Nahaufnahme Willy und seine Freunde

"Die Niederlage kommt viel zu schlecht weg, obwohl sie uns stärker voranbringt als der Sieg." Willy Bogner.

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Modefabrikant Bogner plant seine Nachfolge - wieder einmal. Schon mehrmals hat er versucht, die Firma in neue Hände zu legen.

Von Elisabeth Dostert

Endlich. Es wird auch Zeit, Willy Bogner wird im Januar 74 Jahre alt. Nun sieht es so aus, als könne er doch noch seine Nachfolge regeln. Die Nachfolge gut hinzubekommen, ist für einen Unternehmer vielleicht der wichtigste Sieg im Leben. Davon hängt die Zukunft der Firma ab. Alexander Wirth, 40, soll es sein, verkündete die Münchner Modefirma am Mittwoch. Der Mann hat für Ralph Lauren Germany gearbeitet, für Burberry und René Lezard. Er sollte wissen, wie es in der Mode läuft. Wie es beim Familienunternehmer Bogner zugeht, muss er jetzt lernen. Anfang Januar fängt Wirth erst einmal als Stellvertreter von Willy Bogner an; den soll er nach einer "Einarbeitungszeit" ablösen. Wie lange sie dauern wird, ist offen. Noch ist Wirth für Bogner eher die Aussicht auf eine Nachfolge, eine Hoffnung.

Willy Bogner hat schon mehrere Versuche unternommen, die Zukunft des Unternehmens zu regeln. Alle scheiterten. Den geplanten Börsengang vereitelte 2008 die Finanzkrise. "Daraus ist zum Glück nichts geworden", sagte er drei Jahre später einer Sonntagszeitung. "Als börsennotierte Firma ist man immer den allgemeinen Schwankungen unterworfen, egal wie gut man ist. Da ist mir eine selbständige Strategie lieber." Damals hoffte Bogner noch, dass seine Adoptivtochter Florinda "Feuer für die Mode fängt." Aber da war wohl nicht einmal eine Flamme. Sie habe nie in die Firma der Eltern eintreten wollen, sagte die Tochter im September 2014 Bild.de. Da hatte der Vater bereits die Investmentbank Goldman Sachs mit der Suche nach einem Käufer beauftragt.

Es gab Interessenten. Ein Konsortium um Fußballer Philipp Lahm, Daimler-Chef Dieter Zetsche, die chinesische Beteiligungsfirma Fosun und Bernd Beetz, den früheren Chef der Parfum-Firma Coty, soll 300 Millionen Euro für die Firma mit knapp 230 Millionen Euro Umsatz geboten haben. "Kein schlechter Preis", meinen Experten. Mit dem Fußballer Lahm hätte Bogner als Investor einen Leistungssportler gewonnen, wie er selbst einer war. Einer, der die Marke mit ebenso viel Leidenschaft hätte verkörpern können. Warum Bogner ablehnte. Gier? "Nein. Eitelkeit", meint einer.

Im Leben von Bogner gibt es große Höhen. Er liebt den Schnee wie die Eltern Willy und Maria. Sie erfand die Keilhose, die Bogner berühmt macht. Während der Vater in der Nordischen Kombination glänzte, brilliert der Sohn im Alpinsport und als Filmemacher. Mit 17 Jahren gewinnt er als erster Deutscher das Lauberhorn-Rennen. Für einen James-Bond-Film rast er 1981 mit bis zu 70 Stundenkilometern die Bobbahn von St. Moritz herunter und filmt dabei den mehrfachen kanadischen Weltcupsieger John Eaves, der den von östlichen Agenten gejagten Bond doubelt.

Es gibt bittere Tiefen. Bei den Dreharbeiten für einen Film sterben 1964 in einer Lawine im Engadin seine damalige Lebensgefährtin Barbi Henneberger und der Amerikaner Wallace Werner; sie gehören der Gruppe unter Führung von Bogner an. 2005 nimmt sich Adoptivsohn Bernhard das Leben. Es gibt Niederlagen. Im November 2009 wird Bogner Vorsitzender der Geschäftsführung der Bewerbergesellschaft, die die Olympischen Winterspiele 2018 nach München holen soll. "Olympia 2018 nach München zu holen ist das größte olympische Rennen, zu dem ich je antreten durfte", sagt Bogner damals. Ein anstrengendes auch. Er schimpft über "raffgierige Garmischer Bauern". Die sehen in ihm einen "arroganten, selbstverlieben Großkopferten". Nach knapp einem Jahr gibt er das Amt aus "gesundheitlichen Gründen" auf.

"Ich betrachte die Niederlage als meinen Freund", sagte er 2014 dem Zeit-Magazin: "Sie kommt viel zu schlecht weg, obwohl sie uns stärker voranbringt als der Sieg."