Als Folge davon verlor Jimmy Carter 1980 die Wahl gegen dem Republikaner Ronald Reagan. Der begann eine konservative Revolution in der Wirtschaftspolitik, mit Deregulierung, Liberalisierung und dem Rückzug des Staates, was vor allem dem Finanzsektor zugute kam. 1983, als Reagan Volcker für eine zweite Amtszeit nominierte, war die Inflation von 13 auf harmlose drei Prozent gesunken. Wenig später begannen die wilden Jahre an der Wall Street mit Aktienboom, feindlichen Übernahmen und allem anderen.

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Untergang

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Nach seiner Pensionierung 1987 kümmerte sich Volcker um seine Familie, um sein Hobby Fliegenfischen und bot seine Dienste verschiedenen Organisationen an. Im Jahr 2004 zum Beispiel beauftragten ihn die Vereinten Nationen mit einer Untersuchung über mögliche Korruption beim Öl-für-Lebensmittel-Programm der UN für den Irak unter Diktator Saddam Hussein. Eng verbunden war er der Familie Rockefeller und deren Stiftung in New York.

Mit Beginn der Finanzkrise mischte sich Volcker zunehmend in die Tagespolitik ein. Im Mai 2008 - damals stand das Schlimmste erst noch bevor - warf er bei einer Anhörung im Kongress den Regulierungsbehörden, darunter der Fed, Versagen vor. Wenig später schlug er sich, zur Überraschung vieler, auf die Seite von Barack Obama und übernahm eine prominente Rolle in dessen Wahlkampfteam. Nach dem Wahlsieg allerdings war er kaum sichtbar, und manche glaubten, der Präsident und Volcker hätten sich überworfen.

Es war aber genau in der Zeit, als die "Volcker-Regel" entstand. Im Januar 2009, also noch vor Obamas Amtsantritt, veröffentlichte er den Entwurf für eine Finanzmarktreform im Auftrag der "Gruppe der 30", einem elitären Zirkel von Ökonomen und Geldpolitikern. Darin findet sich, etwas versteckt, der Satz: "Große, systemisch wichtige Bankinstitute sollten daran gehindert werden, Eigenhandel zu betreiben, der besonders hohe Risiken und ernste Interessenkonflikte darstellt."

Geithner bleibt skeptisch

Danach wurde es erst einmal still um die Volcker-Regel. Finanzminister Timothy Geithner wollte sich mit ihr nicht anfreunden und ist angeblich auch heute noch skeptisch. Während das Gesetzgebungsverfahren weitgehend ohne ihn ablief, schimpfte Volcker gelegentlich laut über den Bankensektor. Die einzig sinnvolle Finanzinnovation der letzten 25 Jahre, die ihm einfalle, sei der Geldautomat", sagte er einmal. Im Dezember dann bekam das Thema plötzlich eine neue Dynamik. Der Präsident der Bank von England, Mervyn King, machte sich die Volcker-Regel zu eigen und forderte die Regierungen zum Handeln auf. Am 21. Januar schließlich stellte Obama den Plan auf einer Pressekonferenz in Washington vor. Volcker (Obama: "Der lange Kerl hinter mir") stand an seiner Seite, mit gewohnt finsterer Mine.

Obamas Pressekonferenz fand zwei Tage nach einer Wahl in Massachusetts statt, die die Demokraten auf spektakuläre Weise verloren hatten. In der Öffentlichkeit wurde sie daher als populistische Reaktion des Präsidenten auf den Zorn der Wähler interpretiert. Dies sei ein Missverständnis, behauptete Volcker bei der Anhörung. "Ich weiß, dass er dies schon vor einigen Wochen geplant und überlegt hat, in welcher Woche er es ankündigen will, lange vor Massachusetts."

Populismus oder nicht - Volckers Regel dürfte es sehr schwer haben. Sie wurde spät ins Gesetzesverfahren eingebracht, der Vorstoß wurde international nicht abgestimmt und er stößt auf etliche praktische Bedenken. Aber immerhin hat Volcker die Wall Street noch einmal richtig aufgemischt. Und wer kann das schon von sich sagen, mit 82 Jahren?

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(SZ vom 04.02.2010/jcb/tob)