Doch weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa trauen sich die Politiker, eine Zulassungsbehörde zu schaffen, die künftig entscheidet, welche Finanzprodukte erlaubt sind und welche nicht. Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz und David McFadden fordern solch eine Behörde seit langem.
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Wie in der Arzneimittelindustrie müssten die Finanzkonzerne ihre Produkte erst überprüfen lassen, ehe sie diese in den Handel bringen dürfen. Morgens etwas erfinden und nachmittags bereits damit zocken - so etwas darf es nicht mehr geben. Doch die Ökonomen finden kein Gehör. Die Politiker folgen lieber dem altbekannten Argument der Banker, dass der Markt schon regeln wird, welches Finanzprodukt sich durchsetzt und welches nicht.
Ebenso wenig trauen sich Politiker und Aufseher, das weitverzweigte Schattenbankensystem komplett einzureißen, in das die Finanzindustrie zuletzt einen großen Teil ihrer Geschäfte verlagert hat. Auch künftig dürfen die Banken Kreditpakete aus ihrer Bilanz auslagern und über die ganze Welt auf Reisen schicken.
Auch künftig wird es also bei Banken eine offizielle Bilanz geben - und eine zweite, inoffizielle Bilanz, in der all die Zweckgesellschaften auftauchen, die nur einer laxen Aufsicht unterliegen, weil sie in Steuerparadiesen sitzen. Dass die Banken für den Handel mit Kreditpaketen bald höhere Reserven bereithalten sollen, löst das Problem nicht wirklich. Warum werden Geschäfte außerhalb der Bilanz nicht verboten?
Es gibt noch zahllose andere Punkte, in denen die neuen Regeln hinter dem zurückbleiben, was erforderlich ist. Warum sollen künftig bloß die großen Hedgefonds einer staatlichen Kontrolle unterwerfen - und nicht alle? Warum wird nicht auch darüber nachgedacht, große Banken in kleinere zu zerlegen, so wie es auch nach der Großen Depression vor acht Jahrzehnten geschehen ist?
Selbst Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, warnte diese Woche vor den Gefahren, die drohen, wenn Geldhäuser zu groß sind und dann zusammenbrechen. Die Schweizer Notenbank erwägt bereits, die beiden Großbanken des Landes zu zerlegen. Doch das ist die Ausnahme. Anderswo sind keine Überlegungen bekannt, die Macht der Banken zu brechen.
Die Welt ist dabei, eine einzigartige Chance zu verspielen. Noch nie war die Gelegenheit, die Regeln der Finanzmärkte zu verändern, derart günstig, noch die Bereitschaft in aller Welt so groß.
Wenn die Krise erst einmal vorbei ist, wird der Wille zu Veränderungen schnell schwinden. Dann wird sich die Auffassung durchsetzen, dass es auch ohne harte Einschnitte geht. Die Finanzindustrie wird sich dann die Hände reiben - und die Welt irgendwann teuer dafür bezahlen, wenn die nächste Krise kommt.
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(SZ vom 20.06.2009/as/hgn)
Linke mit neuer Führung