Auf diesen Beschluss reagierten viele Bochumer Nokia-Beschäftigte mit Arbeitsniederlegung. Eine Schicht sei gleich wieder nach Hause gegangen, die übrigen Mitarbeiter arbeiteten kaum, sagte die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach.

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Gewerkschaft sucht Rettungskonzepte

Zudem pocht die IG Metall darauf, dass Nokia für den Umzug keine Subventionen bekommt. "Wir werden bei EU-Kommissar Günther Verheugen dagegen intervenieren", sagte Oliver Burkhard, Bezirksleiter der IG Metall. Die Gewerkschaft werde alles unternehmen, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten. Burkhard kündigte für diesen Donnerstag ein Krisentreffen der Gewerkschaft und des Betriebsrats an.

Dabei werde es um mögliche Rettungskonzepte gehen. Es sei nicht einzusehen, warum auch die Forschung und Entwicklung aus Deutschland abgezogen werden solle. Burkhard schloss Streiks als letztes Mittel nicht aus. "Wir werden für einen Sozialtarifvertrag streiken, wenn Nokia an seinen obszönen Plänen festhält", sagte Burkhard.

Die Entscheidung von Nokia ist ein Rückschlag für den Strukturwandel in der ehemaligen Montanregion. Schließlich stand die Ansiedlung von Nokia seit Mitte der neunziger Jahre als ein Beispiel für das neue Ruhrgebiet mit zukunftssicheren, sauberen Arbeitsplätzen - jenseits von Kohle und Stahl.

Vehement hatte sich Bochum um die Ansiedlung von Großunternehmen bemüht. Dafür investierte die klamme Kommune gewaltig, kaufte Grundstücke, um die Lärmschutzauflagen einhalten zu können, sorgte mit Infrastrukturmaßnahmen für ordentliche Zufahrten.

Derzeit zählt das Wirtschaftsderzenat zusammen, was Nokia an indirekten Mitteln von der Stadt erhalten hat. Im NRW-Wirtschaftsministerium geht man davon aus, dass dies zehn Millionen Euro sein könnten. All diese Hilfen gewährte die Stadt, die mittlerweile Schulden von 881 Millionen Euro drücken.

Die Verbindung Bochums zu Nokia, nach dem Autohersteller Opel der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber der Stadt, wurde vielfach hervorgehoben. Seit 1993 kann man die Verbundenheit im Zug genießen.

Nicht die erste Nokia-Krise in Bochum

Die Regionalbahn-Linie 46 zwischen Bochum und Gelsenkirchen heißt im Volksmund Nokia-Bahn. Der Konzern hatte sich in einer Kooperation mit Bahn und Regionalverband an den Kosten beteiligt, dafür heißt seitdem die Haltestelle am Werk "Bochum Nokia".

Es ist nicht die erste Krise des finnischen Unternehmens in Bochum. Bereits 1996 stellte Nokia dort die Fertigung von Fernsehgeräten ein. Allerdings bekamen die Beschäftigten damals Jobs in der Handyproduktion. Im Jahr 2001 war dann das Handywerk erstmals von der Schließung bedroht, am Ende blieb es bei einer Streichung von gut 300 Arbeitsplätzen.

Auch bei Opel wurden bereits mehrfach Stellen abgebaut. Seit 1962 produziert Opel in der Revierstadt, in guten Zeiten fanden hier mehr als 20000 Menschen Arbeit, inzwischen hat sich die Belegschaft mehr als halbiert. Zudem zittern Opel-Mitarbeiter jedesmal, wenn am General-Motors-Hauptsitz in Detroit neue Sparpläne verkündet werden.

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  1. Wo die Sonne verstaubt
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(SZ vom 17.01.2008/ckn)