Monster in Hörsälen, Männer in Badehose in der Bibliothek: Der Mobilfunkanbieter O2 betreibt an Hochschulen aggressiv und illegal Werbung. Die betroffenen Universitäten reagieren harsch.
Der Professor will gerade etwas ausholen, um eine Formel zu erklären, als die Hörsaaltür aufschwingt. Ein Monster kommt hereingelaufen, ein Mensch in einem Plüschkostüm. Die Verkleidung sieht aus wie ein Handy. Das Monster wackelt am Professor vorbei, der ist irritiert. Die Studenten sind amüsiert, einige machen Fotos. Dann stürmen vier junge Menschen in O2-T-Shirts in den Hörsaal und fangen das Monster ein. Der Spuk ist vorbei.
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Studenten und Professoren erleben Merkwürdiges: O2 setzt aggressives Marketing an Universitäten ein, um die Zielgruppe zu erreichen. (© ag.ap)
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Der Mobilfunkanbieter bezwinge teure Monstertarife, wirbt O2 zurzeit auf Plakaten und im Fernsehen. Was an der Universität zu Köln in den vergangenen Tagen stattfand, heißt im Werbesprech Guerilla-Marketing: Die Werbebotschaft wird auf äußerst unkonventionelle Art an die Zielgruppe gebracht. Doch diese Aktion ging einen Schritt weiter, denn sie fand ohne Genehmigung der Hochschule statt. "Das hätten wir nie erlaubt," sagte ein Sprecher der Universität zu Köln. Wenn ein Angestellter der Hochschule so etwas beobachte, werde er sofort Anzeige erstatten. "Eine solche Störung des Lehrbetriebs können wir nicht dulden."
Verantwortlich für dieses O2-Marketing ist die United Ambient Media AG, eine Werbefirma, die unter anderem die bekannten Edgar-Cards produziert, lustige Gratis-Postkarten, die oft vor Kneipentoiletten aushängen. Für O2 wirbt United Ambient Media in deutschen Unis - manchmal in Absprache mit der Universität, aber offenbar auch hinter dem Rücken der Verwaltung. Im vergangenen Semester ließ die Hamburger Marketing-Firma junge Männer in Badehosen durch vollbesetzte Hörsäle in ganz Deutschland laufen.
Nach SZ-Informationen waren unter anderem die Universität Magdeburg und die TU München betroffen. Die Mitarbeiter von United Ambient Media trugen quer durch die Vorlesungen Surfbretter, auf denen O2 Werbung für mobiles Internet macht - für den sogenannten Surfstick. In Magdeburg wurden die Werber der Bibliothek verwiesen. Auch an der TU München gab es keine Genehmigung für die Aktion.
Wie es dazu gekommen ist, dass für O2 ohne Genehmigung in den Unis Werbung gemacht wurde, kann United Ambient Media nicht erklären. "Ich glaube aber nicht, dass sich jemand gestört gefühlt hat," sagte eine Mitarbeiterin der SZ über die Kölner Monster-Aktion. "Vorlesungen sind ja meistens nicht so spannend." Fotos und Videos des Guerilla-Marketings postet die Firma stolz auf ihrer Facebook-Seite. Dass damit die eigenen Mitarbeiter in Gefahr gebracht werden, denen eine Anzeige von der Uni droht und die oft selbst noch Studenten sind, wird billigend in Kauf genommen.
Auch in Köln haben zwei Kameramänner den Auftritt des Plüschmonsters gefilmt. Besonders auch die Szene, in der die O2-Monsterbekämpfer mit dem Netz am Professor vorbeilaufen und antäuschen, den Dozenten im Netz fangen zu wollen. "Oh, das ist ja das falsche Monster," rufen sie dann. Die Kameramänner grinsen.
Eine Drehgenehmigung lag weder von der Universität zu Köln noch in Magdeburg oder München vor. Geschweige denn die notwendigen Einverständniserklärungen der Dozenten und Studenten, die in den Filmchen vorkommen, die mit poppiger Musik unterlegt im Internet veröffentlicht werden. Das Video aus Köln soll diese Tage online gestellt werden. Dazu möchte United Ambient Media keine Stellung nehmen und verweist auf die O2-Pressestelle.
