anwesenheit der Politprominenz zeigt, wie sicher die Offshore-Häfen mal waren. Für Politiker steht üblicherweise die politische Existenz auf dem Spiel, sobald geheime Firmen ans Licht kommen - und in etlichen Ländern ist die politische eng mit der persönlichen Existenz verbunden. Umso größer muss das Vertrauen in die Diskretion sein.

Auch Helfer des simbabwischen Diktators Robert Mugabe tauchen in den Daten auf, die Männer halfen damit wohl, internationale Embargos umgehen. Außerdem findet sich der mongolische Parlaments-Vize Bayartsogt Sangajav. Er hatte eine Firma auf den Britischen Jungferninseln, und auf dem dazugehörigen Bankkonto in der Schweiz mehr als eine Million Dollar. Sein Rücktritt gilt als wahrscheinlich.

Aktuellster Fall ist Jean-Jacques Augier, der Wahlkampfmanager von Frankreichs Präsident François Hollande. Augier ist an zwei Firmen beteiligt, die 2005 und 2008 auf den Cayman-Inseln gegründet wurden. Sein Fall bringt Präsident Hollande in Bedrängnis. Erst am Dienstag hatte sein zurückgetretener Haushaltsminister gestanden, ein geheimes Auslandskonto unterhalten zu habe.