Öffentliche Kündigung bei AOL "Sie sind gefeuert. Raus!"

Kündigt einem Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft: AOL-Chef Tim Armstrong. 

(Foto: AFP)

Kurz bevor AOL-Chef Armstrong bei einer Telefonkonferenz die Entlassung von Hunderten Mitarbeitern verkünden will, funkt ein Mann dazwischen. Er will eigentlich nur ein Foto machen - und wird gekündigt. Vor versammelter Mannschaft.

Bei der AOL-Telefonkonferenz sollte es um viele Jobs gehen. Plötzlich stand jedoch einer im Fokus. Konzernchef Tim Armstrong wollte sich zur Zukunft der etwa 1000 Patch-Angebote äußern. Unter diesem Markennamen betreibt AOL in 23 amerikanischen Bundesstaaten lokale Nachrichtenseiten, die über kleine und kleinste Ortschaften berichten.

Bekannt war, dass AOL plant, etwa die Hälfte der Patch-Seiten auszulagern oder zu schließen. 2007 wurde Patch.com von Armstrong selbst mitbegründet, bei der Konferenz sollte er nun über "die Auswirkungen" dieses Plans reden. Wie diese aussehen würden, ahnten die Mitarbeiter bereits zuvor: Kündigungen.

Während der Telefonkonferenz zückte einer der Patch-Angestellten eine Kamera und machte ein Foto von Armstrong. Der sagte gerade ins Telefon, dass er keine Witze mache. Wer das nicht glaube, der könne sofort gehen. Plötzlich wandte er sich an den Fotografen: "Legen Sie sofort diese Kamera aus der Hand. Sie sind gefeuert. Raus!"

Der gut verdrahtete US-Medienjournalist Jim Romenesko hat eine Audiodatei der Telefonkonferenz auf seine Webseite gestellt. Demnach sagte Armstrong:

If you think what's going on right now is a joke, and you want to joke around about it, you should pick your stuff up and leave Patch today, and the reason is, and I'm going to be very specific about this, is Patch from an experience — Abel, put that camera down right now! Abel, you're fired. Out! [Momentary pause.] If you guys think that AOL has not been committed to Patch, and won't stay committed to Patch, you're wrong. The company has spent hundreds of millions of dollars, the board of directors is committed, I'm committed. ....

Laut Techcrunch, einem zu AOL gehörenden Technologieblog, haben rund 1000 Leute während des Vorfalls zugehört. Die öffentliche Kündigung sei "beschämend und abscheulich", sagte ein anonymer Konferenzteilnehmer Techcrunch.

AOL hat erst vor wenigen Tagen den größten Zukauf seit Jahren bekanntgegeben und baut damit das Geschäft mit Videowerbung aus. Das Unternehmen kaufte für 405 Millionen Dollar in bar und eigenen Aktien die Firma Adap.tv. Über Adap.tv können Unternehmen ihre Videowerbung auf Webseiten unterbringen.

Armstrong arbeitet daran, das einst für seine Internetzugänge bekannte US-Unternehmen zum Inhalteanbieter umzubauen und setzt auf Werbung als Haupteinnahmequelle. Der bislang größte Zukauf war die Onlinezeitung Huffington Post im Jahr 2011 für 315 Millionen Dollar.