Die Ölpest vor der US-Küste stürzt BP in eine Krise. Dabei wollte sich Chef Hayward "mit der Schärfe eines Lasers" den Sicherheitsproblemen annehmen.
BP-Chef Tony Hayward hat die Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko zur Chefsache gemacht. In diesen Tagen ist der 53-Jährige im Katastrophengebiet unterwegs, um mit Experten die weitere Vorgehensweise zu koordinieren. Hayward weiß, dass sein Ruf als Krisenmanager auf dem Spiel steht.
BP-Chef Hayward lässt keinen Zweifel daran, dass BP die Verantwortung für das Desaster im Golf von Mexiko übernimmt. Die Börse reagiert nervös.Im Bild: Der Ölteppich (re.) treibt auf die US-Küste zu. (© Foto: ddp/NASA/Earth Observatory/Jesse Allen)
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Er selbst hatte bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren verkündet, dass er sich "mit der Schärfe eines Lasers" den Sicherheitsproblemen im Unternehmen annehmen wolle. An diesem Anspruch muss sich Hayward nun messen lassen. Der Druck aus Washington wächst. Regierungsbeamte haben dem Ölmulti vorgeworfen, nach der Havarie der Bohrinsel Deepwater Horizon nicht schnell genug gehandelt zu haben. Sämtliche Kosten würde der Konzern zu bezahlen haben, darauf beharrt die US-Regierung.
Experten wie der Öl-Analyst Neil McMahon von der Investmentfirma Sanford Bernstein schätzen die Gesamtkosten auf mehr als zwölf Milliarden Dollar (etwa neun Milliarden Euro), um das Öl-Desaster im Golf von Mexiko in den Griff zu bekommen. Schon gibt es Vergleiche zur Tankschiff-Katastrophe der Exxon Valdez im Jahre 1989.
Für die Beseitigung der Schäden im Prince William Sound in Alaska musste der US-Ölkonzern Exxon Mobil damals etwa 3,5 Milliarden Dollar aufwenden. BP gilt als gebranntes Kind in der Branche: Im Jahre 2005 waren bei einer Explosion in einer BP-Raffinerie im US-Bundesstaat Texas 15 Mitarbeiter ums Leben gekommen. Wegen Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften wurde der Konzern zu einer Geldbuße in dreistelliger Millionenhöhe verdonnert. Und ein Jahr später verursachte eine defekte BP-Pipeline in Alaska große Umweltschäden.
Hayward lässt keinen Zweifel daran, dass BP die Verantwortung für das Desaster im Golf von Mexiko übernimmt und den Öl-Teppich beseitigen will. Die Börse reagiert nervös. Sei dem Unfall hat BP etwa 13 Prozent seiner Marktkapitalisierung verloren hat. Das sind etwa 25 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro). Zwar handelt es sich um einen reinen Buchverlust. Doch dies zeigt, dass das Misstrauen der Anleger groß ist, zumal die Kosten für die Beseitigung der Ölpest weitersteigen könnten.
Immerhin hilft es BP, dass das Unternehmen an dem Macondo-Ölfeld im Golf von Mexiko nur einen Anteil von 65 Prozent hat. 25 Prozent entfallen auf die US-Firma Anadarko und zehn Prozent auf Mitsui of Japan. Solche Partnerschaften sind in der Branche üblich, um das Risiko von vornherein auf mehrere Schultern zu verteilen.
Die gesunkene Ölplattform gehörte der Bohr-Firma Transocean, sodass für das Betreiber-Konsortium keine Wiederbeschaffungskosten (etwa 700 Millionen Dollar) anfallen. Gleichwohl muss BP anteilsmäßig mit knapp acht Milliarden Dollar rechnen, falls sich die Gesamtkosten für die Schadensbeseitigung auf gut zwölf Milliarden Dollar belaufen. Allein die geplante Entlastungsbohrung veranschlagen Experten mit 100 Millionen Dollar.
Wiedergutmachung - und Strafzahlungen
Finanziell noch viel gravierender werden für den Konzern die zu erwartenden Schadenersatzklagen der Fisch- und Tourismusindustrie sein. Dabei geht es vor amerikanischen Gerichten nicht nur um die Wiedergutmachung des erlittenen Schadens, sondern auch um hohe Strafzahlungen.
