Ein Kommentar von Johannes Nitschmann

Politiker übertreffen sich in Beschimpfungen des Handyherstellers: Wie der Nokia-Konzern kriminalisiert wird.

Nach der empörenden Entscheidung von Nokia, sein hochprofitables Bochumer Werk zu schließen, übertreffen sich die Politiker in Beschimpfungen des Handyherstellers.

Anzeige

Für Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sind die Finnen "Subventions-Heuschrecken". Seine Parteifreundin und Wirtschaftsministerin Christa Thoben verdächtigt Nokia als Subventionsbetrüger - noch ohne handfeste Beweise.

Bloße Empörung

Unschuldsvermutung hin, Rechtsstaat her, mit ihrer Kriminalisierung des Nokia-Konzerns rangiert Thoben ganz weit vorne auf der nach oben offenen Populismusskala. Außer Empörung hat die Landesregierung den um ihre Existenz bangenden Nokia-Beschäftigten in Bochum nicht viel zu bieten.

Drei Tage nach Bekanntwerden der geplanten Werksschließung drohte Thoben den Finnen bereits mit millionenschweren Subventionsrückforderungen. Ihre Verdachtsmomente für ein Unterschreiten der Beschäftigtenzahlen und Versäumnisse bei der Rechenschaftspflicht waren eher vage. Die Staatsanwaltschaft sieht bis heute "keinen hinreichenden Anfangsverdacht" für einen Subventionsbetrug.

Womöglich hat der Nokia-Konzern die Landesgelder also ganz legal kassiert, auch wenn die Beschäftigten-Zielzahlen nicht immer eingehalten wurden. Im Rahmen des "Ermessensspielraums" können solche Zahlen vom Subventionsgeber korrigiert werden.

Manches spricht dafür, dass dies auch im Falle Nokia so geschah, um einen der größten Arbeitgeber der Ruhr-Region günstig zu stimmen. Zudem wären Subventionsverstöße aus den 90-er Jahren wohl auch längst verjährt.

Thobens Droh- und Druckkulisse gegen Nokia könnte bald schon zusammenbrechen.

Leser empfehlen 

(SZ vom 1.2.2008/hgn)