"Guerilla-Marketing findet in einer Grauzone statt"
Doch O2 gibt sich ebenfalls bedeckt und spricht von "einer spontanen Aktion. Sollten wir dadurch einzelne Studenten irritiert haben, so war dies nicht unsere Absicht und wir bitten es zu entschuldigen," sagte ein Sprecher. Auch die Aktionen im vergangenen Semester in Magdeburg und München seien nur "spontan" gewesen - so erklärt O2 die nicht genehmigte Werbung. Die Monster-Aktion werde nicht an anderen Hochschulen wiederholt.
Guerilla-Marketing muss nicht immer illegal sein, weiß Gerd Nufer, der an der Hochschule Reutlingen zum Thema lehrt und forscht. "Die O2-Aktionen sind höchst kreativ," sagt Nufer. "Aber Guerilla-Marketing findet immer in einer Grauzone statt." Der Werbende müsse zwar unkonventionell sein, dabei jedoch eine moralische und rechtliche Balance halten. Das Wettbewerbsrecht wird berührt, wenn sich ein Konzern einen unlauteren Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft. O2 habe in diesen Fällen Kosten eingespart, denn normalerweise müssen Werbepartner der Unis für den Zugriff auf die Studenten zahlen, wenn beispielsweise Flyer verteilt werden.
Am Ende des Surfstick-Werbevideos posiert ein junger Mann in Badeshorts in einer Uni-Bibliothek und hält ein BWL-Buch über Marketing in der Hand. Die Lektionen von Marketing-Professor Nufer hat O2 offensichtlich überlesen. "Guerilla-Marketing kann das Image eines Unternehmens durch die Aktion konterkarieren, weil die Aktionen sich zwischen Faszination und Verärgerung bewegen," schrieb Nufer unlängst. "Dies kann mit einem Imageverlust bestraft werden. Wenn dieser lang anhält, kann er die Kernwerte der Marke zerstören."
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(SZ vom 08.11.2010/kst/hgn)
Jetzt hat O2 schon ein Riesen-Marketingbudget und liefert doch so eine hirnlose Werbekampagne. Da könnte man doch wirklich bessere Einfälle erwarten. Beispiele für gelungene Einfälle beim Guerrilla-Marketing gibts doch massenhaft. Und Anregungen holen kann man sich z. B. hier: http://www.marketingfish.de/all/guerilla-marketing-beispiele-verblueffen-statt-verstoeren-5496/ .
Auch kann eine Guerilla-Marketing-Kampagne lokal sein - oft genügt eine pfiffige Idee
http://www.marketingfish.de/all/kleinstadtguerilla-lokal-durch-marketing-furore-machen-4886/
Oh sorry - ich habe das "nichts" überlesen. Ich geb ja zu in meinem Furor gegen die linken Weltverbesserer etwas über die Stränge zu schlagen, aber mal im ernst - rational ist das was hier im Forum läuft doch schon lang nicht mehr!
Ach so - wie kommst du eig. darauf, dass ich aus der Werbebranche bin? Ich doziere über hybride Finanzierungsformen und spezielle Finanzierungen an einer Bankhochschule... aber ansonsten geb ich dir recht, der deutsche Werbemarkt kocht wirklich im eigenen Saft. Wegen der Werbung kauft doch niemand mehr ein...
Was daran stört, dass irgendein Unternehmen oder Mensch mehr Geld verdient? Puh gute Frage ich weiss es auch nicht so recht: Neid ist da sicher ein großes Thema, ebenso wie Missgunst und ich denke auch irgendwie die Ansicht, dass es einfacher ist jeden der (viel) Geld verdient in die "Böse-Schublade" zu stecken.
Noch so nen kleines Beispiel: Konzern = Böse. Tatsächlich ist ein Konzern jedweder Zusammenschluss von einzeln selbstständig agierenden Unternehmen unter einer übergeordneten Muttergesellschaft, also ansich nur eine Gesellschaftsform und gar nichts was man irgendwie anders definieren könnte. Dennoch bekommt jeder Linke hier im Forum nen Beissreflex wenn er Konzern ließt - Pavlow lässt grüßen...
