OECD zu sozialer Ungleichheit Je ungleicher, desto ärmer

Arm neben Reich in westlichen Ländern: Bild aus New York.

(Foto: AFP)
  • Deutschland und viele andere Industriestaaten werden ungleicher. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist im Westen so hoch wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr, so eine Studie der OECD.
  • Deutschland liegt im Mittelfeld der 34 untersuchten Staaten. Am größten ist die Gleichheit in Skandinavien, am kleinsten in den USA und Großbritannien.
  • Oft wird argumentiert, dass Ungleichheit die Armen dazu ermutige, fleißiger zu sein. In ihrer Studie geht die OECD nun aber vom Gegenteil aus.
Von Alexander Hagelüken

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in der westlichen Welt so groß wie seit 30 Jahren nicht mehr. Nach einer neuen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nahm die Ungleichheit in den meisten Industriestaaten zu - auch in Deutschland. Während die reichsten zehn Prozent der Gesellschaft vor 30 Jahren sieben Mal so viel verdienten wie die ärmsten zehn Prozent, sind es inzwischen zehn Mal so viel.

"Die Ungleichheit hat in guten wie in schlechten Zeiten zugenommen", schreiben die Autoren der Studie. 34 Staaten hat die OECD untersucht, die Bundesrepublik belegt in der Rangliste sozialer Gerechtigkeit Rang 14. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist hierzulande größer als in Skandinavien, den Niederlanden oder Belgien. Aber auch zahlreiche ehemalige Ostblock-Staaten schnitten besser ab als die Bundesrepublik. Auf den letzten Plätzen finden sich unter anderem Großbritannien und die USA. Während die reichsten zehn Prozent im OECD-Schnitt die Hälfte des Vermögens besitzen, gehören in diesen Ländern den unteren 40 Prozent gerade einmal drei Prozent.

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OECD: Ungleichheit zementiert Armut

Von neoliberaler Seite wird oft behauptet, dass ein gewisses Maß an Ungleichheit gut für eine Gesellschaft sei: Ärmere hätten so den Anreiz, sich um eine bessere Bildung zu kümmern, um sich hochzuarbeiten. Die empirischen Belege für oder gegen diese These sind nicht eindeutig. Nun will die OECD anhand eines mathematischen Modells nachweisen, dass es ganz anders ist.

Eine zentrale Ursache dafür liegt in Bildung und Qualifikation. Die 40 Prozent einer Gesellschaft, die weniger verdienen, seien hier ohnehin schlechter gestellt, so die OECD. Wenn die Ungleichheit in einer Gesellschaft deutlich zunehme, verschlechtere sich die Lage aber noch: So sinke in dieser Schicht die Zahl der Uni-Absolventen und die durchschnittliche Ausbildungszeit verringere sich um ein halbes Jahr.

Die Gründe: Der ärmere Teil der Gesellschaft kann sich die Investitionen in Bildung nicht mehr leisten, viele drücken Schulden.

Dass die Einkommen der Reicheren steigen, aber Löhne der Normalverdiener oft stagnieren, liegt auch am Wandel der Arbeitswelt: Ein Drittel der Arbeitnehmer ist inzwischen befristet, teilzeitbeschäftigt oder selbständig. Viele dieser Arbeitnehmer sind schlechter gestellt als klassische Vollzeitmitarbeiter, schreibt die OECD - vor allem was Jobsicherheit, Löhne und Chancen auf Weiterbildung angeht.

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