SZ: Was fordern Sie? Die Verstaatlichung des Finanzsystems?
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Johnson: Nicht des gesamten Systems, nur der insolventen Banken. Das wäre der beste Weg aus der Krise. Wir hätten die Pleiteinstitute über- und ihnen ihre faulen Kredite abnehmen sollen. Den gesunden Rest hätten wir dann reprivatisieren können. Leider hat sich die Regierung diesen Weg verbaut.
SZ: Erklären Sie das.
Johnson: Mit den Stresstests hat sie den Märkten signalisiert: Dem Finanzsystem geht es den Umständen entsprechend gut, wir brauchen keine Verstaatlichung. Nun kann sie nicht auf einmal das Gegenteil behaupten, um eine Übernahme zu rechtfertigen. Sie würde all ihre Glaubwürdigkeit zerstören - mit schlimmen Folgen. Also bleibt uns nichts anderes übrig als zu hoffen, dass die Annahme der Regierung stimmt, die Banken könnten ihre alten Verluste mit neuen Gewinnen ausgleichen. Ich habe meine Zweifel.
SZ: Immerhin: In Asien und Amerika gibt es erste Anzeichen einer Stabilisierung, in Europa kaum. Was machen die Europäer falsch?
Johnson: Sie verhalten sich arrogant, fast ignorant. Sie behaupten, die Amerikaner hätten die Krise ausgelöst, daher müssten sie sie auch bereinigen. Abgesehen davon, dass diese These falsch ist, weil die europäischen Banken begeistert mitgemischt haben bei den Kreditexzessen der Wall Street, begründet die These eine gefährliche Passivität. Die Rezession hat Europa mit voller Wucht getroffen. Europa braucht eine entschlossene Krisenpolitik. Davon fehlt jede Spur. Dabei sind Bankkredite für europäische Firmen viel wichtiger als für amerikanische Unternehmen, die viel stärker auch auf andere Kapitalquellen zurückgreifen können.
SZ: Deutschland will eine Bad Bank einrichten, bei der Kreditinstitute faule Papiere deponieren. Eine gute Idee?
Johnson: Ich kenne die Details nicht. Aber nach allem, was der deutschen Regierung bisher zur Krise eingefallen ist, glaube ich nicht, dass sie zu einer vernünftigen Lösung in der Lage ist.
SZ: Welche Lehren sollte der Westen aus dem Finanznotstand ziehen? Teilen sie die Auffassung ihres Kollegen Paul Krugman, dass Bankgeschäfte wieder langweilig werden müssen?
Johnson: Das ist ein richtiger Ansatz. Die Zockerei auf fremde Kosten muss ein Ende haben. Die wichtigste Lehre der Krise sollte aber sein, dass wir Banken keinen großen politischen Einfluss mehr geben dürfen. Wir müssen die Macht der Wall Street brechen.
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(SZ vom 20.05.2009/pak)
Vor der EM in Polen und der Ukraine
dass Sie dem Herren wirklich würden zustimmen wollen. Sie sollten nochmals lesen. Ich allerdings kann mit einem leichten Schmunzeln anmerken, dass der Mann zu beinahe 100% auf Linie liegt. Guter Mann!
"Aber nach allem, was der deutschen Regierung bisher zur Krise eingefallen ist, glaube ich nicht, dass sie zu einer vernünftigen Lösung in der Lage ist."
ist der beste Kommentar zur Finanz- und Wirtschaftskrise seit langem. Zudem ist seine Anmerkung, dass Kartellgesetze ein gutes Mittel gegen "too big to fail" sind bemerkenswert. Leider fürchte ich, dass ein Zerteilen einer Bank immer dazu führt, dass die unliebsamen Reste mit Schulden beim Staat landen.
Ansonsten stimme ich weitestgehend zu: Wenn ich mir hier anschaue, was bei Strom-/Gas und Energie los ist, dann pack ich mir an den Kopf. Wenn Banken auch an gute Schuldner keine Kredite mehr vergeben und stattdessen erst mal sich selbst retten, muss eben der Staat über staatseigene Institute Kredite zu marktüblichen Kondotionen an solvente Kunden vergeben. Wozu gibts die Landesbanken. Wenn Großbanken dann immer noch nicht nachziehen gehen die eben von alleine über den Jordan.