Von Ulrich Schäfer und KLaus Ott

Der Machtkampf bei Siemens ist entschieden: Vorstandschef Klaus Kleinfeld hat den Machtkampf mit dem Aufsichtsrat verloren. Er kündigte an, spätestens im Herbst aufzuhören. Ein Nachfolger steht momentan noch nicht fest.

Der Machtkampf bei Siemens ist entschieden: Der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld erklärte am Mittwoch im Aufsichtsrat, er höre am 30. September dieses Jahres auf. Der 49-Jährige sagte, er stehe für eine Verlängerung seines Vertrages nicht mehr zur Verfügung. Unklar war zunächst noch, wer Kleinfeld als Vorstandschef nachfolgen soll.

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Kleinfeld begründete seinen Rückzug mit der Debatte, die in den vergangenen Tagen um die Verlängerung seines Vertrags geführt worden war. "In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung. Daher habe ich mich entschlossen, für die Verlängerung meines Vertrags nicht mehr zur Verfügung zu stehen", erklärte der Siemens-Chef. Kleinfeld will seinen Vertrag, der bis Ende September befristet ist, noch erfüllen; dann scheidet er ohne Abfindung aus.

Kleinfeld reagierte damit auf den Druck, der sich in den letzten Tagen gegen ihn aufgebaut hatte. Anfang der Woche war publik geworden, dass führende Vertreter des Aufsichtsrats sich auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht hatten. Insbesondere der am Mittwoch gewählte neue Vorsitzende des Aufsichtsrats, der ehemalige Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme, und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatten die Suche vorangetrieben. Auch der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hatte sich für einen völligen Neuanfang bei Siemens starkgemacht. Am Donnerstag vergangener Woche hatte bereits der bisherige Aufsichtsratschef, Heinrich von Pierer, seinen Rückzug angekündigt.

Kleinfeld hatte sich vor der Sitzung des Aufsichtsrats bereit gezeigt, es auf einen Eklat ankommen zu lassen. In der Nacht zu Mittwoch soll Kleinfeld nach Informationen der Süddeutschen Zeitung im Gespräch mit mehreren Aufsichtsräten erklärt haben, dass er notfalls zurücktreten werde. Ursprünglich hatte er gehofft, dass sein Vertrag bis 2012 verlängert wird. Sollte der Aufsichtsrat tatsächlich bereits nach einem Nachfolger für ihn suchen, stünde er für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung, soll Kleinfeld in dieser Runde gesagt haben.

Führende Vertreter des Aufsichtsrats hatten sich bereits vor der Sitzung des Gremiums am Mittwoch dafür ausgesprochen, Kleinfelds Vertrag vorerst nicht zu verlängern. Sie plädierten dafür, darüber erst beim nächsten Treffen in drei Monaten zu beraten, wohl wissend, dass dies einer Demontage des Siemens-Chefs gleichkäme. Dem Vernehmen nach soll es Kalkül gewesen sein, Kleinfeld so zu einem freiwilligen Rückzug zu bewegen. Kleinfeld war im Januar 2005 an die Spitze von Deutschlands größtem Unternehmen gerückt und hatte dort Heinrich von Pierer abgelöst. An der Börse fiel der Kurs der Siemens-Aktie nach Bekanntgabe des Rückzugs deutlich.

Am Mittwochabend war zunächst unklar, wer Kleinfeld nachfolgen soll. Ackermann und Cromme hatten sich in den vergangenen Tagen darum bemüht, den Chef des Industriegase-Herstellers Linde, Wolfgang Reitzle, für dieses Amt zu gewinnen. Der 58-Jährige verfügt über einen engen Draht zu Ackermann; die Deutsche Bank zählt zu den wichtigsten Aktionären von Linde. Ein Linde-Sprecher bekräftigte am Mittwochabend jedoch, dass Reitzle nicht wechseln wolle.

Als zweiter Kandidat für die Kleinfeld-Nachfolge war der frühere Automanager Wolfgang Bernhard im Gespräch. Bernhard hat als Sanierer beim US-Hersteller Chrysler und als Markenchef bei Volkswagen gearbeitet. Er berät seit einigen Monaten den Finanzinvestor Cerberus.

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(SZ vom 26. April 2007)