Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Erst drosselt der russische Ölkonzern Lukoil die Lieferungen an Deutschland - jetzt will er mehr Geld haben. Unmöglich.

Man stelle sich vor: Die Stadtwerke drehen ihren Kunden den Strom ab und verlangen ein paar Tage später höhere Tarife für die Kilowattstunde. Oder die Mineralölkonzerne schließen ihre Tankstellen für eine Woche, um nachher höhere Spritpreise zu verlangen.

Anzeige

So ähnlich läuft das Energiegeschäft derzeit mit Russland. Vor einigen Monaten drosselte der russische Ölkonzern Lukoil klammheimlich die Lieferungen, die durch die Pipeline mit dem schönen Namen Druschba (Freundschaft) nach Deutschland flossen, um ein Drittel.

Eine Erklärung gab er nicht. Jetzt wissen wir, warum der private Konzern, der beste Beziehungen zum Kreml hat, nach dieser Wildwest-Methode handelte. Er will höhere Preise für sein Öl.

Solches Verhalten erstaunt. Es ist zwischen zivilisierten Nationen nicht üblich, wirtschaftliche Erfolge mit so plumpen Methoden zu erzeugen wie der plötzlichen Verknappung von Lieferungen.

Auch für die in diesem Fall betroffenen Mineralölkonzerne BP, Shell, Agip und Total dürfte es ungewöhnlich sein, dass ihr russischer Lieferant zu so rücksichtslosen Mitteln greift. Eigentlich könnte man erwarten, dass Lukoil den Wunsch nach höheren Preisen in Verhandlungen mit den Partnern zur Sprache bringt.

Das unmögliche Verhalten der Russen sollte die westlichen Abnehmer nachdenklich machen. Sie können sich darauf einstellen, dass sie immer wieder mit wenig feinen Methoden vor vollendete Tatsachen gestellt werden und sollten sich verstärkt nach zuverlässigeren Lieferanten umsehen.

Zudem wird immer deutlicher, dass Russland auf die Dauer den Energiehunger der Deutschen weit weniger befriedigen kann als bisher angenommen. Das große Land braucht immer größere Ölmengen selbst, und auch seine Vorkommen sind beschränkt.

Leser empfehlen 

(SZ vom 29.08.2007)