Neuer Vertrag Mathias, der Ewige

Muss jetzt seine Expansionspläne überarbeiten: Mathias Döpfner.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Mathias Döpfner bleibt bis 2021 Chef von Axel Springer. Seine Freude darüber dürfte aber getrübt sein: Die Umbau-Pläne sind gescheitert.

Von Caspar Busse

Langsam kann man von einer Ära bei Axel Springer sprechen: Seit Anfang 2002 führt Mathias Döpfner, 53, bereits das Medienunternehmen. Jetzt hat der Aufsichtsrat seinen Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Bis zum Jahr 2021 soll der gelernte Journalist und studierte Musikwissenschaftler also die Geschicke des Traditionsunternehmens aus Berlin bestimmen, das unter anderem Bild und Welt verlegt. Dann wäre Döpfner, der selbst 2,8 Prozent der Springer-Aktien hält und eines der höchsten Gehälter im Aktienindex Dax bezieht, 20 Jahre im Amt - so lange wie derzeit kaum ein anderer Vorstandsvorsitzender eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland.

Doch die Freude bei Döpfner dürfte nicht ungetrübt sein. Denn gleichzeitig musste er einen herben Rückschlag für seine weiteren Expansionspläne hinnehmen. Völlig überraschend hat die Axel Springer AG Ende vergangener Woche die geplante Umwandlung der Rechtsform abgesagt. Damit wollte sich das Unternehmen im harten Wettbewerb in der Medienbranche neues Kapital besorgen und so auch große Übernahmen ermöglichen. Seit Ende 2014 wurde daran bereits gearbeitet, komplizierte unternehmens- und steuerrechtliche Einzelheiten wurden eilig geklärt. Eigentlich sollten die Aktionäre auf der Hauptversammlung im kommenden Frühsommer die Umwandlung durchwinken.

Doch jetzt kommt alles anders. Nach langen internen Beratungen hatte Döpfner vor bald eineinhalb Jahren verkündet, dass Axel Springer in eine sogenannte Kapitalgesellschaft auf Aktien, kurz KGaA, umgewandelt wird. Damit könnte die Mehrheitsaktionärin Friede Springer den Konzern weiter kontrollieren, auch wenn sie nur noch über weniger als 50 Prozent der Aktien verfügt.

Döpfner hatte eindringlich für die Umwandlung geworben. Damit werde der Zugang zu externem Kapital erleichtert: "Das ist für unser zukünftiges Wachstum sehr wichtig. Die Welt dreht sich immer schneller, die Summen, die bewegt werden, werden immer größer. Da müssen wir vorbereitet sein", hatte Döpfner im vergangenen Sommer der SZ gesagt. Vorbild waren unter anderem die Dax-Konzerne Henkel oder Merck, die beide als KGaA breit an der Börse notiert sind und mit international tätigen Konzernen konkurrieren. Die Mehrheit der Stimmrechte an den beiden Unternehmen werden von den jeweiligen Gründerfamilien kontrolliert.

So sollte es eigentlich künftig auch bei Springer sein. Doch offenbar verließ Friede Springer, 73, die letzte Frau von Gründer Axel Cäsar Springer, am Ende der Mut. Der Fall erinnert an Bertelsmann. Konzernchef Thomas Rabe wollte auch eine KGaA schaffen, der Plan scheiterte ebenfalls, nicht zuletzt an Eigentümerin Liz Mohn.

Die Mehrheit von Friede Springer ist schon jetzt denkbar knapp. Seit Dezember kontrolliert die Gesellschaft für Publizistik, die sie zusammen mit den Springer-Enkeln besitzt, 47,3 Prozent der Aktien. Weitere 5,1 Prozent hat Friede Springer direkt. Neben Döpfner ist noch der Finanzinvestor General Atlantic (8,3 Prozent) an Bord. Der Rest ist in Streubesitz. Die Aktie verliert seit einiger Zeit an Wert.

Man habe sich wegen der negativen Reaktion des Kapitalmarkts und der komplizierten Struktur einer KGaA nun gegen den Schritt entschieden, sagte eine Springer-Sprecherin am Wochenende. Allerdings waren diese Punkte schon lange bekannt. Dass eine KGaA keine einfache Konstruktion ist, dürften Döpfner und seine Leute lange gewusst haben. Und Investoren sehen es immer kritisch, wenn sie nicht angemessen an Unternehmensentscheidungen beteiligt werden, sondern nur Kapital zur Verfügung stellen sollen. Ein Zusammenhang zwischen der Entscheidung der Vertragsverlängerung Döpfners bestehe nicht, hieß es.

Es ist nicht die erste Schlappe für Döpfner. Zuletzt scheiterten Fusionsgespräche mit dem Münchner TV-Konzern Pro Sieben Sat 1. Bei der Übernahme der Financial Times oder von Forbes hatte Döpfner, der die Firma seit Langem zu einem Digitalunternehmen umbaut, das Nachsehen. Offen ist, wie es jetzt weitergeht. Axel Springer halte unverändert am Ziel fest, den Wachstumskurs zum führenden digitalen Verlag fortzusetzen, und werde "bei Bedarf dafür andere geeignete Optionen der Kapitalbeschaffung nutzen", teilte das Unternehmen mit. Doch wie sollen die aussehen? Eine Kapitalerhöhung oder eine Fusion wären nun jedenfalls nicht möglich, da sonst Friede Springers Mehrheit endgültig dahin wäre.