Andere europäische Länder sind schon weiter und finanzieren neue Autobahnen durch Public-Private-Partnerships. Anders kann der nötige Infrastrukturausbau kaum noch bewältigt werden.

Die Internationalisierung der Wirtschaft und ihrer Produktionsabläufe hat großen Einfluss auf die Logistikprozesse. Wie sich die Globalisierung bisher ausgewirkt hat, analysiert die IKB Deutsche Industriebank in ihrem Branchenreport.

Ostseeautobahn A20

Ein Radfahrer auf dem Neubauabschnitt der Ostseeautobahn A 20 zwischen Lübeck und Stettin. Bauzeit: 11 Jahre. Kosten: 1,9 Milliarden Euro. (© Foto: dpa)

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Im Vergleich mit Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien weist Deutschland demnach mit etwa 88 Milliarden Euro die höchsten Umsätze der Logistikbranche auf.

Insgesamt, so ergab die Studie, werde ersichtlich, dass die Logistikbranche in den führenden europäischen Ländern nicht nur eine wichtige Rolle als eigenständiger Wirtschaftszweig spielt, sondern auch als Katalysator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung fungiert.

Und weiter: Die internationalen Geschäftsbeziehungen zwischen Europa und anderen großen Logistikzentren weltweit, vor allem USA und Asien, gewinnen weiter an Bedeutung.

Güterverkehr auf der Straße wird auch zukünftig dominieren

Insgesamt habe die Straße trotz ihrer bereits dominierenden Stellung im internationalen Güterverkehr aufgrund überdurchschnittlicher Steigerungen bei der Transportleistung weiter Marktanteile gewonnen. Die Studie kommt darüber hinaus zu der Einschätzung, dass die Schiene europaweit kaum Marktanteile gewinnen konnte und mit einem Anteil von 16 Prozent zweitrangiger Verkehrsträger ist.

Binnenschifffahrt und Pipelines sind danach in den meisten Ländern von untergeordneter Bedeutung.

"Obwohl in allen genannten Ländern die gesamten Transportleistungen ansteigen, resultieren daraus unterschiedliche Implikationen für die Belastung der Verkehrsinfrastruktur."

Aufgrund des weiter stark steigenden internationalen Handels erwartet die IKB Deutsche Industriebank ein Wachstum der Transportleistung in Europa in den nächsten Jahren um vier bis fünf Prozent.

"Die Straße wird auch zukünftig ihre dominierende Stellung unter den Landverkehrsträgern behaupten, obwohl die Schiene im langfristigen Trend aufgrund der zunehmenden Liberalisierung des Bahnverkehrs leichte Marktanteilsgewinne erzielen dürfte."

Infrastruktur für das erwartete Wachstum nicht gerüstet

Vor allem in Osteuropa, so die Einschätzung, werde ein Großteil der weiter stark zunehmenden grenzüberschreitenden Transporte über die Straße abgewickelt, da der Schwerpunkt der geplanten Infrastrukturinvestitionen bei diesem Verkehrsträger liege. Damit die zunehmenden Güterströme bewältigt werden können, müssten die Infrastrukturplanungen der westeuropäischen Länder diese Entwicklung berücksichtigen.

Allein für Deutschland wird die Größenordnung ersichtlich: Die osteuropäischen Länder Polen, Tschechien, Ungarn und Slowakei nehmen im deutschen Außenhandel einen höheren Stellenwert ein als die asiatischen Staaten China, Japan und die Republik Korea.

Insgesamt verdeutlicht die Analyse, dass die Infrastruktur bisher für das erwartete Wachstum der Güterströme nicht gerüstet ist. "Haushaltsengpässe führen dazu, dass die öffentlichen Investitionen nicht mehr ausreichen, um den erforderlichen Umfang der Infrastruktur bereitstellen zu können. Daher müssen alternative Finanzierungsmodelle gefunden werden."

Richtung Privatisierung

Beispiel Autobahnen: Viele von ihnen sind in Europa noch zweispurig und leiden unter einer hohen Verkehrsdichte. Daher könne ohne umfassenden Ausbau das zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht verkraftet werden.

Die IKB Deutsche Industriebank weist darauf hin, dass international privatwirtschaftliche Betreibermodelle (meist sogenannte Public-Private-Partnership, PPP) für Fernstraßen zunehmend an Bedeutung gewönnen, da die für die Ausbaumaßnahmen erforderlichen öffentlichen Mittel häufig nicht zur Verfügung stünden.

In Ländern mit hohem Staatshaushaltsdefizit erhöhe sich der Druck für Privatisierungsmaßnahmen. "Hier können PPP-Modelle Abhilfe schaffen, indem privates Kapital für Infrastrukturvorhaben einbezogen wird." Dies hätte zudem den Vorteil, dass in der Regel privatwirtschaftliche Betreiber Effizienzgewinne gegenüber öffentlichen Betreibern realisieren können.

Allerdings, so führt die Studie aus, bestehe in einigen osteuropäischen Ländern (zum Beispiel Polen, Tschechien) eine geringe Konformität zu internationalen Standards bei Konzessionsverträgen. Dagegen würden insbesondere Großbritannien, Spanien, Frankreich und Italien über umfangreiche Erfahrungen bei PPP-Modellen im Autobahnsektor verfügen, wobei sich die Entwicklung in Deutschland erst in den Anfängen befinde.

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(SZ vom 12.06.07)