Von Nikolaus Piper

Bürgermeister Bloomberg will New York mit erneuerbarer Energie versorgen. Dafür will er in der Stadt Windräder installieren - auf den Dächern der Wolkenkratzer.

Michael Bloomberg ist der erste Bürgermeister in der Geschichte New Yorks, der eine konsequente Umweltpolitik betreibt. Er zwingt Bauherren, Energie zu sparen, lässt Radwege bauen und Alleebäume pflanzen. Dabei unterliegt er oft den mächtigen Interessengruppen in der Stadt. So wurde sein ehrgeizigstes Projekt, die Einführung einer City-Maut für Manhattan, von der Fraktion der Demokraten in der Hauptstadt Albany gestoppt.

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New Yorks Bürgermeister Bloomberg will die Stadt mit Windrädern überziehen. (© Foto: Reuters)

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Jetzt will Bloomberg den Kampf mit Windmühlen-Flügeln erst recht aufnehmen, und zwar im eigentlichen Wortsinne. Während einer Konferenz in Las Vegas verkündete Bloomberg am Dienstag einen Plan, die Stadt mit Windrädern zu überziehen - auf Wolkenkratzern, Brücken und vor der Küste. New York soll so ein wenig Unabhängigkeit vom nationalen Stromnetz der USA erlangen. Bloomberg: "Wir wollen New York zur Nummer eins in Sachen sauberer Energie machen."

Tags drauf erntete er dafür hauptsächlich Spott. Der Sender CNN brachte eine Fotomontage, in der die Skyline Manhattans aussieht wie die Nordseeküste hinter Husum. Die New York Times machte den Lokalteil mit einem Bild der Freiheitsstatue auf, die statt einer Fackel ein Windrad hält. Der Spott ist durchaus berechtigt. Der Gedanke, New York könne seinen Strombedarf überwiegend aus Windenergie decken, ist absurd.

Hohe Kosten

Nach Ansicht von Architekten ist es unmöglich, auf bestehende Wolkenkratzer ein Windrad draufzusetzen, die Gebäude würden die damit verbundenen Schwingungen nicht aushalten. Würde man die Wolkenkratzer aufrüsten, wären die Kosten viel höher als der Spareffekt. Zudem wäre die Unfallgefahr zu groß. Trotzdem sind Bloombergs Überlegungen nicht völlig abwegig. New York könnte zu einem kleinen, aber spürbaren Teil mit Windenergie versorgt werden. Vor der Küste der Stadtteile Brooklyn und Queens weht ein beständiger Seewind - hier könnten Windparks im Meer entstehen.

Außerdem gibt es ernstzunehmende Konzepte für Windenergienutzung in Städten; diese sind zwar nicht für bestehende, wohl aber für neue Gebäude einsetzbar. Dabei werden meist nicht Windräder benutzt, sondern kleinere, vertikal oder horizontal liegende Turbinen.

Gefährliche Turbinen

Wie schwierig es aber ist, solche Konzepte umzusetzen, konnte Bloomberg bereits selbst erfahren. Die ursprünglichen Pläne für den Neubau des Freedom Tower an der Stelle des früheren World Trade Center sahen acht Windturbinen vor, die einen Teil der Energie für den Wolkenkratzer hätten liefern und ein Symbol für beständige Erneuerung sein sollen. Doch aus dem Plan wurde nichts.

Erst wandte New Yorks damaliger Gouverneur George Pataki ein, die Turbinen könnten Vögeln gefährlich werden, dann verlangte die New Yorker Polizei eine komplett neue Sicherheitsarchitektur, der die Windenergie zum Opfer fiel.

Das ganze Thema hat auch noch eine ironische Komponente. Tatsächlich hat New York eine gewisse Tradition in der Windenergienutzung. Die Stadt wurde 1626 von Holländern unter dem Namen Nieuw Amsterdam gegründet, und die bauten mindestens vier Windmühlen, wie zeitgenössische Illustrationen zeigen. Eine davon stand vermutlich in der Nähe der heutigen Wall Street und diente als Sägemühle. Gajus Scheltema, der heutige Generalkonsul der Niederlande in New York, nahm Bloombergs Rede zum Anlass für eine feinsinnige Erklärung: "Wir sind stolz darauf, die Wurzeln New Yorks geliefert zu haben, und die Windmühle ist für mich ein Symbol für die Energie, die New York antreibt. Die Flügel drehen sich, und jetzt gehen wir zurück zu den Energiequellen, die wir vor 400 Jahren genutzt haben."

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(SZ vom 22.08.2008/tob)