Gegen Verschwendung und für die Umwelt: Der neue EU-Kommissar für Landwirtschaft, Dacian Ciolos, will die Agrarsubventionen ökonomischer und ökologischer ausrichten. Die Grünen jubilieren.
Deutschlands Großbauern müssen sich auf weniger Beihilfen aus Brüssel einstellen. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos plant, die Subventionen künftig stärker ökologisch auszurichten und Obergrenzen für landwirtschaftliche Großbetriebe einzuführen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach von einem "Schritt in die richtige Richtung".
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Durch gezielte Subventionen der Europäischen Union soll die Landwirtschaft ökologischer werden. (© dpa)
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Landwirte und die Agrarindustrie haben schon lange darauf gewartet, jetzt ist es so weit: An diesem Donnerstag wird EU-Agrarkommissar Ciolos in Brüssel seine Vorschläge für die künftige EU-Agrarpolitik vorstellen. Das Papier, das er dafür ausgearbeitet hat, liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Auch wenn sich der Kommissar darin in vielem vage ausdrückt und deutlich zeigt, dass er für Diskussionen noch offen ist, so stellt er doch eines klar: "Es herrscht breites Einvernehmen darüber, dass die Verteilung der Direktzahlungen überprüft und dem Steuerzahler verständlich gemacht werden muss."
Das Papier ist die Grundlage für die anstehenden Verhandlungen zwischen Kommission, Mitgliedstaaten und EU-Parlament über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik in Europa. Mit derzeit jährlich 55 Milliarden Euro ist der Agrarbereich der größte Posten im EU-Haushalt. Ob es auch in Zukunft so viel Geld geben wird und wie es genau verteilt werden soll, muss jedoch neu entschieden werden. Denn die jetzige EU-Finanzperiode endet 2013, so dass ein neuer Finanzrahmen für die Jahre 2014 bis 2020 vereinbart werden muss.
Obwohl sie bereits mehrfach reformiert wurde, ist die EU-Agrarpolitik in ihrer gegenwärtigen Form stark umstritten. Zwar trägt sie nicht mehr zum Entstehen von Butterbergen bei, doch nach Meinung von Umweltverbänden fördert sie eine Landwirtschaft, bei der Tiere leiden müssen, Böden ausgelaugt sowie Grundwasser und Klima belastet werden. Ciolos will die beginnenden Verhandlungen daher für eine weitere Reform nutzen. Ziel müsse sein, ein "nachhaltigeres und intelligenteres" Wachstum für den ländlichen Raum in Europa zu schaffen.
Der Kommissar schlägt eine Art Grundsicherung für die Landwirte vor, die nach oben hin aber gedeckelt sein sollte, um die Verteilung zwischen Groß- und Kleinbetrieben besser zu gestalten. Weitere Zahlungen sollte es nur dann geben, wenn der Landwirt ökologisch wertvolle Leistungen erbringt. Das will er mit einer "Ökologisierungskomponente" der Direktzahlungen erreichen.
"Vorrang sollten Maßnahmen erhalten, die sowohl klima- als auch umweltpolitische Ziele verfolgen." Ciolos denkt dabei etwa daran, Landwirte mit Direktzahlungen dafür zu belohnen, dass sie Grünland bewirtschaften, weil das ein besonders guter CO2-Speicher ist. Auch sollen sie Geld erhalten, wenn sie die Fruchtfolge einhalten, also nicht jedes Jahr dasselbe anbauen, denn das belastet die Böden. Zudem will er Bauern, die in schwierigen Gebieten arbeiten, ebenfalls mit zusätzlichen Direktzahlungen unterstützen.
Künast lobte die Vorschläge
Umweltverbände begrüßten die Vorschläge. "Ciolos hat verstanden, dass Agrarpolitik in Europa nur dann eine Chance hat, wenn sie stärker auf Aspekte wie den Klimaschutz, den Erhalt von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum sowie auf den Erhalt der Biodiversität eingeht", sagte Lutz Ribbe, Agrarexperte der Umweltstiftung Euronatur. Daher sei es gut, "dass die Direktzahlungen künftig an verbindliche ökologische Kriterien gebunden werden sollen".
Auch die Grünen-Fraktionschefin und frühere Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast lobte die Vorschläge. Zwar hätten sie an einigen Stellen noch weiter gehen können, doch der Kommissar habe erkannt, dass man nicht einerseits den Klimawandel bekämpfen könne, andererseits aber Landwirte belohne, wenn sie ihre Böden umweltschädlich bewirtschaften. Die Vorschläge wiesen "in die richtige Richtung" und seien "das komplette Gegenstück von dem, was Frau Aigner und der Deutsche Bauernverband wollen".
