Sollen reformunwillige Länder künftig aus der Währungsunion ausgeschlossen werden? Genau das will Berlin durchsetzen - und löst damit einen heftigen Streit aus.
Die Bundesregierung stößt mit ihrem Plan, die europäische Währungsunion komplett zu reformieren, europaweit auf enormen Widerstand. Vor allem der Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, reformunwillige Krisenstaaten aus der Eurozone ausschließen zu können, wird vehement widersprochen.
Nach Ansicht von Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn wurden die bestehenden "Sanktionsinstrumente erst aufgeweicht" und werden "jetzt nicht richtig angewendet". (© Foto: dpa)
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"Das ist nicht der richtige Ansatz", sagte Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn am Donnerstag der Süddeutschen Zeitung. Das Problem bestehe vielmehr darin, "dass Sanktionsinstrumente erst aufgeweicht wurden und jetzt nicht richtig angewendet werden".
Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärte, es gebe derzeit überhaupt keinen Grund, sich an solchen Überlegungen zu beteiligen, ob und wie im Zweifelsfall ein Euroland mit zu hohem Defizit aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden könnte.
"Keine Option"
Er werde solche "absurden Hypothesen" nicht kommentieren, sagte Trichet. Auch EU-Mitgliedsländer sind dagegen. Ein Ausschluss sei "keine Option", hieß es in belgischen Regierungskreisen. "Es gibt keinen einzigen Grund, weshalb wir zustimmen sollten", sagte ein hoher spanischer EU-Diplomat.
Die Bundesregierung sei mitverantwortlich dafür, dass die ursprünglich scharfen Sanktionsinstrumente, mit denen Euro-Schuldner zum regelkonformen Haushalten gezwungen werden sollten, im Jahr 2003 deutlich entschärft wurden, und zwar ausgerechnet auf Druck von Deutschland und Frankreich.
Beide Länder forderten damals, die gegen sie laufenden Defizitverfahren auszusetzen. Sie stürzten die Eurozone in eine schwere Krise. Nach langem Streit, der bis vor den Europäischen Gerichtshof ging, wurden die Instrumente des Paktes deutlich entschärft.
Es sei wenig glaubwürdig, dass Berlin nun das Gegenteil fordere, sagte der Spanier. Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker wollte den Vorschlag nicht kommentieren. "Es gab noch keine Diskussion über einzelne neue Instrumente", sagte der Sprecher des Vorsitzenden der Euroländer.
Merkel hatte am Mittwoch im Bundestag gesagt, als Konsequenz aus der Griechenland-Krise und aus Sorge um die Stabilität des Euro sollten die Europäer daran arbeiten, "dass wir für die Zukunft ein Vertragswerk bekommen, in dem es in der Ultima Ratio sogar möglich ist, ein Land aus dem Euroraum auszuschließen, wenn es die Bedingungen langfristig immer und immer wieder nicht erfüllt."
Um den Euro zu schützen, will die Bundesregierung die Währungsunion langfristig komplett umbauen. Die Sanktionen gegen säumige Sünder sollen früher greifen sowie verschärft und automatisiert werden. Auch der Ausschluss aus der Eurozone soll möglich sein. Neu ist auch, dass die Wirtschaftspolitik enger abgestimmt und streng überwacht werden soll.
Funktionsmechanismen verbessern
Um die Änderungen durchzusetzen, muss der Lissabon-Vertrag wieder geändert werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte die Diskussion darüber mit dem Vorschlag angestoßen, langfristig einen europäischen Währungsfonds zu schaffen.
Die französische Finanzministerin Christine Lagarde lehnte es am Donnerstag in Brüssel ab, die EU-Verträge zu ändern. Frankreich wolle im Rahmen des Vertrages von Lissabon arbeiten und "die Funktionsmechanismen zwischen den Mitgliedsstaaten verbessern", sagte Lagarde. Damit bleibt sie auf Konfrontationskurs mit Berlin.
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Mich erinnert das an einen Schüler der gerade dabei ist in der Mittelstufe wegen exzessiver Faulheit "kleben zu bleiben" und sich gegenüber seinen Eltern damit aus der Affäre ziehen will in dem er diesen erzählt was er später mal studieren will.
der Wald und im Berlin denkt man an die Rekultivierung noch bevor der Brand gelöscht ist.
Wieder mal typisch für diese berliner Republik.
Volle Zustimmung zu diesem Beitrag, insbesondere zu dem Satz
"Keine Währung war bisher ewig und dieser Euro noch weniger, wenn sich die Staaten nicht zu einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik zusammenraufen."
Allerdings wäre ein Ausschluss von EURO-Ländern deshalb besonders problematisch, weil die Eintrittskriterien von allem Anfang an völlig unzureichend waren, sonst hätten -bekannt undisziplinierte- Länder wie beispielsweise Griechenland oder Iralien niemals beitreten können!
Die Alternative zum AUSSCHLUSS wäre der freiwillige AUSTRITT aus dem Währungsverbund - ein Druckmittel, mit dem Deutschland Druck ausüben könnte, wenn sich der heterogene EURO-"Verein" nicht sehr schnell wenigstens auf eine gemeinsame Wirtschafts-und Finanzpolitik einigen sollte!
Der (theoretische) Einfluss von Brüssel steigt von Jahr zu Jahr, doch jedes land kocht sein eigenes Süppchen. Die EU ist vor allem ein stark ideologisch geprägtes, politisches Bündnis und wurde von Anfang an auf sandigem Fundament gebaut. Nach relativ erfolgreichen Jahren folgt nun die Erschütterung der Grundfesten und zwar brutal. Mich wundert, dass es so lange gedauert hat.
Die Forderungen aus Berlin ist mit Nichten absurd. Dann schon eher diejenigen aus Paris bez. des Deutschen Aussenhandels.
Immer mehr stellt sich die Frage: EU, quo vadis? Ist das Weiterführen einer Vereinigung mit derart grossem Gefälle zwischen den einzelnen Ländern überhaupt noch möglich oder sinnvoll?
Klaus Mann hat es in seinem Werk der Wendepunkt schön beschrieben (wenn auch in einer anderen Zeit und unter anderen Umständen):
Europa zu vereinen heisst, es zu töten
Diese ''Absurde Hypothesen'' sind aber der geistige Erguß eines Herrn Professor Sinn. Mal abgesehen davon, wenn ein Euro-Land den Euro-Raum verlassen müsste, wäre das gleichbedeutend für den wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch für das entsprechende Land. Andererseits ist nicht zu übersehen, mit welchen Schwindeleien in der EU gearbeitet wird. Und da ist noch Island, bei dem die EU-Komission in Brüssel grünes Licht für Beitrittsverhandlungen gegeben hat. Und das, obwohl man auch in Brüssel genau weiß, dass das Land in einer ähnlichen Lage wie
Griechenland ist. Es wird von Tag zu Tag schwerer, in Brüssel und bei den Regierungschefs auch nur ansatzweise eine Glaubwürdigkeit zu erkennen!
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