Tatsächlich leben die bundesweit etwa 20.000 Kaminkehrer in einem Biotop, eine Folge des 1935 von Nationalsozialisten eingeführten und bis heute bestehenden "Kehrmonopols". Das Gesetz über das Schornsteinfegerwesen teilt Deutschland in etwa 7800 Kehrbezirke. Die Ausgestaltung des Gesetzes ist Sache der Länder, die für jeden Abschnitt einen Bezirksschornsteinfeger einsetzen.
Anzeige
Dieser überprüft in regelmäßigen Abständen, ob die Feuerstellen genügend Luft bekommen und wie viel Abgase die Heizung verursacht. Das sei im Interesse der Betriebs- und Brandsicherheit von Feuerstätten unverzichtbar, urteilt der Branchenverband.
Gesicherter Arbeitsplatz
Auch diene die Arbeit der Damen und Herren in Schwarz dem Umweltschutz und der Energieeinsparung. Dem widersprechen auch die Kritiker nicht. Nur wünschen sie sich mehr Wettbewerb auf dem Dach und in den Heizungskellern. Sie würden sich gerne aussuchen, wer bei ihnen kehrt und misst - und wann er dies tut.
Nicht nur die exklusiven Kontrollbefugnisse der Schornsteinfeger sind Monopolgegnern ein Dorn im Auge. Sie stört auch die Unkündbarkeit der Branche: Nach Lehre, Gesellenzeit und Meisterausbildung bekommen Schornsteinfeger ihren Kehrbezirk nach zwölf bis 15 Jahren Wartezeit bis zum Rentenalter zugeteilt.
Thomas Schulz hat 16 Jahre warten müssen. Jetzt ist er 41, beschäftigt einen Gesellen und einen Lehrling. Das Auftragsgebiet ist so zugeschnitten, dass es ihm ein Einkommen in Höhe einer Beamtenbesoldung der Stufe A9 garantiert. Das entspricht je nach Wohnort rund 3000 Euro im Monat. Größere Überraschungen muss Schulz in den nächsten 25 Jahren seines Berufslebens nicht fürchten. Dachte er jedenfalls bis vor kurzem.
Doch seit der Bundestag auf Drängen der EU im Juni eine Änderung des Schornsteinfegergesetzes beschlossen hat, wird sich für den Berufsstand einiges ändern. Nach einer Übergangszeit von fünf Jahren dürfen Kunden ihren Kaminkehrer ab Januar 2013 frei wählen. Sie können sich dann für einen Anbieter aus der Nachbarschaft entscheiden oder gar einen Dienstleister aus dem Ausland beauftragen. Dass preiswerte Schornsteinfeger aus Osteuropa ihren deutschen Kollegen bald kräftig Konkurrenz machen, ist nicht zu erwarten, denn die Anforderungen an die Qualifikation der Dienstleister ist nach wie vor hoch.
Neue Freiheit bei der Wahl des Schornsteinfegers
Zudem dürften nicht übermäßig viele Haus- und Wohnungsbesitzer von der neuen Freiheit Gebrauch machen - da sind sich Fachleute einig. Schulz schätzt, dass ihm allenfalls jeder fünfte Kunde verlorengehen wird. Vor allem Haus- und Wohnungsbesitzer, die sich durch Beanstandungen ihres Schornsteinfegers gegängelt fühlten, könnten zu einem Fachmann wechseln, der ihnen vermeintlich eher wohlgesinnt sei. Im Interesse der Sicherheit der Anlagen sei das aber bedenklich, meint Schulz.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich Schornsteinfeger Schulz auf den neuen Wettbewerb einstellen möchte.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 3 nächste Seite
- Thema
- Familienunternehmen RSS
Gysi gegen Lafontaine
waren Feuerungsstätten mit Braun-/Steinkohle oder Hplz. Die Brennstellen in den Wohnräumen und die Schornsteine meistens mit Ziegel gemauert. Heutige Gas- Oelbrenner und die dazu gehörende Abgastechnik (Schornsteine / Keramik) machen einen Schornsteinfeger mehr als überflüssig. Wo jedoch noch mit Feststoffen Brikett, Holz im direkten Wohnraum (Kamin/Kachenofen/Grundofen) geheizt wird sollte die Anlage vom Ofen, der Zuluft und der Abgasführung einer 2 jährigen Kontrolle unterliegen. Dazu braucht es aber keinen staatlich saktionierten zum Gelddrucken beschäftigten Schornsteinfeger.
Zu " 04.09.2008 18:23:30"
Das Sachargument ist, dass es sich beim "Schornsteinfegerwesen" um ein Gebietsmonopol handelt. Auch mit der neuen Gesetzgebung bleibt Deutschland in Kehrbezirke für Schornsteinfeger eingeteilt, wie es 1935 in der Gewerbeordnung eingeführt wurde.
