Bei ihrem Wettlauf um längere Öffnungszeiten stoßen die Lebensmittelhändler nun tief in die Nacht vor - Edeka und Rewe testen den Ladenschluss um 24 Uhr. Die Arbeitnehmer schlagen Alarm.
Drei Jahre nach der weitgehenden Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten kommt erneut Bewegung in die Debatte. Vor allem unter den Lebensmittelhändlern ist ein Wettlauf um einen möglichst späten Geschäftsschluss ausgebrochen.
22 Uhr reicht noch nicht aus: Edeka und Rewe testen an ausgesuchten Standorten eine Ladenöffnung bis 24 Uhr. (© Foto: AP)
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Immer mehr Supermärkte halten ihre Türen bis 22 Uhr offen. Die Marktführer Rewe und Edeka testen an ausgesuchten Standorten sogar die Öffnung bis 24 Uhr. Außer in Bayern, wo alle Läden spätestens um 20 Uhr schließen müssen, sind die Öffnungszeiten mittlerweile in allen Bundesländern entsprechend liberalisiert.
Vorreiter war bislang die Rewe-Gruppe. Sie öffnet bereits seit längerem jeden zweiten ihrer bundesweit 3300 Märkte bis 22 Uhr. Nun ziehen andere Ketten nach. Edeka schließt mittlerweile ebenfalls an vielen Standorten erst um 22 Uhr. Und im Oktober hat die Tengelmann-Gruppe die Öffnungszeiten in etlichen ihrer Kaiser's-Supermärkte um zwei Stunden auf 22 Uhr ausgeweitet.
Wettlauf um lange Öffnungszeiten
Seit kurzem geht Rewe noch einen Schritt weiter: An stark frequentierten Standorten in den Innenstädten, in Bahnhöfen sowie in den Märkten an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn schließen die Ladentüren erst um Mitternacht. Auch Edeka, die Nummer eins im deutschen Lebensmittelhandel, testet nach Angaben einer Sprecherin bereits "in einer Handvoll Märkten" die Öffnung bis 24 Uhr, darunter sind die Läden in den Flughäfen München und Hannover.
Auch die Discount-Töchter von Edeka und Rewe liefern sich einen Wettlauf um lange Öffnungszeiten. Edeka-Ableger Netto hält die Türen an vielen Standorten bis 22 Uhr, mitunter sogar bis 23 Uhr geöffnet. Und bei Penny, dem Billiganbieter der Rewe-Gruppe, ist in deutlich mehr als der Hälfte der Märkte erst um 22 Uhr Schluss. Die Marktführer im Discount, Aldi und Lidl, haben darauf noch nicht reagiert. Ihre Läden schließen nach wie vor bereits um 20 Uhr.
Veränderte Lebens- und Einkaufsgewohnheiten
Rewe und Edeka betonen zwar, den Ladenschluss keineswegs flächendeckend auf Mitternacht ausdehnen zu wollen, aber die Richtung ist klar. "Es gibt einen deutlichen Trend, die Geschäfte bis zum späten Abend zu öffnen", beobachtet Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE).
Grund dafür seien die veränderten Lebens- und Einkaufsgewohnheiten. Wer lange arbeite, sei froh, auch nach 20 Uhr Lebensmittel einkaufen zu können. Und in den vor allem in den Großstädten weit verbreiteten Single-Haushalten gelte ohnehin ein anderer Rhythmus als in Familien. Pellengahr ist überzeugt, dass der späte Ladenschluss Bestand haben wird. "An vielen Standorten wird sogar die Öffnung bis 24 Uhr zur Regel werden", prognostiziert er.
Für die Händler ist die lange Öffnung mit zusätzlichen Kosten verbunden. Der Aufwand für Logistik, Energie und Sicherheitsdienste steigt mit der Zahl der Stunden, die die Märkte am Abend geöffnet sind. Zu Buche schlagen auch die Personalkosten. Denn ab 18.30 Uhr erhalten die Beschäftigten einen Spätzuschlag von 20 Prozent auf ihre üblichen Bezüge; ab 20 Uhr sind es sogar 50 Prozent.
Die Supermarktbetreiber steuern dagegen, indem sie zu später Stunde die Bedientheken etwa für Wurst und Käse schließen. "Dafür gibt es am Abend ohnehin wenig Nachfrage", heißt es bei Edeka und Rewe. Auch setzen die Ladenbetreiber vielfach Mini-Jobber und Dienstleister ein, die für sie preiswerter sind als die Stammbelegschaft.
