Notfallpläne der Banken Furcht vor der Rückkehr der Drachme

Längst bereiten sich Banken darauf vor, dass die Europäische Währungsunion zerbricht. Ihre Notfallpläne beschäftigen Scharen von Unternehmensberatern und Juristen. Einblicke in ein Thema, das eigentlich tabu ist.

Von Catherine Hoffmann

Schweigen ist Pflicht in diesen heißen Tagen der Euro-Krise. Zwar ist es längst kein Geheimnis mehr, dass sich große Banken in Europa und den USA auf das Schlimmste vorbereiten: den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, ja den Zusammenbruch der Währungsunion. Während hinter verschlossenen Türen Notfallpläne erarbeitet werden, üben sich die Kommunikationsabteilungen in Verschwiegenheit. "Kein Kommentar", heißt es bei der Deutschen Bank. Die Commerzbank immerhin lässt wissen: "Unsere Aktionäre, unsere Kunden und die Aufsichtsbehörden erwarten, dass sich die Bank sorgfältig und rechtzeitig auf alle Eventualitäten und Szenarien vorbereitet."

Auch die Finanzaufsicht Bafin beteuert, man diskutiere bestimmte Szenarien und sei dafür gerüstet, "ungeachtet der Wahrscheinlichkeit ihres Eintritts". Die Aufseher wissen, wie viel Geld die deutschen Banken in den einzelnen Euro-Staaten investiert haben und wie sie abgesichert sind. Details unterliegen allerdings der "gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht", wie es heißt. Öffentlich gibt es nur die Versicherung: "Die Institute sind auf eine Krise besser vorbereitet als 2008."

Die Einzigen, die aus der verschlossenen Welt der Banker berichten, sind Unternehmensberater wie Capco, die sich auf Finanzdienstleistung spezialisiert haben. In einem Weißbuch ("Was würden Sie tun, wenn die Euro-Zone auseinanderfällt?") skizzieren sie, woran zu denken ist. Darin wird vor inneren Unruhen in Krisenländern gewarnt, die das Personal gefährden könnten, und empfohlen, auf einen Bank Run vorbereitet zu sein. Auch die Boston Consulting Group gibt Instituten, für die sie tätig ist, ein 100-Punkte-Programm an die Hand. In diesem Notfallplan geht es um mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten oder rechtliche Fragen.

Griechenland wird sich vom Euro verabschieden

Die Berater wollen die wenigen Manager wachrütteln, die ihre Augen noch vor der Gefahr verschließen. Denn, dass Griechenland in einen Staatsbankrott schlittert und vom Strom der Hilfsgelder abgeschnitten werden könnte, ist nicht mehr auszuschließen; sein Verbleib in der Euro-Zone stünde auf der Kippe. Es lässt sich darüber streiten, wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist, unmöglich ist es nicht.

Also laufen seit Wochen die Vorbereitungen für einen Abschied Griechenlands vom Euro - die Banker sprechen vom "Grexit". Wenn es so weit kommt, dann wird das sehr kurzfristig geschehen, nach Börsenschluss am Freitag. Danach wird es in Griechenland ausgedehnte Bankfeiertage geben, damit das Land genügend Zeit hat, eine neue Währung einzuführen, die vielleicht Drachme heißt. Diese würde im Verhältnis zum Euro kräftig abwerten, um 50 Prozent oder mehr, schätzen Ökonomen.

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