BP-Chef Hayward steht vor einer Grundsatzentscheidung, in welchem Maße BP die Öl-Förderung im Golf von Mexiko fortsetzen soll. Erst vor kurzem hat der Konzern für sieben Milliarden Dollar große Felder der US-Firma Devon Energy erworben und damit seine Position im Golf gefestigt. Doch ist dies die richtige Strategie? Sind Tiefseebohrungen technisch beherrschbar? Das sind Fragen, mit denen sich Hayward nun auseinandersetzen muss.
Die Küste zwischen den US-Bundesstaaten Texas, Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida erlebt bei der Ölförderung seit ein paar Jahren ein Comeback. Für die westlichen Öl-Konzerne ist die Region eine sichere Investition, zumal die Unternehmen im Nahen Osten, Afrika, Südamerika mit zahlreichen politischen Problemen konfrontiert sind.
Ausschlaggebend ist aber auch die rasche technologische Entwicklung, die es ermöglicht, in Meerestiefen von mehr als 1500 Meter vorzustoßen. Etwa 6500 Öl- und Erdgasförderstätten gibt es derzeit in der Küstenregion - mit insgesamt etwa 60.000 einzelnen Bohrstellen. Der Meeresgrund gleiche einer Höhle von Wühlmäusen, witzeln die Ölmänner auf den Plattformen. Wie ein großes Spinnennetz haben sich die Ölleitungen auf dem Meeresboden ausgebreitet. Die Offshore-Förderung im Golf von Mexiko trägt etwa zu einem Viertel zur heimischen Ölproduktion der USA bei.
Die Golfregion hat eine lange Geschichte als Öl-Eldorado. Doch erst in den neunziger Jahren gelang es, in größere Tiefen fern der Küste vorzustoßen. Doch es gibt auch Grenzen der modernen Technik, wenn es um den Schutz labiler Ökosysteme geht. Das muss jetzt auch BP-Chef Hayward erkennen.
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(SZ vom 03.05.2010/hgn)
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Die Ölindustrie hat neben der Atomkraftwerksindustrie die Strengsten Sicherheitsregeln der Welt.
Nun Kommts :Leider nur auf dem Papier.
Es gibt Tonnenweise(Papierform) Techn. Vorschriften(u.a.auch Ex-Schutzvorschriften) die solche Katastrophen verhindern sollen und können.Aber was nutzen sie wenn der Operator,Supervisor,Sicherheitsingenieur von den Oberen veranwortlichen(Ganstern) genötigt wird ,nicht genau zu prüfen ob die reale betriebene Anlage den niedergeschriebenen Regeln entspricht.
Meine Vorwurf geht auch in Richtung Abnahme und Erteilung der Betriebserlaubniss für Sicherheitseinrichtungen durch schlammpig arbeitende Prüfingenieure vom TÜV ,Germanischer Lloyd,FM,Noske Veritas,Nema,UL,usw.
Der Begriff "Redundanz" ist in der Sicherheitsbranche Grundgesetz.Leider prüfen einige der sogenannten "zertifizierten Prüfer ",die eine Ingenieurausbildung haben,wie ein Dorfschmied.
Sonst wären die Unfälle wie Krümmel, Biblis(geduldetes falsches Rohrmaterial),Magnetschwebebahn Emsland und jetzt der nicht funktionstüchtige Blowout Preventer von der Fa.Cameron,nicht möglich gewesen.
Man könnte den Schuldigen finden,aber das wird wie immer geschickt von den Verantwortlichen vernebelt.
Bis zur nächsten Katastrophe durch Menschenhand
....sonder WIR! Für BP, einem der größten Wirtschaftskonzerne der Welt, ist eine Milliarde Dollar etwa so viel, wie für einen Herrn Ackermann ein 500-uro-Schein im Portmonee.Nicht der Rede wert, bei einem Jahresgewinn von mindestens 24 Mrd. Dollar im Jahr!
Die höheren Kosten für die Reinigungsarbeiten dürfen die Verbraucher dann in Form von höhren Preisen an den Zapfsäulen bezahlen. Schließlich hat die Ölindustrie die amerikanische Politik in USA fest im Griff! Bei Bush war es so(Irakkrieg) und bei Obama wird es niocht viel anders sein. BP zahlt die "Bill" ja auch für die Regierung...das vergißt der Witzbold Obama gelegentlich.
Vielleicht kein Geld, dafür aber Oil for free zum Mitnehmen.
Ich nicht!
Liebe BP, bevor Ihr die Firma zu macht, zuerst das Bohrloch - bitte !