NSN Services vor dem Aus Weitere 1000 Jobs bei Nokia-Siemens-Networks bedroht

Bei Nokia Siemens Networks geht der Stellenabbau weiter: Laut SZ-Informationen steht eine Tochterfirma in Deutschland mit gut 1000 Beschäftigten vor dem Aus.

Von Björn Finke

Das süße Geschenk würde wohl so mancher Mitarbeiter gerne wieder zurücknehmen. Auf einer Betriebsversammlung nach dem Oktoberfest in München überreichte die Belegschaft von Nokia Siemens Networks (NSN) ihrem Chef Rajeev Suri ein großes Lebkuchenherz. Dabei hatte der Inder zu Jahresanfang noch den Standort München schließen wollen, die Mitarbeiter waren über Wochen gegen den Plan und gegen ihren Vorstandschef auf die Straße gegangen. Dieses Präsent war also ein süßes Symbol für die Versöhnung zwischen München und Espoo, dem finnischen Hauptsitz des Gemeinschaftsunternehmens von Nokia und Siemens.

Doch diese süße Phase der Eintracht hielt nicht lange an. Am Montag demonstrierten NSN-Mitarbeiter wieder in München. Diesmal gegen die Schließung des Werks in Bruchsal bei Karlsruhe. Dieses Vorhaben hatte das Management des Telekom-Ausrüsters Ende November überraschend bekannt gegeben. Und an diesem Mittwoch wird es in Kassel hoch her gehen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird die Führung dort auf einer Betriebsversammlung verkünden, dass eine Tochterfirma in Deutschland mit gut 1000 Beschäftigten vor dem Aus steht: NSN Services.

Die Sparte hatte NSN vor fünf Jahren von der Deutschen Telekom gekauft. Wichtigster Kunde von NSN Services ist die ehemalige Mutter; die Beschäftigten warten deren oberirdische Telefonleitungen. Aber dieser Vertrag wurde zum Jahresende gekündigt - und die Verhandlungen über einen Nachfolgeauftrag sind gescheitert. Ohne diesen Umsatzbringer müsse NSN Services zum Jahresende 2013, also in 13 Monaten, dicht machen, heißt es im Umfeld der Firma.

"Wir befürchten das Allerschlimmste"

Eine NSN-Sprecherin wollte das nicht kommentieren. Doch die Gewerkschaft ist alarmiert: "Wir befürchten das Allerschlimmste", sagte Mike Döding, der bei Verdi für das Unternehmen zuständig ist, der SZ. Da NSN Services früher zur Telekom gehörte, ist in diesem Bereich die Dienstleistungsgewerkschaft aktiv. Ansonsten kümmert sich die IG Metall um den Krisenkonzern. Wird die Sparte mit Hauptsitz in Nürnberg abgewickelt, droht etwa 850 Beschäftigten die Arbeitslosigkeit. Gut 200 Mitarbeiter sind hingegen frühere Beamte der Bundespost, sie können zur Telekom zurückkehren.

Der Betriebsrat will bei dem Treffen am Mittwoch eine Unterschriftenliste für einen Brief an die Telekom herumgehen lassen. Von dem Dax-Konzern wird da gefordert: "Beachten Sie bei Vertragsverhandlungen und Auftragsvergabe, dass NSN Services kein gewöhnlicher Subunternehmer ist, sondern aus ehemaligen Kolleginnen und Kollegen besteht." Offenbar hatte die frühere Mutter kräftig Druck auf die Preise gemacht. Raimund Winkler, Geschäftsführer von NSN Services, schrieb im Oktober in einer E-Mail an die Belegschaft, dass es trotz aller "Maßnahmen zur Kostenreduzierung" die "Kostenbasis" von NSN Services nicht erlaube, "auf die Preisvorstellungen des Kunden einzugehen".

Die Gewerkschaft will das Vorhaben nicht hinnehmen

Auch in anderen Bereichen des Unternehmens herrscht weiter Unruhe: NSN hatte seit der Gründung 2007 Verluste angehäuft und sich daher im November 2011 ein Sparprogramm verordnet. Von damals weltweit 74.000 Stellen sollen 17.000 wegfallen, davon 2900 in Deutschland. Inzwischen ist NSN bei 61.000 Beschäftigten angekommen, in Deutschland sind von 35 Standorten nur noch sechs übrig.

Das Management hatte sich hierzulande mit den Arbeitnehmervertretern auf die Konditionen des Abbaus geeinigt - die Gewerkschafter gingen deswegen davon aus, dass die Existenz der verbleibenden sechs Niederlassungen vorerst gesichert ist. Dann kam die Mitteilung, dass Bruchsal mit 650 Angestellten geschlossen werden soll. Und das, obwohl NSN dort vor zwei Jahren eine Standortgarantie bis Ende 2014 abgegeben hatte. "Wir sind entsetzt", sagt Michael Leppek, der bei der IG Metall für NSN zuständig ist. Die Gewerkschaft will das Vorhaben nicht hinnehmen.

Die 1900 Beschäftigten des Bereichs Optical Networks muss das Hin und Her bei NSN bald nicht mehr beschäftigen: Die Firma gab am Montag bekannt, das Geschäft mit Ausrüstung für Glasfasernetze an den US-Finanzinvestor Marlin Equity Partners zu verkaufen. Zum Preis machte NSN keine Angaben, in Deutschland sind 700 Mitarbeiter betroffen.