Nahaufnahme Umweltschutz-Rockstar

"Es geht nicht um eine etwas bessere Version der Welt, die wir jetzt haben - es geht darum, keinen zerstörten Planeten zu hinterlassen." Mary Nichols.

(Foto: Reuters)

Mary Nichols will, dass alle Autos in Kalifornien spätestens 2030 abgasfrei fahren. Um genauer zu sein: Sie will nicht mehr und nicht weniger als die Welt retten.

Von Jürgen Schmieder

Natürlich lieben die Kalifornier Mary Nichols, die mit freundlichem Lächeln davon spricht, dass sie ihren drei Enkelkindern gerne einen gesunden Planeten hinterlassen würde. Umweltschutz, das ist an der Westküste der USA mindestens so bedeutsam wie Grünkohl und Yoga; natürlich jubeln die Einwohner, wenn Nichols gemeinsam mit Gouverneur Jerry Brown nun durchsetzen möchte, dass von 2030 an in Kalifornien per Gesetz kein Auto mehr verkauft werden darf, das Abgase ausstößt: "Die Menschen müssen sich an eine Welt ohne Emissionen gewöhnen."

Mary Nichols, 70, ist der Rockstar des Umweltschutzes.

Und sie ist die Chefin der kalifornischen Luftreinhaltungs-Kommission ARB, ihr Einfluss erstreckt sich auf die Automobilbranche weltweit - zumal sie ihre Aussagen bewusst global anlegt: "Es geht nicht um eine etwas bessere Version der Welt, die wir jetzt haben - es geht darum, keinen zerstörten Planeten zu hinterlassen." Ihre Botschaft ist eine Erweiterung der Aufforderung von John F. Kennedy, die Menschen sollen nicht fragen, was ihnen dieser Planet bieten könne: "Jeder einzelne soll überlegen, was er dafür tun kann, dem Klimawandel zu begegnen."

Nichols' Vater Benjamin war einer der letzten sozialistischen Bürgermeister der USA (Ithaca, 1989-95), er setzte sich für Umweltschutz ein und wollte - mehr als 20 Jahre vor der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes - ein homosexuelles Paar verheiraten.

Schon als Teenager war Mary Nichols politisch engagiert, nach ihrem Jura-Abschluss in Yale arbeitete sie für Umweltorganisationen. Von 1979 bist 1983 war sie schon einmal ARB-Chefin, danach beriet sie unter anderem den damaligen Präsidenten Bill Clinton in Umweltfragen. Seit 2007 leitet sie wieder diese Kommission, Barack Obama hat sich bei der Ausfertigung seines kürzlich vorgestellten Klimaprogramms mit ihr ausgetauscht.

Nichols weiß, dass die Kalifornier ihre Botschaft ernst nehmen angesichts der verheerenden Waldbrände, einer historischen Dürre und des Smogs in Los Angeles. Sie hält nicht viel von Leuten wie Fiat-Chef Sergio Marchionne, dessen Unternehmen ein Verlust-Elektro-Auto nur wegen der zu erfüllenden Quote auf den kalifornischen Markt bringt. Daraus macht sie kein Hehl: "Ich hoffe, dass Sie dieses Auto nicht kaufen!" Firmenchefs wie Marchionne gelten in ihren Augen nicht als gewitzte Geschäftsleute, sondern vielmehr als Umwelt-Haderlumpen.

Kalifornien ist der Bundesstaat der Autofahrer, vor zwei Jahren wurde ein Drive-in-Restaurant in die Liste schützenswerter Gebäude aufgenommen, weil es zur kalifornischen Kultur gehöre, sich Essen mit dem Auto zu holen. Es ist der größte Automarkt der USA. Angesichts der geplanten Gesetze müssen sich Autobauer weltweit überlegen, ob sie spezielle Modelle für die kalifornischen Vorgaben entwickeln wollen oder gleich ihre komplette Flotte umstellen. "Wir haben das Momentum auf unserer Seite, weil es die Menschen gerade beschäftigt", sagt Nichols: "Das müssen wir nutzen."

Nichols führt einen Kampf gegen den Verbrennungsmotor und einen Kreuzzug für Elektroautos wie den Prius von Toyota oder den i3 von BMW - und natürlich für die Modelle des kalifornischen Autobauers Tesla, der trotz immenser Verluste mit öffentlichem Geld subventioniert wird. Tesla-Gründer und -Geschäftsführer Elon Musk will wie Nichols nichts weniger, als diesen Planeten retten und gilt deshalb ebenfalls als Umweltschutz-Rockstar. Es gibt ein Foto, veröffentlicht in der Los Angeles Times, das Nichols mit Tesla-Kaffeebecher in der Hand zeigt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.