Nahaufnahme Weil 2016 ist

"Ein Geldbeutel voller Scheine mit ruppigen alten Männern und Eisbrechern hinterlässt sicher einen Eindruck." Merna Forster

(Foto: oh)

So wichtig sei ihr Anliegen nicht, hieß es. Merna Forster kämpfte weiter, fünf Jahre. Nun kann sie ihren Sieg begutachten - auf 15,24 mal 6,99 Zentimeter.

Von Lea Hampel

Manchmal reicht eine Kleinigkeit für einen Wutanfall. In Merna Forsters Fall war es eine Fläche von 15,24 mal 6,99 Zentimeter. Die machte sie so wütend, dass sie eine Kampagne begann und gewann. Ab morgen kann sie ihren Sieg feiern und genießen. Forster ist es zuzuschreiben, dass künftig wieder eine Frau auf eine kanadische Banknote kommt.

Was nach einer Lappalie klingen mag, ist das Ergebnis einer fünfjährigen Kampagne. 2011 hatte sich Forster ziemlich geärgert, als die neue 50-Dollar-Note eingeführt wurde. Statt wie zuvor Frauenrechtlerinnen zu zeigen, zierte ein Eisbrecher den Schein. Schiff statt Schönheit also - diese Gewichtung war für die Historikerin mit dem Schwerpunkt Frauengeschichte nur eines: "inakzeptabel". Exakt dieses Wort schrieb sie denn auch in Briefe an Medien und Politiker. Weil die Reaktionen eher verhalten waren, schrieb sie das Wort erneut, diesmal in eine Online-Petition. 2013 stellte sie die Forderung auf, Frauen auf kanadische Banknoten zu drucken. Dafür erhielt sie 73 251 Unterschriften.

Dennoch tat sich vorerst nichts. Denn die Zahl der Gegenargumente schien fast so hoch wie die der Unterstützer. Der Klassiker: So wichtig sei nicht, was auf den Scheinen sei. Forsters Antwort bis heute: "Wenn es wirklich egal ist, was auf Geldscheinen zu sehen ist, sollten wir auf jedem Schein der nächsten Serie Frauen haben. Warum nicht?"

Noch häufiger aber, berichtet sie, hörte sie ein Argument, dass gern auch im Zusammenhang mit der Frauenquote genannt wird: Es gäbe schlicht zu wenige passende Kandidatinnen. Wer das zu Forster sagt, legt sich mit der Falschen an. Bereits zwei Bücher hat sie veröffentlicht, beide mit Porträts von 100 wichtigen Frauen der kanadischen Geschichte. Es ist ein Thema, dem sie sich seit 2004 widmet, weil sie findet, dass dafür nicht genug öffentliches Bewusstsein herrscht. "Frauen fehlen nicht auf der Liste der besonderen Würdenträger in Kanada, sie sind nur besonders unterrepräsentiert bei den Bildern, die uns umgeben." Diese Bilder wiederum führten zu einem bestimmten Weltbild, findet Forster. "Einige der Einflüsse mögen eher subtil sein. Aber ein Geldbeutel voller Scheine mit ruppigen alten Männern und Eisbrechern hinterlässt sicher einen Eindruck."

Das will Forster ändern, sie will weibliche Vorbilder zeigen. Mit dem Anliegen stieß sie über Jahre nicht nur auf Gegenargumente. Sondern - ganz wie alle Frauen, die ähnliche Kampagnen in Großbritannien und den USA führen - auf Widerstand. Beispielsweise schrieb ein Kommentator, dass Forster selbst nur im Fall einer faschistischen Machtübernahme auf Banknoten käme. Nicht zuletzt solche Kommentare hatten sie zwischendurch ans Aufgeben denken lassen.

Nun hat sich aber in den vergangenen Monaten einiges in Kanada getan, nicht zuletzt seit der Liberale Justin Trudeau neuer Ministerpräsident ist. Vielfalt liegt ihm am Herzen, das bewies er schon bei der Wahl seines neuen Kabinetts. "Weil 2015 ist", war seine weltbekannte Begründung für Diversität, und selbige dürfte wohl auch hinter seiner Verkündung zum Weltfrauentag stehen: Da gaben er und Finanzminister Bill Morneau bekannt, dass die nächste Banknote mit einer Frau versehen werde. Vorschläge dafür kann nun jeder Kanadier bis zum 15. April einreichen.

Für Forster ist das ein Erfolg in doppelter Hinsicht: Zum einen, weil sie ihr Anliegen durchgesetzt hat. Zum anderen gehört sie dem siebenköpfigen Komitee an, das aus allen Vorschlägen eine kurze Nominierungsliste macht. Über die entscheidet dann das Volk, später das Finanzministerium. 2018 schließlich wird die Note in Umlauf sein. Ganz schön langer Vorlauf, für so wenige Quadratzentimeter.