Naturkatastrophen Viele Opfer, wenig Versicherung

Trotz des Bebens in Nepal haben Naturkatastrophen im Jahr 2015 vergleichsweise geringe finanzielle Schäden verursacht. Das könnte sich bald wieder ändern, warnt die Munich Re.

Von Friederike Krieger, Köln

Naturkatastrophen haben 2015 so geringe Schäden angerichtet wie seit Jahren nicht mehr. Nach Angaben des weltweit größten Rückversicherers Munich Re verursachten Stürme, Hitzewellen und Erdbeben wirtschaftliche Gesamtschäden in Höhe von 90 Milliarden Dollar (83 Milliarden Euro), nach 110 Milliarden Dollar 2014. Die Versicherer mussten davon etwa 27 Milliarden Dollar zahlen, verglichen mit 31 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Für die Versicherungsbranche sind das aber nicht einfach gute Nachrichten. Das gilt vor allem für Rückversicherer, die Gesellschaften wie Allianz, Ergo oder HDI gegen Großschäden absichern. Bleiben große Naturkatastrophen aus, fehlen ihnen Argumente, um die stark unter Druck stehenden Preise für die Rückdeckungen zu erhöhen. Zudem war es vor allem dem Zufall geschuldet, dass das Jahr so katastrophenarm verlaufen ist. "2015 hatten wir, was die finanziellen Schäden angeht, auch Glück", sagte Peter Höppe, Wetterexperte der Munich Re. "Starke tropische Wirbelstürme trafen, wenn überhaupt, oft nur in dünn besiedelten Regionen auf Land." Daneben wurde die Entstehung von schweren Stürmen im Nordatlantik durch El Niño gedämpft. Das Klimaphänomen, das mit höheren Wassertemperaturen einhergeht, beeinflusst Wetterextreme weltweit. Unter El Niño-Bedingungen kommt es zu weniger Hurrikans in den USA.

Da in diesem Jahr das Klimaphänomen in sein Gegenteil La Niña umschlagen wird, rechnet Höppe mit mehr Hurrikans in Nordamerika. Zudem bereitet Munich Re der Klimawandel Sorgen. Die Erwärmung der arktischen Regionen stehe in Zusammenhang mit lange anhaltenden Wetterlagen in Europa. Eine solche Lage hat in Großbritannien mit Sturm und Starkregen im Dezember zu kräftigen Fluten geführt.

Die teuerste Naturkatastrophe 2015 war das Erdbeben in Nepal im April. Es verursachte 4,8 Milliarden Dollar wirtschaftliche Schäden. Insgesamt 9000 Menschen starben. Das Nepal-Beben trug - zusammen mit den schweren Hitzewellen in Indien und Pakistan - dazu bei, dass im vergangenen Jahr 23 000 Menschen durch Naturkatastrophen umkamen. 2014 waren es noch 7700 gewesen. Trotz der vielen Todesopfer und hohen wirtschaftlichen Schäden in Nepal betrugen die versicherten Schäden aber nur 210 Millionen Dollar. Für Munich Re waren die Winterstürme in den USA und in Kanada im Februar mit versicherten Schäden von 2,1 Milliarden Dollar die teuerste Naturkatastrophe des Jahres.