Neues Jay-Z-Album auf Samsung-Smartphones Kumpel-Image für fünf Millionen Dollar

Rapper und Hip-Hop-Unternehmer Jay-Z

(Foto: REUTERS)

Jay-Z ist der große Gatsby des 21. Jahrhunderts. Drei Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart lässt sich sein neues Album bereits legal herunterladen - gratis. Allerdings nur über Samsung-Smartphones. Das ist nicht nur ein teures Werbegeschenk. Sondern auch ein Frontalangriff auf Apple.

Von Andrian Kreye

Wenn sich ein Star wie Jay-Z mit einem koreanischen Superkonzern zusammentut, um eine neue Marketingstrategie auszuprobieren, rumort es bei der Konkurrenz. Am 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, können sich eine Million Nutzer des Samsung Galaxy-Telefons über eine App das neue Album des Hip-Hop-Stars gratis herunterladen. Der Rest der Welt kann sich das Werk mit dem Titel 'Magna Charta Holy Grail' dann erst drei Tage später kaufen.

Für Jay-Z ist das zunächst ein Coup, weil er noch vor der offiziellen Veröffentlichung eine Million Alben verkauft hat. Nach Angaben des Wall Street Journal bezahlten die Koreaner dem Rapper fünf US-Dollar pro Stück. Wenn die US-Hitparaden-Agentur Nielsen Soundscan zustimmt, landet er damit aus dem Stand auf Platz eins. Die Frage, warum ein Konzern fünf Millionen Dollar für ein Werbegeschenk ausgibt, kann man allerdings nicht mit einer einfachen Rechnung beantworten.

Jay-Z ist für das New York des 21. Jahrhunderts eine ähnliche Figur wie der große Gatsby für die Goldenen Zwanzigerjahre. Der 43-Jährige mit dem bürgerlichen Namen Shawn Knowles-Carter wuchs in der Sozialbausiedlung Marcy Houses in Brooklyn auf. Seit 1995 hat er elf Alben aufgenommen, die allesamt Hits waren. Mit dem Geld gründete er eine Platten- und eine Modefirma, er betreibt Nachtklubs, ist Anteilseigner der Basketballmannschaft Brooklyn Nets und Besitzer einer Agentur für Profisportler. Geschätztes Privatvermögen: 500 Millionen Dollar.

Seinen Doppelnamen hat er seit seiner Hochzeit mit der Sängerin Beyoncé Knowles vor fünf Jahren. Die ist zwar nur halb so reich wie Jay-Z, aber immerhin hat sie genug Geld, dass sie ihm vergangenes Jahr zum Vatertag einen Privatjet für 40 Millionen Dollar schenkte. Im krisengeschüttelten Amerika sind solche Unternehmerbiografien Heldengeschichten.

Betont dilettantisch

Gleichzeitig pflegt Jay-Z sein kumpelhaftes Image. Der Werbespot für das neue Album ist zum Beispiel ein betont dilettantisch gedrehter Kurzfilm, der Jay-Z bei Musikaufnahmen in einem Studio zeigt, das so aussieht wie ein tristes Jugendzimmer. Es stehen ein paar befreundete Stars wie Pharrell Williams und Timbaland ums Mischpult herum, auf einem abgewetzten Sofa liegt der Musikproduzent Rick Rubin. Der sieht mit Zottelbart zwar aus wie ein Eremit, hat aber Hip-Hop zum Popgenre und Johnny Cash zur Legende gemacht.

So viel Starqualität und Authentizität zielt direkt auf den größten Samsung-Konkurrenten Apple. Der hat seit Steve Jobs' Tod mit Imageproblemen zu kämpfen: Da sind die Skandale um die chinesischen Zulieferer. Das iPhone gilt nicht mehr als cool. Und nun wird auch noch der Status als Knotenpunkt der Popkultur von der Konkurrenz angegriffen. Vielleicht funktioniert das. Möglicherweise spricht es sich aber bei der Kundschaft herum, dass Samsung ja auch ein Rüstungskonzern ist und Atomkraftwerke baut.