Neue IBM-Chefin Virginia Rometty Eine Frau dirigiert die Nerds

IBM war in immer ein Pionier, wenn es um Gleichstellung ging. Jetzt übernimmt mit Virginia Rometty erstmals eine Frau die Führung bei dem Computerhersteller. Nach dem Amtsantreitt von Meg Whitman bei HP werden nun zwei der größten Technologiekonzerne der Welt von Frauen geleitet.

Es hat gedauert, bis der Fortschritt auch in der Chefetage angekommen ist. Die 430.000 Mitarbeiter von IBM werden künftig auf das Wort einer Frau hören. Virginia Rometty übernimmt zum Jahreswechsel den Spitzenposten vom legendären Sam Palmisano. Das Unternehmen war schon immer Pionier, wenn es um Gleichstellung all derer ging, denen anderswo wegen ihres Geschlechts oder ihrer Herkunft der Weg zum sozialen Aufstieg versperrt wurde. Aber einen weiblichen Chef hatte IBM noch nie.

Virginia Rometty wird Chefin von IBM. Sie hat sich über Jahre im Konzern hochgearbeitet.

(Foto: AP)

"Es gibt keine größere Ehre im Geschäftsleben, als gefragt zu werden, ob man IBM führen möchte", sagte Rometty. Die 54-Jährige wird eine von nur vier Frauen sein, die Unternehmen leiten, die im wichtigsten US-Börsenindex notiert sind. Außer ihr sind dies Irene Kleinfeld vom Nahrungsmittelhersteller Kraft, Ellen Kullmann vom Chemieunternehmen Dupont und Meg Whitman von der Computerfirma Hewlett-Packard.

Rometty hatte 1981 als Systemtechnikerin angefangen und sich zur Leiterin des weltweiten Verkaufs hochgearbeitet. Damit gehörte sie zum Führungszirkel des Konzerns. "Ginni Rometty hat in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe von IBMs wichtigsten Geschäftszweigen geleitet", sagte Vorgänger Palmisano und lobte seine Nachfolgerin als "ideale Konzernchefin".

Schon in den dreißiger Jahren hatten Frauen hier bessere Aufstiegchancen als bei anderen Unternehmen. 1953, als in den amerikanischen Südstaaten Schwarz und Weiße noch getrennt leben und arbeiten mussten, schrieb der legendäre IBM-Chef Thomas John Watson: Das Unternehmen werde Menschen einstellen, "unabhängig von ihrer Rasse, Hautfarbe oder ihres Glaubens." Ob für Schwarze, Frauen, oder schwarze Frauen - regelmäßig wird IBM zu einem der besten Arbeitgeber für all jene gewählt, die nicht weiß und männlich sind.

Doch die Geschichte des Unternehmens hat auch dunkle Seiten: Dass seine frühen Maschinen bei der Organisation des Holocaust eine Rolle spielten, schockierte vor einigen Jahren die Öffentlichkeit. Die Enthüllung widersprach vor allem dem Image als progressive Firma, auf das man bei IBM so stolz war.

Rometty beerbt einen der erfolgreichsten Manager der Vereinigten Staaten. Palmisano hat in seinen zehn Jahren an der Spitze von "Big Blue" den Computerhersteller zu einem Dienstleistungsgiganten umgebaut, dem nicht einmal die Wirtschaftskrise viel anhaben konnte. Er drückte dem Unternehmen seinen Stempel auf: Nach und nach verkaufte er das angestammte Geschäft mit PCs, Druckern und Festplatten. Mit dem Geld kaufte er Softwarefirmen und baute das Servicegeschäft aus.

Der Umbau war erfolgreich. Heute ist IBM ein Koloss mit einem Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar und einer Börsenbewertung von mehr als 250 Milliarden Dollar. Damit ist das 100 Jahre alte Urgestein der Comuterbranche mehr wert als Google oder Microsoft. Unter den Technologiefirmen ist nur Apple mehr wert.

Palmisano wird sich allerdings noch nicht komplett verabschieden. Er bleibt dem Konzern als Vorsitzender des Verwaltungsrats erhalten und ist in dieser Funktion der oberste Kontrolleur im Hause. IBM-Chefs gehen traditionell mit 60 Jahren in Rente. Virginia Rometty hat also sechs Jahre Zeit, ihre Chance zu nutzen.

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