Ökonom Achim Wambach wird neuer Chef der Monopolkommission

"Man lernt jede Woche etwas, das einen überrascht": Ökonom Achim Wambach (Archiv)

(Foto: dpa)

Nach dem spektakulären Rücktritt des Vorgängers wird Achim Wambach neuer Vorsitzender der Monopolkommission. Es ist ein Amt ohne Macht - aber mit Einfluss.

Von Caspar Busse

Achim Wambach, 47, hält nicht viel von Ideologie. Es gebe eigentlich keine rechte oder linke Wirtschaftswissenschaft, sagte er einmal und fügte an: "Das ist wie in der Physik: Da gibt es keine Päpste, die Sache ist entweder richtig oder falsch." Wambach muss es wissen, denn der Professor ist eigentlich promovierter Physiker und fand erst spät zur Volkswirtschaft.

Dafür macht der gebürtige Kölner jetzt als Wirtschaftswissenschaftler und Politikberater Karriere. An diesem Dienstag wurde er zum neuen Chef der Monopolkommission bestimmt, dem Gremium, das die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät. Damit nicht genug: In der kommenden Woche wechselt Wambach von Köln nach Mannheim und übernimmt dort die Leitung des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung), eines der gefragtesten in Deutschland. Dort wird Wambach Nachfolger von Clemens Fuest, der nach München zum Ifo-Institut geht und dort Hans-Werner Sinn beerbt. Und im kommenden Jahr ist er als neuer Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik vorgesehen, einer der größten Vereinigungen von Wissenschaftlern überhaupt. Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium ist er ebenfalls.

Ziemlich viele Aufgaben also für Wambach, der bisher am liebsten im Hintergrund wirkte. Den neuen Job bei der Monopolkommission hatte er zumindest nicht geplant.

Sein Vorgänger Daniel Zimmer war erst in der vergangenen Woche im Eklat ausgeschieden. Er erklärte seinen Rücktritt aus Protest gegen eine Entscheidung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Der hatte die Übernahme der etwa 450 Supermärkte von Tengelmann und Kaiser's durch Edeka per Ministererlaubnis unter Auflagen durchgewinkt, obwohl die Monopolkommission zuvor dringend davon abgeraten hatte. Ein schwerer Fehler sei das, klagte der Juraprofessor Zimmer, und schmiss hin. Nun hat die Kommission aus ihrer Mitte Wambach zum neuen Vorsitzenden gewählt. Wer den Platz von Zimmer künftig einnimmt, ist dagegen noch offen. Traditionell gehören dem Gremium neben drei Vertretern aus der Wirtschaft ein Jura- und ein Wirtschaftsprofessor an.

"Ich freue mich sehr auf die Aufgabe und das Vertrauen", sagte Wambach, "unser Hauptaugenmerk gilt jetzt der Erstellung des Hauptgutachtens, das im Sommer veröffentlicht wird." Dieses erscheint alle zwei Jahre und gibt generell einen Überblick über den Stand der Wettbewerbspolitik in Deutschland. Die Arbeiten laufen bereits. Die Monopolkommission verfügt in Bonn über eine Geschäftsstelle und mehrere Mitarbeiter.

Aber Wambach muss auch die Lage befrieden. Der auch für Insider überraschende Rücktritt von Zimmer brachte viel Unruhe: So viel öffentliche Opposition gegen den Wirtschaftsminister ist ungewöhnlich. Normalerweise wirkt die Monopolkommission im Hintergrund, gibt aber die große Linie vor und setzt die Themen, indem sie Sondergutachten zur Lage des Wettbewerbs bei der Bahn oder der Post oder eben das Hauptgutachten veröffentlicht. Außerdem muss sie vor Ministererlaubnissen, die ein Veto des Kartellamtes außer Kraft setzen, Stellung beziehen.

Dem stets sachlich auftretenden Wambach ist die schwierige Aufgaben zuzutrauen. Er wollte eigentlich Investmentbanker werden und ging deshalb zuvor noch an die London School of Economics. Er blieb bei der Wirtschaftswissenschaft, arbeitete in München, Erlangen und Köln. "Man lernt jede Woche etwas, das einen überrascht", sagte er einmal über die Volkswirtschaft. In der Politik wird er das sicher auch erleben.

Seiteneinsteiger mit Wirkung

Achim Wambach ist eigentlich Physiker und Mathematiker, dann erst kam er zur Volkswirtschaft. Heute ist er ein wichtiger Politik-Berater. Von Caspar Busse mehr ...