Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Um ein Monster zu zähmen, braucht es mehr als warme Worte: Die neuen Regeln für die Finanzmärkte reichen nicht aus. Daher ist die nächste Krise unausweichlich.

Wer ein Monster zähmen will, darf diesem nicht bloß gut zureden. Der darf nicht bloß den Wärter austauschen, der es bewacht. Und der darf nicht darauf vertrauen, dass das Monster schon selber weiß, dass es nicht mehr ganz so wild sein darf, nicht mehr ganz so aggressiv.

Finanzmarkt, Regeln, Krise, AFP

Morgens ein Finanzprodukt erfinden, nachmittags damit zocken: Händler an der New Yorker Börse. (© Foto: AFP)

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Die Finanzmärkte sind ein "Monster", sagt Bundespräsident Horst Köhler, und dieses Monster müsse "in die Schranken gewiesen werden". Ein Jahr alt ist die Mahnung, dass sich etwas ändern müsse in der Welt des ungezügelten Finanzkapitalismus. Doch geschehen ist wenig. Es wurde geredet, auf Gipfeln in Washington, London und Brüssel - doch die Regeln, die nun geschaffen werden, reichen bei weitem nicht. Was Politiker als größte Reform der Finanzmärkte seit acht Jahrzehnten feiern, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Reförmchen.

Ja, die Banken werden künftig härteren Regeln unterworfen als bisher. Ja, auch Hedgefonds sollen sich registrieren lassen. Aber nein, eine wirkliche Abkehr von den teils obskuren Geschäften der Geldhäuser wird es nicht geben.

Den "tierischen Instinkten", die der Ökonom John Maynard Keynes schon in den 30er Jahren als eigentliches Problem der Spekulation beschrieben hat, werden auch künftig keine klaren Grenzen gesetzt. Die nächste Krise, der nächste Absturz sind damit programmiert.

Auch jene Reform, die Barack Obama in dieser Woche in Washington präsentiert hat, ändert daran nichts. Groß war allein der Auftritt Obamas im East Room des Weißen Hauses, klein sind dagegen die Ergebnisse. Die US-Notenbank soll alle Macht bekommen, lautet die Botschaft, die aus Washington dringt. Doch was heißt das schon?

Auch künftig werden sechs weitere Behörden über die Finanzmärkte wachen und sich gegenseitig behindern. Auch künftig dürfen Banken und Hedgefonds mit all jenen Kreditderivaten handeln, die zum Zusammenbruch der Wall Street geführt haben, zur Pleite von Lehman Brothers ebenso wie zum Kollaps von AIG, dem einst größten Versicherungskonzern der Welt.

Warum haben Obama und seine Strategen nicht einfach bestimmte Finanzprodukte verboten, etwa jene hochriskanten Credit Default Swaps, die der amerikanische Investor Warren Buffett einst als "finanzielle Massenvernichtungswaffen" bezeichnet hat? Warum begnügen sie sich damit, dass ein Teil dieser Zockerpapiere künftig über eine zentrale Abrechnungsstelle gehandelt werden soll - und nicht mehr in den Hinterzimmern der Banken?

Credit Default Swaps waren mal als Versicherung gegen den Ausfall von Krediten gedacht, doch später haben Spekulanten sie dazu missbraucht, auf den Zusammenbruch von Unternehmen zu wetten. Die Welt hat bis Mitte der 90er Jahre bestens ohne diese Zockerpapiere gelebt - und sie würde auch künftig besser ohne sie leben.

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  2. Die nächste Krise wird kommen
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