Österreichs Nationalbankchef Nowotny EZB-Mitglied warnt mit Nazivergleich vor Sparsamkeit

Zu harte Sparpolitik habe die Nazis in den 1930er Jahren an die Macht gebracht: Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny hat vor einer zu strikten Sparpolitik im Kampf gegen die Eurokrise gewarnt. Weil Nowotny im EZB-Rat sitzt, ist seine Kritik besonders brisant.

Mit einem drastischen NS-Vergleich hat Österreichs Nationalbankgouverneur Ewald Nowotny vor einer zu strikten Sparpolitik im Kampf gegen die Eurokrise gewarnt. Ähnliche Maßnahmen hätten zum Aufstieg der Nationalsozialisten Anfang der 1930er Jahre geführt, sagte Nowotny am Montagabend auf einer Konferenz in Wien, wie die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Dow Jones berichteten.

Am Mittwoch bestätigte Nowotnys Büro die Äußerungen des Zentralbankpräsidenten vom Wochenbeginn in Wien. Demnach sagte er, der in den 1920er Jahren begonnene Sparkurs habe Massenarbeitslosigkeit, den Zusammenbruch der Demokratie und die Machtübernahme durch die Nazis zur Folge gehabt.

Nowotny ist nicht der erste Ökonom, der auf die Risiken des Sparkurses hinweist. Bereits Anfang Juni hatten der britische Historiker Niall Ferguson und der US-Ökonom Nouriel Roubini in der britischen Tageszeitung Financial Times eine ähnliche historische Parallele gezogen und eine zögerliche Haltung Deutschlands in der Eurokrise kritisiert.

Äußerungen des Notenbankchefs von besonderer Brisanz

Die Politik der Bundesregierung verglichen sie dabei ebenfalls mit der Entwicklung in den 1920er Jahren und warfen der Bundesrepublik fehlendes Geschichtsbewusstsein vor. Deutschland setzte sich im Kampf gegen die Krise bislang vehement für Spar- und eher zögerlich für Wachstumsmaßnahmen ein.

Nowotnys Äußerungen sind aber von besonderer Brisanz. Als Chef der österreichischen Notenbank ist Nowotny auch Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB wiederum hat als Teil der sogenannten Troika maßgeblichen Anteil an den harten Sparauflagen, die klamme Länder wie Griechenland im Gegenzug für EU-Hilfen erfüllen müssen.