Umsatzschub durch längere Öffnungszeiten
"Die Umsatzzuwächse machen die höheren Kosten wett", sagt ein Rewe-Sprecher. Ein Großteil des Umsatzschubes von fünf Prozent, den die Kette im ersten Halbjahr verzeichnet habe, gehe auf die bis 22 Uhr verlängerten Öffnungszeiten zurück. Arbeitnehmervertreter sehen die Entwicklung zum späten Ladenschluss kritisch.
"Das bringt für die Beschäftigten zusätzliche Belastungen mit sich", sagt eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi. Sie zweifelt daran, dass die bisher erzielten zusätzlichen Umsätze von Dauer sein werden. "Es wird ja nicht mehr eingekauft, nur weil die Läden länger geöffnet haben."
Sicher ist dagegen nach Einschätzung von Branchenkennern, dass sich die Marktanteile verschieben werden. Wer die Spätöffnung nicht mitmache, werde mittelfristig Kunden verlieren. Leidtragende seien aber auch die häufig rund um die Uhr geöffneten Tankstellen-Shops. Sie würden einen Wettbewerbsvorteil einbüßen.
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(SZ vom 16.11.2009/tjon/pak)
Demonstrationen in Hamburg
Geschäfte müssen in der Tat verschlossen bleiben, damit Menschen begreifen, dass
es noch was anderes als Konsum gibt. Ein sonntägliches Stadtbild mit geschlossenen
Läden, zwingt auch die letzte Konsum-Queen sich zu überlegen, was man denn
sonst noch vielleicht mit dem Leben und der Zeit anfangen könnte.
Wenn Arbeitssklaven vor Feierabend nicht mal mehr ihr Brot einkaufen können, ist es
allerdings fatal. Wie genervt die Arbeitssklaven die mit ihrer Ausbeutung noch kokettieren
(ich habe überhaupt keine Zeit) sind sieht man auch im Straßenverkehr der Städte. Hier
liegen die Nerven blank. Auch wenn wir politisch auf die total-Liberalisierung vieler Lebensbereiche zusteuern, sollte man Bewahrtes beibehalten. Außerdem können
sich einen Mehrschichtbetrieb von Personal viele Einzelhändler garnicht leisten.
Gute Idee,
dann sollten mal alle Müllfahrer, Reinigungpersonal, Polizisten, Ärzte & Arzthelfer, Feuerwehrangestellte, Bäcker, Metzger, Hotel & Gastronomieangestellten, Zugbegleiter, usw usv. um 8:00 Uhr anfangen und um 16:00 Uhr aufhören.
Dann sehen Sie schon was Sie für eine tolle Lebensqualität Sie haben werden.
Sie sollten dann aber nur zwischen 8:00 und 16:00 Uhr ein Problem haben, danach verringert sich Ihre Lebenserwartung um mehr als 7 Jahre.
Nix für ungut
Ich persönlich wäre bedingt dafür.
Wenn ich morgens ins Büro fahre, haben die meisten Läden noch zu und abends schon wieder zu. Daher nutze ich auch jetzt schon das Angebot längerer Öffnungszeiten. In Läden, die erst um 9:30 Uhr öffnen, oder die bereits um 18:00 Uhr schließen, sieht man mich selten. Aber natürlich ist ein Schichtdienst auch eine erhebliche Mehrbelastung der Mitarbeiter, auch wenn sie vielleicht nicht länger arbeiten müssen. Aber eben anders.
Das bedeutet ja nicht, dass Mitarbeiter von 7:00h bis 24:00h arbeiten. Es wird ein Schichtdienst eingerichtet und die zusätzliche Vergütung ist gesetzlich geregelt!
Zudem werden die längeren Öffnungszeiten auch nicht flächendeckend eingeführt. Zudem kann auch ein kleiner Lebensmittelhändler davon profitieren. Er kann ebenfalls länger öffnen und zu schwachen Tageszeiten den Betrieb für einige Stunden schließen. Die Auslastung-, Rentabilitätsberechnung lässt sich an den Kassen täglich ablesen.
Für mich persönlich, der ich 12 bis 16 Std am Tag arbeite, kommt diese Regelung gut, da ich spät Abends meinen täglichen Bedarf decken kann und nicht mehr morgens eine Hetze zwecks Einkauf habe, wobei dann die Ware bis zum Dienstschluss ungekühlt lagert.
Die Geschäfte schliessen ab 2010 um 16.00 Uhr und Schichtarbeit schaffen wir ab - am besten arbeiten wir aber einfach garnicht mehr weil das Geld ja von Staat kommt wenn wir das bedingungslose Grundeinkommen einführen :-)
Einigkeit und Recht auf Freizeit - und Reichtum für Alle ^^
Ironie Ende ;-)
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