Neuer Prozess BayernLB verklagt Ecclestone

Bernie Ecclestone steht ein neuer Prozess bevor.

(Foto: dpa)
  • Die BayernLB fordert 345,9 Millionen Euro von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. Die Staatsbank hat Klage beim Landgericht München eingereicht.
  • Bayerns Landesbank behauptet, sie sei durch Ecclestones heimliche Millionen-Zahlungen an den früheren Bankvorstand Gerhard Gribkowsky geschädigt worden.
  • Gribkowsky habe anschließend die Formel-1-Anteile der BayernLB unter Wert an einen Ecclestone genehmen Investor verkauft.
Von Klaus Ott

Weihnachtspost für Bernie

Bernie Ecclestone, der inzwischen 84 Jahre alte Chef der Formel 1, verschickt Karikaturen als Weihnachtsgrüße. Dieses Jahr macht sich der Brite über die bayerische Justiz lustig, die ihm bei seinem Schmiergeldprozess vor dem Münchner Landgericht im Sommer 100 Millionen Dollar abgeknöpft hatte.

Die Weihnachtspost aus München für Bernie, wie ihn alle nennen, ist weniger lustig. Bayerns Landesbank fordert in einer jetzt beim Landgericht München eingereichten Klage exakt 345,9 Millionen Euro Schadensersatz von dem Briten. Anlass für die Klage sind die vielen Dollar-Millionen, die Ecclestone im vergangenen Jahrzehnt heimlich dem damaligen Risikovorstand der Staatsbank, Gerhard Gribkowsky, hatte zukommen lassen.

Die BayernLB war damals Haupteigner der Formel 1, für dieses Engagement war Gribkowsky zuständig. Die weiß-blaue Staatsbank behauptet, Gribkowsky habe wegen Ecclestones Dollar-Millionen die Renn-Aktien des Geldinstituts unter Wert an die von dem Briten ausgesuchte Investmentgesellschaft CVC verkauft. Mit Hilfe von CVC habe der Renn-Boss seine zuvor gefährdete Macht in der Formel 1 gesichert.

Gribkowsky war 2012 wegen Bestechlichkeit und weiterer Delikte zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, ist aber längst Freigänger und hat einen neuen Job. Ecclestone kam wegen Bestechung vor Gericht, das Verfahren wurde allerdings gegen die Zahlung der 100 Millionen Dollar eingestellt.

Bambino ist unter anderem auf einer Steuersparinsel ansässig

Mit anderen Worten: Als Ecclestone und die Bambino-Holding seiner früheren Frau Slavica und der beiden gemeinsamen Töchter über Briefkastenfirmen im Indischen Ozean und der Karibik insgesamt mehr als 40 Millionen Dollar für Gribkowsky anwiesen, war das - streng juristisch betrachtet - noch kein Schmiergeld, kam dann aber als solches bei dem BayernLB-Vorstand an. Der gab später zu, als das alles aufflog, dass er beim Verkauf der Formel-1-Aktien der Landesbank im Interesse von Ecclestone gehandelt und den möglichen Preis nicht ausgereizt habe. Das ist auch das Hauptargument der BayernLB in der Schadensersatzklage: Gribkowsky hätte einen weit höheren Preis aushandeln können, wenn er sich nicht hätte von Ecclestone bestechen lassen.

Außerdem fordert die Landesbank eine Provision zurück, die der Renn-Boss damals von der Bank auf Betreiben Gribkowskys erhalten hatte. Die Bambino-Holding, die damals ebenfalls Geld von der Landesbank bekam, soll dieses Geld ebenfalls zurückzahlen. Die Schadensersatzklage richtet sich gegen Ecclestone, gegen Bambino und gegen einen langjährigen Bambino-Anwalt aus London. Bambino ist, unter anderem, auf Jersey im Ärmelkanal ansässig; eine Steuersparinsel. Ecclestone beklagt umgekehrt in London die BayernLB. Er will dort möglicherweise feststellen lassen, dass er der Landesbank nichts schuldet.

Der Renn-Boss hatte der Staatsbank im Sommer eine Ausgleichszahlung in Höhe von 25 Millionen Euro Euro angeboten. Der Bank war das zu wenig. Spätere Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis. Jetzt müssen die Gerichte entscheiden.