Offshore-Geschäfte von Raiffeisen-International-Chef Stepic Österreichs mächtigster Banker tritt zurück

Herbert Stepic gibt in Wien seinen baldigen Abschied bekannt.

(Foto: REUTERS)

Dubiose Geschäfte: Nach SZ-Recherchen über seine Verbindungen zu Offshore-Firmen zieht Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International, Konsequenzen und tritt zurück.

Offshore-Leaks hat Österreich erreicht: Nach der Veröffentlichung von gemeinsamen Recherchen der Süddeutschen Zeitung und des österreichischen Magazins News hat der langjährige Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, seinen Rücktritt erklärt. Er stelle sein Amt "aus persönlichen Gründen" zur Verfügung, teilte er in Wien mit.

Stepics Name taucht im Zusammenhang mit zwei Firmen in den sogenannten Offshore-Leaks-Daten auf: der Yatsenko International Limited, mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln, und einer Holding mit Sitz in Hongkong mit dem Namen Takego.

Die Geschäfte liefen über eine seltsame Konstruktion: Stepic ist zwar wirtschaftlich Berechtigter der Yatsenko und der Takego, nach außen hin traten hingegen Firmen namens Lintel, Execorp und Sharrow als Schein-Direktoren und Schein-Teilhaber dieser Firmen auf. Durch derartige Konstrukte werden in der Offshore-Welt oft die wahren Besitzverhältnisse verschleiert. Stepic hingegen sagt, dies sei von der UBS-Bank, welche die Firmen für ihn betreut hat, so angeboten worden - und zwar "standardmäßig". Die UBS lehnte eine Stellungnahme ab. Die Bankenaufseher bei der Österreichischen Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht FMA wollen die Vorgänge nun prüfen.

Stepic hatte schon früher Briefkastenfirmen in Steueroasen für Immobiliengeschäfte genutzt: So hatte er über die Firma "Enthusa Limited" mit Sitz auf Zypern Immobilien in Serbien gekauft. Teilhaber von Enthusa sind serbische Geschäftsleute - und Stiftungen in einer weiteren Steueroase, in Liechtenstein. Eine davon gehört laut internen Bankunterlagen Herbert Stepic.

Seit Anfang April präsentieren Medien aus etwa 50 Ländern Ergebnisse aus den Analysen der Offshore-Leaks-Daten, die aus zwei Firmen stammen, die darauf spezialisiert sind, Offshore-Gesellschaften einzurichten. Die Datenmenge umfasst 260 Gigabyte, es handelt sich um 2,5 Millionen Dokumente. 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern werden in den Unterlagen aufgelistet. Sie gehören zu den größten Anbietern weltweit. Die Daten wurden im vergangenen Jahr dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) in Washington übergeben. Die Süddeutsche Zeitung hat die Informationen unabhängig verifiziert und darin recherchiert - in Deutschland gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk, in Österreich mit dem Magazin News.

Wie mittlerweile bekannt wurde, sind auch die amerikanischen, britischen und australischen Behörden im Besitz der Daten - und bereit, mit anderen Staaten zu kooperieren. Auch Österreichs Finanzministerin Maria Fekter hat Interesse angemeldet. Sie hat bereits eine Sonderkommission "Offshore-Leaks" gegründet.