Mit viel Geld fördert der Bund jährlich den Regionalverkehr. Nun zeigt sich: Nicht jedes Land geht mit den Mitteln effizient um.
Bei der Förderung des Nahverkehrs verschwendet die öffentliche Hand Milliarden an Euro. Das ergab eine Analyse des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Vor allem in ostdeutschen Bundesländern, aber auch im Saarland, wird demnach "mit einem überdurchschnittlichen Aufwand ein unterdurchschnittliches Ergebnis erzielt".
Etwa sieben Milliarden Euro stellt der Bund den Ländern jährlich zur Verfügung, um damit ihren Schienenpersonennahverkehr zu bestellen. Wie sie die Mittel verwenden, bleibt ihnen überlassen. (© Foto: dpa)
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Seit der Bahnreform 1994 ist es Aufgabe der 16 Bundesländer, den Schienenpersonennahverkehr selbst zu bestellen. Oft beauftragen sie die Deutsche Bahn damit, zunehmend jedoch auch deren Konkurrenten. Um den Verkehr finanzieren zu können, erhalten die Bundesländer jährlich insgesamt etwa sieben Milliarden Euro an sogenannten Regionalisierungsmitteln aus dem Bundeshaushalt.
Wie die Länder die Mittel verwenden, bleibt ihnen überlassen. Eine Kontrolle durch den Bund findet nicht statt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat nun erstmals auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts ausgewertet, wie wirtschaftlich die Länder mit dem Geld umgehen.
Mehr Fahrgäste bei gleichem Aufwand
Das Ergebnis ist ernüchternd: Bei gleichem Aufwand könnten bundesweit "20 Prozent mehr Fahrgäste im Schienenpersonennahverkehr befördert werden, wenn in den Bundesländern die Regionalisierungsmittel effektiv verwendet würden", schreibt der Verfasser, Holger Krawinkel.
Besonders schlecht schneiden das Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ab. Diese Länder bezahlen für Verkehrsleistungen deutlich mehr als andere. "Schon beim Aufwand für die eingekauften Zugkilometer liegt zwischen den effizientesten und den ineffizientesten Bundesländern eine Differenz von 50 Prozent", heißt es in der Studie.
Wenn man dann noch berücksichtige, wie viele Personen mit dem Geld transportiert würden, seien die Unterschiede noch größer. So kostet es in Bayern im Schnitt elf Cent, eine Person einen Kilometer im Zug zu transportieren, in Sachsen dagegen 35 Cent. "Und das, obwohl die Siedlungsdichte in Sachsen höher als in Bayern ist", sagt Krawinkel zur SZ.
Gelder angemessen verteilen
Allein mit der unterschiedlichen Bevölkerungsdichte seien die Differenzen also nicht zu erklären. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Regionalisierungsmittel anders zwischen den Ländern verteilt werden sollten. 1994 erfolgte die Verteilung nach einem Schlüssel, der nahezu unverändert bis heute gilt (siehe Grafik).
Er richtete sich vorrangig nach dem damaligen Fahrplanangebot in den jeweiligen Ländern. Dieses sollte finanzierbar bleiben. Doch seit damals haben sich Nachfrage und Angebot deutlich verändert. Die Verteilung der Mittel entspreche "nicht mehr der tatsächlichen Verkehrsleistung in den jeweiligen Bundesländern", so die Studie.
Im Schnitt fahren die Deutschen 573 Kilometer pro Jahr mit Regionalzügen (siehe Grafik). Die Sachsen aber legen nur 326 Kilometer zurück, die Saarländer sogar nur 250 Kilometer, während die Bayern und die Brandenburger jeweils mehr als 700 Kilometer fahren. Auffallend schlecht schneidet Nordrhein-Westfalen ab. Obwohl das Land dicht besiedelt ist, fahren die Bürger dort im Jahr nur 465 Kilometer mit Regionalzügen.
Zu viele Direktvergaben
Krawinkel ist überzeugt, dass im Regionalverkehr Milliarden an Euro verschwendet werden. Es müsse dringend analysiert werden, woran die Effizienz-Unterschiede lägen. Das vorhandene Zahlenmaterial reiche dafür nicht aus. Die Studie legt vor allem zwei Erklärungen nahe.
Zum einen würden die Länder Aufträge zu selten ausschreiben, sondern direkt vergeben - häufig an die Bahn. "In diesem Fall nutzen die Verkehrsanbieter womöglich aus, dass das Land dank der Regionalisierungsmittel eine erhöhte Zahlungsbereitschaft aufweist", vermutet Krawinkel.
Mit anderen Worten: Die Anbieter wissen, dass Geld da ist, und verlangen daher mehr für ihre Leistung. Und die Länder sind bereit zu zahlen. Denn im derzeitigen System hätten ineffizient arbeitende Länder keine Sanktionen zu befürchten, heißt es in der Studie. "Im Gegenteil müssen besonders effizient arbeitende Länder befürchten, nicht verwendete Mittel an den Bund zurückzahlen zu müssen."
Überhöhte Preise für die Schienennutzung
Eine zweite Erklärung für die Effizienz-Unterschiede wäre, dass die Deutsche Bahn als Betreiberin des Netzes in bestimmten Regionen von den Bahnunternehmen höhere Preise für die Schienennutzung verlangt, sodass diese ihre Leistung teurer anbieten müssen. Auch hier könnte dahinter das Motiv stecken, die Regionalisierungsmittel abzuschöpfen.
