Naturkatastrophen Munich Re warnt vor Ernteausfällen

Nach der Rekorddürre in den USA sind die Getreidespeicher fast leer. Die Lage an den Agrarmärkten ist weltweit angespannt, die Preise steigen. Den Rückversicherer Munich Re trifft das so stark wie nie zuvor. Zugleich warnt das Unternehmen davor, dass Ernteausfälle künftig noch zunehmen werden - viele Bauern sind darauf nicht vorbereitet.

Von Silvia Liebrich

Völlig vertrocknete Maisfelder, verzweifelte Farmer, die ihre Tiere notschlachten, weil Wasser und Futter fehlen. Ein halbes Jahr nach der verheerenden Dürre in den USA sind diese Bilder fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Doch von einer Entwarnung an den Agrarmärkten kann keine Rede sein. Die Preise der wichtigsten Grundnahrungsmittel liegen derzeit kaum unter den Rekordwerten vom vergangenen Sommer. Tendenz steigend.

Vom Erfolg des Erntejahres 2013 hängt viel ab, denn die globalen Reserven an Mais, Weizen und Gerste sind so niedrig wie lange nicht. Und die Aussichten sind nicht rosig. "Die weltweiten Ernteausfälle sind auch der Grund dafür, dass die Preise für Weizen, Mais und Soja im vergangenen Jahr so stark gestiegen sind. Die Lager sind leer", sagt Karl Murr, Leiter des Geschäftsbereichs Agro beim Rückversicherer Munich Re im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Wachsende Lücke zwischen Produktion und Verbrauch

Wie angespannt die Lage ist, zeigen auch die Zahlen des Internationalen Getreiderates (IGC). Demnach sind die weltweiten Getreidevorräte mit etwas mehr als 90 Millionen Tonnen so niedrig wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Alarmierend ist zudem, dass die Produktion seit 2010 mit dem Verbrauch kaum noch Schritt halten konnte oder sogar teilweise darunter lag. Und in diesem Jahr könnte die Lücke noch größer werden.

Für das bevorstehende Erntejahr prognostiziert der Getreiderat eine Ernte von 1762 Millionen Tonnen Getreide und eine Nachfrage, die mit 1806 Tonnen um 2,5 Prozent über dem Angebot liegt (siehe Grafik). Ein Grund für die wachsende Nachfrage nach Mais, Weizen und Soja ist unter anderem die wachsende Fleischproduktion. Ein Drittel dessen, was weltweit auf den Feldern wächst, landet inzwischen im Futtertrog.

Agrarexperte Murr warnt vor den Folgen der Klimaveränderung für die Landwirtschaft: "Dürren werden sicher zu einem der größten Problem des Jahrhunderts, das vor uns liegt. Auch andere Wetterextreme wie Überschwemmungen und Stürme werden zunehmen. Eine Ursache dafür ist der Klimawandel."

Die Dürre von 2012 gilt als die schlimmste in den USA seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1895. Fast 50 Prozent der Anbaufläche waren laut Murr betroffen. "In den Kornkammern Iowa, Indiana und Illinois lagen die Ausfälle sogar bei 70 Prozent. Viele Maisfelder hatten Totalschaden. Die Pflanzen sind zwar gewachsen, haben aber keine Früchte ausgebildet", erklärt er. Erhebliche Dürreausfälle gab es auch in Russland, Kasachstan, der Ukraine, Brasilien und Argentinien.