Das BMWi hat den Entwurf einer "Kehr- und Überprüfungsordnung" der Versorgungsanstalt der deutschen Bezirksschornsteinfegermeister zur Stellungnahme zugeleitet. Es geht da nicht um die moderne Heiztechnik, sondern um die Versorgung von Schornsteinfegern.
Zitat: Herfurth Dirk- Gunter Dipl.- Ing.
Bundesweit bekanntgegebener Sachverständiger nach § 29 a BImSchG
"Wo keine Feuergefahr (die ein Schornsteinfeger verhindern könnte) besteht, wie z. B. bei modernen Öl- oder Gas- Feuerstätten, braucht ein Schornsteinfeger auch nicht für Feuersicherheit zu sorgen."
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol - Sektion Bayern
Portal : www.kontra-schornsteinfeger.de - Forum: www.schornsteinfeger-ko.de
Ist schon ne hohe Kunst, einen so langen Kommentar ohne ein einziges Sachargument zu verfassen.
Respekt!!!
Zu 04.09.2008 16:19 "Herr Datko ist vermutlich von der Sorte Ingenieure, die steif und fest behaupten, ..."
Als Ingenieur und Physiker kann ich dem Theater, das ein Schornsteinfeger jährlich bei uns durchführt gar nicht zusehen. Wir haben eine Erdgasheizung und brauchen keinen Schornsteinfeger. Der Schornsteinfeger kassiert dabei über 60 Euro ab.
Viele Ingenieure und Physiker schütteln nur mehr den Kopf, wenn sie von Schornsteinfegern hören.
Z.B.
Beutler E. Dipl.Ing. Schwerpunkt: Feuerungstechnik
" ... weitere Front des zivilen Ungehorsams aufzumachen, um dieser technischen Dümmlichkeit ein Ende zu bereiten."
Luther Gerhard Dipl. Physiker, Dr.
Vorschlag: "Die Messungen nach 1.BImSchV werden aufgegeben oder zumindest stark zurückgefahren.
In der Verbandszeitung der Ingenieure (VDI Nachrichten 19.12.2003)
Oder allgemeiner formuliert:
Dr. Dr. Horst Poller von Haus & Grund Württemberg hat die Schornsteinfeger ein Symbol für nutzlose Beschäftigung, für Monopolisten und für Lobbyisten genannt.
http://www.sueddeutsche-wohnwirtschaft.de/sites/artikel.php?artikel_id=126
Joachim Datko - Ingenieur, Physiker
Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol - Sektion Bayern
Portal : www.kontra-schornsteinfeger.de - Forum: www.schornsteinfeger-ko.de
6. "In Deutschland sollte eine Wartungspflicht durch das Heizungshandwerk mindestens alle zwei Jahre eingeführt werden. Einen Zwangsscheindienstleister brauchen wir nicht mehr."
Stellen Sie sich mal vor unsere Autos würden alle zwei Jahre nicht vom TÜV, sondern vom Autohändler bzw. dessen Werkstatt durchgeführt.
Sicherlich könnte man viele Aufgaben des Schornsteinfegers auch dem TÜV übertragen. Nur würde der sicherlich auch nicht günstiger Arbeiten können und die Umstellung währe ein erheblicher Aufwand. Wenn Sie so wollen, könnte man auch sagen, dass der Schornsteinfeger für seine Bereiche mit der bisherigen und der neuen Regelung die Aufgaben des TÜVs wahrnimmt.
Der TÜV überprüft übrigens Großfeuerungsanlagen ab einer bestimmten Größenordnung bereits jetzt.
Herr Datko ist vermutlich von der Sorte Ingenieure, die steif und fest behaupten, das bei der Messung der Rauch- bzw. Abgase, der dafür erforderliche Kernstrom (welcher die höchste Temperatur sowei die höchste Konzentration der zu messenden Inhaltsstoffe aufweist) grundsätzlich in der Mitte des Rohres zu suchen und zu finden sei. Völlig unabhängig davon ob die Temperatur sowie die Inhaltsstoffe tatsächlich dort die höchste Konzentration haben oder vielleicht auch mal am Rand oder irgendwo anders zu finden sind. Ideale Laborbedingungen die auf einer fest definierten Länge eines Rohres einen mittleren Kernstrom aufweisen, finden sich in der Praxis nur in den seltensten Fällen.
Dies aber nur am Rande erwähnt.
Entscheidend ist die Unabhängigkeit der Kontrollinstanz sowie die Gewährleistung das die gesetzliche vorgeschriebenen Zyklen auch eingehalten werden. Die neue Regelung ist im Ansatz sicher nicht verkehrt, wenn man Sie als Einstieg in eine markgerechtere Form dieses Handwerks betrachtet. Ob Sie allerdings auch den gesetzlich formulierten Ansprüchen genügt bleibt abzuwarten. Sollten Sicherheit und Umweltschutz zu kurz kommen, so sollte sich der Gesetzgeber nicht scheuen die Freiheiten in der Ausübung der Tätigkeiten auch wieder einzuschränken.
Paging