Laut Studie deutet vieles auf solche "überhöhte Trassen-Entgelte" hin. Der Autor schlägt eine grundlegende Reform vor. Statt den Ländern pauschal Millionenbeträge zur Verfügung zu stellen, sollte der Bund ihnen künftig nur noch ein Grundangebot im Nahverkehr über eine feste Zusage finanzieren und alle zusätzlichen Mittel gezielt dahin leiten, "wo die Verkehrsnachfrage am größten und die Mittelverwendung am effizientesten ist".
So lasse sich der größte Nutzen für Fahrgäste, Steuerzahler sowie die Klimabilanz ziehen. Voraussetzung sei, dass die Länder nachvollziehbar über die Verwendung der Mittel Auskunft geben müssen. "Es ist erstaunlich, wie lange es schon an Transparenz und Anreizen fehlt, um diese offenkundige Fehlsteuerung beim Einsatz öffentlicher Mittel abzustellen", schreibt Krawinkel.
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(SZ vom 12.05.2010/nog/tob)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
...war es nicht vor zwei Jahren so das fast der gesamte Gewinn der Bahn aus den Regionalverkehr erwirtschaftet wurde? Wenn man die Gewinnvorgaben in einen anderen Artikel zu der SBahn in Berlin gelesen hat war das Ziel der Bahn wohl sogar diesen Gewinn zu verdoppeln...auf Kosten der Steuerzahler und der Städte. Wäre jetzt die Bahn dann auch tatsächlich an die Börse gegangen würde der Steuerzahler die Dividende der Aktionäre zahlen aber zum Glück ist dies (erstmal) nicht eingetreten.
An Carmor;@, Was sie schreiben,stimmt zum Teil,die Gelder werden von Verantwortungslosen Politikern oder nichts Konnern verschwendet. Wo keine Kontrolle ist da wird dem Missbrauch Tuer und Tor geoeffnet. Das Beispiel Schweiz zeigt uns wie es gehen koennte,nur warum machen wir das nicht,diese Frage stellte ich schon vor 25 Jahren. Nur die Antwort blieb bis heute aus, in der Schweiz ist es so,da sind Staatliche, oder Kantonale und Private Betriebe am Werk und es funktioniert. Bei uns scheint es so zu sein,dass es eine Aufvoerderung zur Selbstbedienung ist. Der Druck der Bevoelkerung auf die Politik muss viel groesser werden,aber die lieben Leute gehen lieber in die Kneipe.
Mann sollte diese ganzen Föderalen und Privatisierungsvorgänge schleunigst beenden und rückgängig machen.
Eine Bahn für ein Land und die eben gut organisiert wie früher eben auch. Das hat funktioniert und war viel günstiger. im gegenteil der Staat hat daran verdient.
Nun wurde alles "modern" organisiert und nix mehr funktioniert und die Kosten explodieren.
Ja mei
Die gesamte Infrastruktur gehört wieder in die Hand des Bundes und nicht in die Hand einer Aktiengesellschaft. Das ist viel zu gefährlich. Hier erhalten sonst Banken und Spekulanten Zugriff auf das Wertvollste was wir noch haben! Grund und Boden! Nichts anderes ist mit dem Ziel einer Börsen DB AG gewollt. Volksvermögen soll in Spekulantenhände (Banken) überführt werden. Das die DB kein Interesse an marktgerechten Preisen hat, ist ja ihre Aufgabe. Das hier damit der Bund die Länder ausnimmt, und das ganze nur linke Tasche, rechte Tasche finanziert wird, nennt sich wohl Marktwirtschaft. Damit wird das ganze Schienensystem ineffizient gehalten, was durchaus der Lobbyarbeit der Autokonzerne, Luftfahrt und dem Strassentransportgewerbe zu verdanken ist. Durch Aufkaufen der Schienenverkehrmitbewerber werden diese ausgeschaltet. Damit ist Tür und Tor geöffnet, um den Bundesländern und Kommunen jeden Preis aufzuzwingen, den sie möchte. Die Politik hat dies so gewollt und wundert sich jetzt darüber, wie sich alles negativ entwickelt. So wie in allen Fragen der Finanzen zur Zeit die Regel ist. Diese gesamte Bahnprivatisierung ist eine Chimäre und Fehlgeburt, die nach und nach weiter Finanzmonster gebiert. Solange sich das Schienennetz (inkl. Bahnhöfe, Signale, etc.) in der Hand der DB AG befindet, werden keine objektiven Preise für die Transportleistungen erbracht werden. Es kann auch nicht sein, das die DB AG nach und nach bundesweit einfach Immobilien aller Art über eine Tochterfirma veräußert, um damit ihre Bilanzen zu schönen, obwohl diese Immobilien vor Generationen durch öffentliche Mittel für den Betrieb des Schienenverkehrs erworben wurden. Die Bahnprivatisierung entpuppt sich immer mehr als ein grossangelegter Raub am Volksvermögen. Daher ist die Bahnprivatisierung als solches gescheitert. Der Schienenverkehr als ganzes ist Aufgabe der öffentlichen Hand zur Daseinssicherung und nicht dazu da, Reiche noch Reicher zu machen und dann die Trümmer wieder an den Staat zurückzugeben. Herr Grube ist scheinbar kein wenig besser als sein Vorgänger Herr Mehdorn. Dies ist aber von der Bundesregierung so gewollt, sonst hätten sie einen ehrlichen Kaufmann dorthin gesetzt und nicht einen Boni-Gewinnmaximierer. Der Staat ist ein guter Unternehmer; nur pfuscht eben die Politik immer ins Handwerk. Nur bei einem schwachen Staat sind Wirtschaftskatastrophen möglich. Deshalb: Bürgerbahn statt Börsenwahn. Und: Besteuerung der Luftfahrt und deren Treibstoffe.
wieso muss ich eig. momentan mal wieder jeden Beitrag mindestens 5x eingeben, bis er angenommen wird???
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