Damit steigt auch der Kontrollaufwand, denn das Prüfsystem in der Bioproduktion ist strenger als in der konventionellen Lebensmittelerzeugung. So sind Pestizide, künstliche Düngemittel oder der Einsatz von Gentechnik nicht erlaubt.

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Beim BÖLW geht man davon aus, dass der Geflügelskandal in Nordrhein-Westfalen ein Einzelfall ist, der den Aufschwung der Branche nicht bremsen wird. Auch die Wirtschaftskrise zeige bislang keine Auswirkungen, so Gerber. Er schätzt das Umsatzwachstum der Branche künftig auf zehn bis 18 Prozent jährlich. Nicht alle in der Branche sehen das so optimistisch.

Boomjahre erst einmal vorbei

Kai Kreuzer, Geschäftsführer des Online-Fachmagazins Bio-Markt.info, schätzt das Wachstumspotential höchstens auf fünf bis zehn Prozent pro Jahr. "Die Boomjahre mit Zuwächsen über zehn Prozent sind erst einmal vorbei", prognostiziert er. Aber auch er ist überzeugt, "dass Käufer von Bio-Produkten ihre Einstellung nicht wegen der Krise über Bord werfen werden".

Von einer Kaufzurückhaltung sei derzeit nichts zu spüren, bestätigt auch die Firmensprecherin der größten deutschen Biohandelskette Alnatura, die 45 Filialen betreibt. Das vor 25 Jahren gegründete Unternehmen wächst stetig und steigerte im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 24 Prozent auf 304 Millionen Euro.

Firmengründer und Inhaber Götz Rehn gilt als einer der Wegbereiter der modernen Biosupermärkte, ebenso wie Thomas Greim, Geschäftsführer und Besitzer des Ökogroßhändlers Dennree im fränkischen Töpen. Ihm gehört die Ökokette Denn's Biomarkt, die zweitgrößte in Deutschland mit knapp 30 Filialen.

Familiäre Strukturen

Im Gegensatz zu vielen Auslandsmärkten ist der deutsche Biohandel Kreuzer zufolge nach wie vor stark von familiären Strukturen geprägt. "Viele der Biosupermärkte sind noch in Händen der Gründer", ergänzt er. Im Ausland, etwa in Frankreich, Holland, Großbritannien oder den USA, sei die Branche dagegen bereits stark kommerzialisiert, unter Beteiligung großer Lebensmittelkonzerne. Auch hierzulande strecken immer wieder Großinvestoren ihre Fühler aus, allerdings mit wenig Erfolg.

Die Beteiligung der Schwarz-Gruppe, zu der auch der Discounter Lidl gehört, endete für die Münchner Biokette Basic beinahe in einem Desaster. Die Kundschaft revoltierte und der Absatz brach dramatisch ein, schließlich zog sich der Lidl-Eigner wieder zurück. "Auch Vierlinden mit Rewe im Hintergrund kann kaum Boden gewinnen", sagt Kreuzer. "Das Biogeschäft lebt vom Vertrauen der Kunden in ihren Händler. Einem Betreiber wie Lidl oder Rewe nehmen die Verbraucher nicht so leicht ab, dass er wirklich hinter den Ökoprodukten steht, die er verkauft."

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(SZ vom 19.02.2009/iko/pak)