Von Franziska Roscher

Von Frühdiagnose bis Krebstherapie: Die Nanotechnologie bietet in der Medizin viele Chancen. Die Deutschen liegen in der zukunftsträchtigen Branche europaweit an der Spitze.

Ob Zahncreme für Empfindliche oder Waschbecken mit Lotuseffekt - die Nanotechnologie ist uns im Alltag oft näher, als wir denken. Auch in der Medizin hat die Wissenschaft um die kleinsten Teilchen Einzug gehalten und verspricht große Fortschritte: von neuen Krebstherapien bis zu schnelleren Diagnosen.

Riesenmikroskop; Nanotechnologie in Deutschland ganz groß

Ganz schön klein: Gerade mal ein Milliardstel Meter sind Nanopartikel groß, also zehntausendfach kleiner als ein menschliches Haar. (© Foto: dpa)

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Deutschland hat die Nase europaweit vorn in der medizinisch angewandten Nanotechnologie. Das besagt der neue Branchenbericht der Wirtschaftsprüfungsagentur Ernst & Young. Demnach nutzen in Deutschland bereits 66 Life-Science-Betriebe die Nanotechnologie, mit deutlichem Abstand folgen Großbritannien mit 21 und Frankreich mit 9 Nanotech-Firmen. Weltweite Spitzenreiter sind allerdings die USA: 140 Unternehmen zählen sie in der Branche.

Angewandt wird die Nanotechnologie in verschiedenen Bereichen: In den USA liegt der Schwerpunkt im Segment Drug-Delivery; kleinste Teilchen sollen dafür sorgen, dass die Medizin im Körper genau dort landet, wo sie gebraucht wird. Das relativ giftige Krebsmittel Doxorubizin wird beispielsweise bereits in Nanokapseln verpackt.

"Solange der Wirkstoff von der Nanohülle umgeben ist, ist er ungiftig", erklärt Siegfried Bialojan, Leiter des Industriesektors Life Sciences bei Ernst & Young im Gespräch mit sueddeutsche.de. "Erst wenn das Medikament nicht mehr im Blutstrom zirkuliert, sondern im Tumor angekommen ist, wird der Schutz durch bestimmte Enzyme, die dort angereichert sind, aufgelöst, und das Mittel beginnt zu wirken."

Ein ganzes Labor auf einem Chip

In Europa dagegen sind Firmen weniger im Drug-Delivery-Bereich, sondern stattdessen in den Branchen Diagnostik und Medizintechnik engagiert. Stichwort ist hier zum Beispiel das "Lab on a Chip": Will ein Arzt heute ein Blutbild seines Patienten haben, muss er oft nur noch einen Teststreifen mit Blut beträufeln. Nanotech-Experte Bialojan: "Wenn man das jetzt auf ein winziges Nano-Format verkleinert, hat man quasi ein kleines Labor. Dort können ganz viele Tests gleichzeitig laufen." Da alles im Mini-Maßstab funktioniert, wird auch nur wenig vom Ausgangsstoff, in diesem Fall Blut, benötigt.

Unterschieden wird in der Branche zwischen Nachotech-Unternehmen im engeren Sinne, die von der technologischen Basis kommen, und solchen im weiteren Sinne. Letztere sind meist Pharma- oder Medizintechnikkonzerne, die erst später und zu einem eher kleinen Teil Nanotechnologie-Produkte ins Portfolio aufgenommen haben. "Das ist eher opportunistisch", sagt Bialojan. "Aber jedes große Pharmaunternehmen muss sich heute einmal damit beschäftigt haben."

In Deutschland überwiegt der Anteil der rein nanobasierten Betriebe mit 58 Prozent leicht gegenüber der Nanotech-Unternehmen im weiteren Sinne (42 Prozent).

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