Ach so nebenbei - du brauchst mich nicht persönlich angehen, das Zeugt von Argumentenarmut. ;-)
Ach so, jetzt fällt bei mir der Groschen: Es handelt sich bei Ihnen also um ein Verständnis- und damit unterm Strich um ein sprachliches Problem:
a) Wenn ich schreibe "Das ist an sich nichts Ehrenrühriges" - wieso fragen Sie sich dann "was den Unehrenhaft daran ist Menschen dazu auszubilden?". Haben Sie in Ihrem Furor gegen die linken Weltverbesserer nicht richtig gelesen oder nicht richtig verstanden? Da steht, dass es eben n i c h t s Ehrenrühriges ist.
Wie ich bereits geschrieben habe, bin ich in der Branche tätig, in der solche Menschen evtl. mal arbeiten. Das sollte eigentlich genügen, um mein Weltbild klarzustellen. Und falls es nicht verstanden wurde, hier nochmal in Klartext, was mich stört: Es ist zu befürchten, dass sich der Mangel an Reflexion, der sich in Ihren Ausführungen findet, auf Ihre Samstags-"Studenten" überträgt. Und das ist eines der großen Probleme der Werbebranche: Dass sie in ihrem eigenen Saft kocht und vor allem sich selbst beweihräuchert. Das ist da mit dem Tellerrand.
b) Was könnte denn daran stören, dass O2 ein Unternehmen ist, das viel Geld verdient. Außer Neid. Erklären Sie mir das mal. Wenn Sie den Leuten hier unterstellen, sie würden das einfach so für böse halten, ist das schon etwas arg simpel. Das ist dann eher wieder ein Problem Ihres Weltbildes.
Ich kann mich nur wiederholen: Es gibt eine Welt hinter dem Tellerrand. Manchen fehlt die geistige Flexibilität, dort hinzugehen, aber Sie können es mir glauben: es gibt sie wirklich.
@p2511: Zu meiner Schande muss ich erstmal eingestehen, dass ich Social Media Manager erstmal durchs Google jagen musste um zu wissen was des überhaupt ist - wobei ich mich nun Frage was den Unehrenhaft daran ist Menschen dazu auszubilden? Wobei ich vermute das passt schlicht mal wieder nicht ins Weltbild oder so...
Schön übrigens, dass du von Neid auf O2 schreibst - hab ich nämlich nicht getan, aber wenn du´s implizierst lässt das tief blicken. ;-) Es ist übrigens nicht mein Weltbild das verschroben ist, sondern das Bild was sich hier täglich bietet wenn die Internet-Weltrevoluzzer hier im Forum ihr unwesen treiben.
Btw: Zitat cafeade "auf der anderen seite ist 02 eines der unternehmen, die alle dafür tun würde, um die existenz eines menschen zu gefährden, sobald es ein paar cent mehr gewinn einbringt." Schön das mein Bild gleich wieder bestätigt wird - schönes, einfaches Schachteldenken. Böse -Gut und schon hat der Tag Struktur!
@cafeade: Lies bitte meine Beiträge bevor du mir einseitigkeit vorwirfst - hab nicht ich auf der einen Seite bemerkt, dass ich persönlich die Aktion lustig finde aber auf der anderen Seite bemerkt, dass man das ganze durchaus in Frage stellen sollte? Oh hab ich - sowas...
Aber mal so nebenbei - Moral? Wessen Moral? Deine? Ist die Maßgeblich? Denk mal drüber nach was du dir hier anmaßt!
337, sie sind ein furchtbar einseitig denkender mensch. einseitig in dem sinne, dass sie nicht im stande sind, eine grundlegende moral hinter dieser geschichte zu erkennen: unternehmen wie 02 nutzen erbarmungslos die gelegenheit aus, kostenlos werbung in einer "grauzone" zu machen...und somit menschen, die ekelhafte nebenjobs tag und nacht machen müssen, um studiengebühren zahlen zu können, zeit und nerven rauben!
auf der anderen seite ist 02 eines der unternehmen, die alle dafür tun würde, um die existenz eines menschen zu gefährden, sobald es ein paar cent mehr gewinn einbringt.
wer diese doppelmoral nicht versteht, der soll sich lieber andere foren zum austoben suchen.
Paging