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte mehrfach gesagt, dass sie kaum Reformbedarf sieht. Ihrer Ansicht nach ist Deutschland bei der Modernisierung der Landwirtschaft weiter als jeder andere EU-Staat. Künast lässt das nicht gelten. "Es hat mich noch nie beeindruckt, wenn andere schlechter sind." Vielmehr sollte Deutschland auch weiter voranschreiten in der Agrarpolitik.
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(SZ vom 18.11.2010/kst)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Zwar vom Tagesanzeiger (leider wie die SZ auf dem Absteigenden Pfad Richtung Blick/Bildzeitung, aber dennoch lesenswert):
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Der-Austritt-Deutschlands-als-Loesung-der-EuroKrise/story/11312977
Die Pläne hören sich gut an, aber wird wirklich die Großagrarindustrie für die grüne Evolution bezahlen? Das kann nicht Europa sein.
Nein, man wird in bewährter Manier das schwächste Glied in der Kette suchen und am Ende zusätzlich grüne Subventionen einführen, für die wie üblich der gemeine Steuerzahler aufkommt.
Ich weiß nicht ob es allen, die gegen die Subventionen wettern bewußt ist, was deren Abschaffung für Konsequenzen haben wird.
1. Die einzigen Betriebe die in D (und übewiegend EU) subventionslos wirtschaftlich sind, sind Agragrfabriken der größten Dimension. (Insofern ist der Versuch einer gezielten Verteilung weg von Großbetrieben und hin zu kleineren sicher wünschenswert.) Fallen aber die Subventionen wer, dann wird es auch keine kleinen und mittleren Betriebe mehr geben. Es rentiert sich in einer globalen Ökonomie ganz einfach nicht mit drei Kühen und 20 Hektar Wiese zu wirtschaften. Damit verändert sich aber die gesamte Kulturlandschaft massiv und es stehen dann alle auf, denen Großmästereien und Mais Monokulturen nicht gefallen.
2. Ein landwirtschafticher Betrieb funktioniert nicht wie ein kleines Unternehmen. Man kann nicht heute pleite machen und morgen wieder neu anfangen. Macht ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb dicht, dann ist auch langfristig schluss. Haben wir heute einen Überschuss und viele Betriebe schließen aufgrund schlechter Erzeugerpreise, dann können wir bei steigendem Bedarf an Lebensmitteln in Zukunft nicht mehr auf diese Strukturen bauen. Exportorientierung und die Erzeugung von nachwachsenden Rohstoffen durch Großunternehmen wird dann das Landschaftsbild prägen und die Preise werden in Dimensionen aufsteigen, die dem Normalverbraucher tatsächlich schmerzen werden. Eine leider eher negative Prognose für Mensch und Natur.
3. Als Lösung bleibt wie immer nur übrig auf den Verbrauche (auf uns alle) zu zeigen und da steht leider noch viel zu häufig der Billigwahn bei Lebensmiteln im Vordergrund. Wie kann es sein, dass ein Kilogramm Schweinebraten im Dauersonderangebot für zwei Euro über den Ladentisch geht? Dass ein Liter Milch oder ein Stück Butter 50 ct kosten? Dass eine Tonne Brotweizen für 100 Euro zu haben sind? Währen für ein Hightech Mobiltelefon ohne mit der Wimper zu zucken 700 Euro hingeblätter werden und für einen Mittelklasse PKW Kredite aufgenommen und ganze Brutto Jahresgehälter geopfert werden.
Würde hier wieder eine angemessene Wertschätzung und ein Verständnis für den hochwertiger Nachrungsmittel und deren Genuß entstehen, würden sich die meisten Subventionsdiskussionen in Luft auflösen und es gäbe auch keine Probleme mit ungerechter Verteilung der Gelder.
Nachdenkliche Grüße.
Seit über 120 Jahren wird nun in Deutschland umverteilt- von Allen zu den Bauern. Sozialismus von oben.
Seit 40 Jahren verteilt die EU in Europa um. Und während bisher das Billige und Viele subventioniert wurde, soll der Bauer nun Geld dafür kriegen, daß er Grünlad bewirtschaftet? Also Wiesen mäht? Und damit wird Ciolos sich gegen die Großerzeuger durchsetzen?
Wie wärs mit alle Subventionen abschaffen?
Oder die Kommisssion?