Negativzinsen Wer Deutschland zehn Jahre Geld leiht, zahlt jetzt drauf

  • Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit werden erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik negativ verzinst.
  • Staatsanleihen großer Industrienationen gelten als besonders sicher und sind daher bei Banken und Pensionskassen beliebte Anlagen für große Geldvorräte.

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik liegt die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen bei null Prozent, zeitweise lag sie sogar darunter. Damit müssen Anleger noch Geld in Form von Zinsen draufzahlen, wenn sie dem Bund Geld leihen wollen. Die international richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen rentierten am Dienstag bei minus 0,003 Prozent.

In normalen Zeiten sind diese Anleihen das Synonym für Sicherheit. Banken parken die Milliarden Euro ihrer Kunden gerne in Staatsanleihen. Doch genau das wird jetzt zum Problem. Denn die Zinsen für diese Wertpapiere sind dramatisch niedrig. Immer öfter sind sie negativ. Das heißt: Investoren zahlen Staaten dafür, dass sie ihnen Geld leihen dürfen.

In der nervösen Stimmung an den Finanzmärkten vor der Abstimmung über einen EU-Austritt Großbritanniens sind vermeintlich sichere Anlagen wie zum Beispiel deutsche Staatsanleihen trotz niedriger Renditen besonders gefragt.

Negativzinsen bei kürzeren Laufzeiten bereits Alltag

Staatsanleihen werden wie normale Kredite auch unterschiedlich schnell zurückgezahlt. Je später ein Staat seine Schulden begleicht, desto höher sind in der Regel die Zinsen. Denn wer weiß schon, was in Zukunft noch alles passieren kann. Dieses Risiko lassen sich Anleger bezahlen.

Umgekehrt bedeutet das: Je schneller eine Staatsanleihe zurückgezahlt wird, desto niedriger sind die Zinsen. Bei Titeln mit kürzeren Laufzeiten als zehn Jahren ist der Negativzins deshalb schon Alltag: Die Investition in zweijährige Papiere der Bundesrepublik ist schon seit Mitte 2014 durchgängig ein Verlustgeschäft.

Für den Haushalt der Bundesrepublik ist das eine gute Nachricht. Der Finanzminister kann somit neue Kredite aufnehmen, ohne Zinsen zu zahlen. Doch für die Anleger wird es zum Problem. Banken, Pensionskassen oder Versicherer müssen ihre Reserven irgendwo anlegen. Bei Staatsanleihen zahlen sie gerade oft drauf. Die Alternative ist, spekulative Investitionen zu wagen - mit der Aussicht auf höhere Renditen, aber auch mit wesentlich höherem Risiko.

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