Einst tönte Premiere, mehr als vier Millionen Kunden zu haben - nun stellt sich heraus, dass es nur 2,4 Millionen direkte Abonnenten gibt.
Vom Münchner Abofernsehbetrieb Premiere ist man seit einiger Zeit viel gewöhnt. Aber was am späten Donnerstagabend per Ad-hoc-Mitteilung verkündet wurde, setzt ganz neue Maßstäbe: Wie von Zauberhand verschwanden fast eine Million Abonnenten.
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Schlechte Zeiten für Premiere (© Foto: ddp)
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Die Börse war da bereits geschlossen und konnte nicht mehr reagieren - das war wahrscheinlich auch gut so. Am Freitagmorgen dann verlor die Aktie im M-Dax um die Hälfte an Wert und notierte bei lediglich fünf Euro. Es gebe nun nur noch 2,4 Millionen direkte offizielle Abonnenten, verkündete Premiere unter dem neuen Chef Mark Williams und kündigte zugleich einen hohen Verlust an. Bisher hatte der bereits ausgeschiedene Premiere-Chef Michael Börnicke - trotz aller öffentlichen Vorwürfe - immer von insgesamt mehr als vier Millionen Kunden gesprochen.
Der Schluss liegt nahe, dass die Zahlen möglicherweise schon lange deutlich geschönt sind. Am Donnerstag musste auch Finanzvorstand Alexander Teschner sein Amt mit sofortiger Wirkung niederlegen: Er arbeitete seit langem in der Finanzabteilung von Premiere. Übergangsweise übernimmt Premiere-Vorstandschef Williams auch dieses Amt. Der Manager des neuen Hauptaktionärs Rupert Murdoch (News Corporation) macht tabula rasa; weitere Umbesetzungen sind zu erwarten.
Allem Anschein nach wurden die Murdoch-Leute aufgeschreckt durch die Recherche einer Zeitschrift. Ein alter Premiere-Vertriebsbericht kreist im Markt und impliziert offenbar, dass die Abonnentenzahlen schon vor dem Börsengang Anfang 2005 überhöht waren. Damals gelang dem geschäftsführenden Gesellschafter Georg Kofler trotz jahrelanger Verluste das Kunststück, von freien Aktionären viel Geld für sein Premiere zu bekommen. Nun werden im Umfeld der Firma Klagen erwartet, da zum Beispiel Werbekunden im Vertrauen auf die vielen Kunden Spots schalteten.
Alles nur eine Luftnummer
Seit einigen Wochen bereits mistet Neu-Chef Williams kräftig aus. Was er dabei entdeckt, dürfte ihn entsetzen. Murdoch, der Anfang des Jahres bei Premiere einstieg und seitdem auf mehr als 25 Prozent aufgestockt hat, ist verärgert und fühlt sich getäuscht. "Schlimm sind schlechte Zahlen", heißt es in Branchenkreisen: "Noch schlimmer aber sind falsche Zahlen."
Die Revision der Zahlen ist mehr als ein herber Schlag - es ist ein Offenbarungseid. Laut der schockierenden Mitteilung von Premiere werden nun insgesamt 606.000 Abonnenten herausgerechnet, weil diese nur aus Verträgen mit Partnern bestünden und bisher nicht zu Abos geführt hätten. Wie das geht?
Lesen Sie auf Seite zwei, wie kreativ Premiere im Umgang mit den Abonnentenzahlen war.
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So recht überraschend war es nicht wirklich. Geahnt hatten das einige.