Neuer Chef-Privatisierer Stelios Stavridis Der Mann, der Griechenlands Besitz verkloppt

Eigentlich baut er Swimmingpools, jetzt übernimmt er den Ausverkauf eines Landes: Stelios Stavridis wird Chef der griechischen Privatisierungsbehörde. Sein Vorgänger geriet ins Visier der Justiz. Stavridis muss nun den Bürokraten Beine machen.

Von Christiane Schlötzer

An einem heißen Tag im vergangenen Sommer saß der griechische Swimmingpool-Hersteller Stelios Stavridis in seinem Athener Büro, blickte durchs Fenster auf ein aquamarinblaues Becken und beklagte, dass kaum ein Land den eigenen Unternehmern das Leben so schwer mache wie seines. Die Privatisierung von Staatsbetrieben komme einfach nicht voran, schimpfte Stavridis damals, die Bürokratie sei "unglaublich". Neun Monate später muss Stelios Stavridis, Gründer der Firma Piscines Ideales, nun beweisen, dass er den Bürokraten Beine machen kann.

Der 66-Jährige soll künftig die griechische Privatisierungsbehörde leiten. Die Bestätigung seiner Ernennung durch das Parlament steht zwar noch aus, dürfte aber Formsache sein. Die Regierung hat sich für Stavridis entschieden, nachdem der bisherige Chef der Behörde am vergangenen Samstag überraschend zurückgetreten war. Ihm droht eine Anklage wegen Untreue, Grund ist eine frühere Tätigkeit beim staatlichen Stromkonzern.

Lange konnte Finanzminister Giannis Stournaras den Posten jedoch nicht vakant lassen, denn Griechenland steht unter großem Druck seiner internationalen Geldgeber, endlich Ernst zu machen mit dem Verkauf von Staatseigentum. Die Angebotspalette reicht vom lukrativen Wettanbieter über die großen Gasmonopolisten bis hin zu Immobilien, darunter auch das Gebäude des Athener Polizeipräsidiums.

Mit dem Hubschrauber auf der Jagd nach Steuersündern

Stavridis wird bereits der dritte Chef der noch jungen Behörde, und er scheint kein schlechter Kandidat zu sein. Als Manager hat er mit seiner eigenen international tätigen Firma diverse Auszeichnungen gewonnen. Stavridis studierte an der ETH Zürich Ingenieurwesen, später bildete er sich in Wirtschaftswissenschaften fort. Der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern spricht Deutsch, Englisch und Französisch. Politisch engagierte er sich in einer Bewegung gegen die Korruption in Griechenland. Bei der Parlamentswahl im Juni 2012 kandidierte er für die konservative Nea Dimokratia, allerdings auf einem hinteren Listenplatz, der ihn nicht ins Parlament brachte.

Das Pool- und Spa-Geschäft ging damals schon nicht mehr so gut wie in den Zeiten, als reiche Griechen noch öffentlich im Überfluss schwelgten. Inzwischen sucht die Finanzpolizei Steuerhinterzieher auch vom Hubschrauber aus - Schwimmbäder werden dabei zuweilen als Indiz gewertet, dass beim Besitzer was zu holen ist. Stavridis ließ sich schon im Oktober 2012 einmal von der Behörde einspannen, die er nun leiten soll. Damals übernahm er die Leitung der zum Verkauf stehenden Athener Wasser- und Abwasserwerke, an denen der Staat noch einen Anteil von 61 Prozent hält.

Seine Mutter, erzählt Stavridis, habe ihm beigebracht, dass "jedes Hindernis gut ist, weil es dich weiterbringt". An diesen Familienleitspruch wird sich der Unternehmer in den nächsten Monaten in seinem neuen Amt wohl noch oft erinnern müssen.