Jahrelang Aushilfe in einem Blumenladen, männlich, 23 Jahre alt, aus Stade
Mit Dauerpraktika zieren auch kleine Betriebe sich vor einer Festanstellung. Das kann nach hinten losgehen: Bei einem Gerichtsprozess drohen Lohnnachzahlungen. (© Foto: ddp)
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"Ich habe immer gedacht, irgendwann ist es vorbei. Dann habe ich endlich meinen Ausbildungsplatz. Aber es ging nicht vorbei. Ich habe jahrelang nur 192 Euro im Monat verdient. Meine Eltern haben mir mein Leben finanziert. Dabei habe ich Vollzeit in einem Blumenladen gearbeitet. Der Chef sagte immer: Mach nur weiter, dann gebe ich dir einen Ausbildungsplatz. Ich wollte ja nichts mehr als das.
Nach drei Jahren reichte es mir dann. Das war im August 2008. Es war wieder mal ein Tag, den ich auf dem Hof meines Chefs verbrachte. Da setzte er mich auch gerne ein. Ich sollte die Stallboxen säubern, den Hof fegen. Ich war immer derjenige, der die härteste Arbeit gemacht hat, die Blumenkübel etwa geschleppt, weil die Frauen das nicht konnten. Wenn ich meinem Chef gesagt habe, dass ich pünktlich nach Hause will, motzte er mich an. Ich bekam Angst, aber ich traute mich endlich zu sagen: Jetzt reicht's.
"Ich hätte früher aufhören sollen."
Ich rannte davon und ging danach nie wieder zur Arbeit. Als ich mich in der Arbeitsagentur arbeitslos melden wollten, staunten die Mitarbeiter dort, dass ich nur 192 Euro verdient habe. Sie sagten, ich soll meinen Chef verklagen. Das habe ich gemacht und das Arbeitsgericht hat mir Recht gegeben. Jetzt bekomme ich wahrscheinlich 20.000 Euro nachgezahlt, das Urteil ist aber noch nichts rechtsgültig. Ich hätte früher aufhören sollen, so wie der andere Jahrespraktikant, der nach ein paar Wochen Schluss machte und nicht Jahre geblieben ist. Ich bin zurzeit arbeitslos, aber ich hoffe, dass ich bald eine Ausbildung zum Maler beginnen kann."
Robert Mankopf, Tarifkommission des Fachverbandes Deutscher Floristen: "Ein solcher Lohn ist unmöglich. Angemessen ist für eine Aushilfe ein Stundenlohn von mindestens 7,80 Euro. Mehr zu garantieren ist wegen der Wirtschaftslage schwierig. Außerdem haben Angestellte im Blumenladen wahnsinnig große Leerzeiten."
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(SZ vom 26.02.2010/jcb/hgn)
Jeder schaut auf die Niedriglöhne und Hartz4 Empfänger.
Die haben es nicht vermurkst,
aber die Unternehmer und die oberste Etage der Unternehmen
mit ihren unverschämten Gehälter und Bonis sind Schuld am Niedriglohnsektor.
Hier besteht ein unmittelbarer Zusammenhang.
Unten wurde wie eine Zitrone ausgepresst um es nach oben zu transformieren,oder zu entlassen.
Keine Politik hat sich hier eingemischt oder laut mokiert.
Die Wirtschaft hat mehr verbrochen als alle Hartz4 Empfänger.
Die machen nach was die Wirtschaft selber vormacht.
Die Wirtschaft hat keine Ethik und Moral.
Keiner fordert sie ein.
Die Wirtschaft regiert in Wirklichkeit,die Politik ist nur von Wirtschaft Gnaden abhängig.
Leider wird umgekehrt ein Schuh draus. Durch Niedriglöhne in Deutschland geraten die Lohne in anderen EU-Staaten in Bedrängnis. Inzwischen ist das auch in einigen Ländern erkannt worden und der Ärger über Deutschland nimmt zu. Nicht zu vergessen das Subventionsnomadentum und der Steuerwettbewerb nach unten. Damit das aber nicht genug ist, sollen nach FTD -Informationen Soros und Konsorten mit diversen Hedge-Fond daran arbeiten den Euro auszuhebeln. Klar ist, dass Goldman/Sachs wohl spekuliert durch die zweifelhaften Geschäftsgebaren mit Griechenland mit im Boot sitzt. Was übrigens niemanden ernsthaft überraschen kann! Und wenn man derartige Manipulationen kritisch wertet ist man für einige schlichte Gemüter ein "Linker". Frage, was ist aus den vollmundigen Versprechen diverser Politiker geworden?
26.02.2010 15:19:01
kilpikonna
auf den Punkt gebracht, so funktioniert die Mövenpickgesellschaft, man sollte den Neoliberalen den Zugang zu Kindergarten, Schulen, Ärzten, Alters- und Pflegeheimen streichen.
Gerade wurde dem erstaunten Publikum mitgeteilt, das die enorme Effektivitätssteigerung (Senkung der Lohnstücksosten) Deutschlands in den letzten Jahren hauptsächlich für die Schieflage der Eurozone verantworlich sind, weil die Menschen in den anderen Staaten eben nicht mit ihren Lohnforderungen zurück gehalten haben.
Jetzt droht, das Deutschland Griechenland und danach vieleicht Portugal und Spanien finanziel unterstützen muß. Das ist doch Irrsinn.
Passen wir uns doch stattdessen unseren Nachbarn an. Fordern wir mehr Lohne unf Gehalt. Uns geht es dann wieder besser und auch der Euro wird wieder stabil.
Verdi und Co übernehmen Sie.
Unabhängige Erwerbslosenberatung der Kirchen (ist kostenlos!).
Bei der evangelischen Kirche gibt es Sozialpfarrämter.
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