Offshore-Leaks Deutsche Bank half bei Offshore-Geschäften

Das größte deutsche Geldhaus ist in Steueroasen aktiv: Mehr als 300 Trusts und Briefkastenfirmen gründete die Deutsche Bank über ihre Filiale in Singapur, zeigen die Daten des Offshore-Leaks. Finanzexperten warnen, dass Steueroasen oft für illegale Zwecke genutzt werden. Die Bank wehrt sich gegen die Kritik.

Von Bastian Brinkmann und Christoph Giesen

Wegen ihrer Geschäfte in Steueroasen steht nun auch die Deutsche Bank in der Kritik. Nach Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung hat die Bank über ihre Niederlassung in Singapur mehr als 300 Firmen und Trusts in mehreren Steueroasen, größtenteils auf den Britischen Jungferninseln.

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick, kritisierte das Geschäftsmodell international tätiger Geldinstitute wie der Deutschen Bank scharf. Die Wahrscheinlichkeit, dass Steueroasen "für etwas Illegales" genutzt werden, sei "sehr groß", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Mit Offshore-Konstrukten könnten etwa "Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruptionsgelder" verschleiert werden, sagte Schick. Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück forderte die Bundesregierung zum Handeln auf: "Wir sollten härtere Strafen für jene Finanzinstitute einführen, die zum Steuerbetrug einladen oder daran mitwirken."

Ein Sprecher der Bank wies die Vorwürfe zurück: Die Deutsche Bank biete weder Steuerberatung an noch eine Dienstleistung namens "Firmengründung in Steueroasen", erklärte er auf Anfrage. "Die Deutsche Bank hat umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass die Produkte und Dienstleistungen der Bank zu Zwecken der Geldwäsche missbraucht werden können", sagte ein Sprecher.

Auf ihrer Website dboffshore.com wirbt die Bank offensiver für ihre Offshore-Dienste. Dort heißt es, die Steueroase Mauritius böte "eine steuer-neutrale Umgebung". Die Geschäfte auf der Insel laufen gut: Die Mitarbeiterzahl im örtlichen Büro stieg dem Konzern zufolge in den vergangenen Jahren von fünf auf mehr als 200.

Banken sind für Offshore-Kunden unerlässliche Partner. Ohne sie würde sich das Räderwerk der internationalen Steueroasen-Industrie keinen Millimeter weit drehen. Vor allem die Großbanken sind es, die mit ihrem globalen Netz an Konten die Offshore-Welt erst funktionstüchtig machen, sie helfen dabei, das Geld - auch Schwarzgeld - über die Ländergrenzen hinweg zu verteilen. Neben der Deutschen Bank tauchen die US-Bank JP Morgan, die Schweizer UBS und praktisch alle großen Geldhäuser in den Offshore-Leaks auf.

Die Daten des Offshore-Leaks zeigen nun: Die Deutsche Bank gründete bis ins Jahr 2010 über ihre Filiale in Singapur 309 Briefkastenfirmen und Trusts. In wessen Auftrag diese Vehikel mit Namen wie Roseburn oder White River Holdings Group Ltd. aufgesetzt wurden und was der Geschäftszweck ist, will die Bank nicht sagen.

Zwar ist das Ausmaß der Geschäfte der Deutschen Bank geringer als beispielsweise das der UBS, die laut den Datenbeständen des Offshore-Leaks in mehr als 2900 Gesellschaften involviert ist. Aber auch die Deutsche Bank betrieb Offshore-Service für wohlhabende Privatkunden, das geht aus den Unterlagen hervor. Ein Mitarbeiter der Deutschen Bank-Filiale Singapur half beispielsweise einem Kunden auf kurzem Dienstweg, dessen Yacht in seine Offshore-Firma zu packen.

Die Offshore-Leaks sorgen weltweit für Aufregung - auf Twitter zu finden unter dem Hashtag #offshoreleaks.