Jobwechsel Jörg Asmussen wird Aufsichtsrat bei Finanz-Start-up

"Ich lerne etwas über Fintechs und Funding Circle lernt von mir etwas über Regulierung", sagt Jörg Asmussen, hier auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel 2014, über seinen neuen Job.

(Foto: Bloomberg)
  • Es-Finanzstaatssekretär Jörn Asmussen wechselt die Seiten: Er heuert als Aufsichtsrat bei Funding Circle, einem der größten Finanz-Start-ups, an.
  • Zuletzt war Asmussens Wechsel in den Vorstand der staatlichen Förderband KfW geplatzt.
  • Es ist das erste Mal, dass ein deutscher Spitzenpolitiker zu einem sogenannten Fintech-Unternehmen wechselt.
Von Andrea Rexer

Noch mal was Neues machen - davon reden viele, doch um es wirklich umzusetzen, braucht es manchmal einen Bruch. So wie bei Jörg Asmussen, 49.

Als Ende vergangenen Jahres der schon fix vereinbarte Wechsel in den Vorstand der staatlichen Förderbank KfW platzte, stand der erfolgsverwöhnte Flensburger erst mal vor dem Nichts. Im Arbeitsministerium, wo er als Staatssekretär gearbeitet hatte, gab es bereits eine Nachfolgerin. Asmussen schied zu Jahresbeginn in den vorzeitigen Ruhestand aus. Eine ungewohnte Situation für den Ökonomen, der bis dahin eine Blitzkarriere hingelegt hatte: Aufstieg im Finanzministerium bis zum Staatssekretär, dann Wechsel ins Direktorium der Europäischen Zentralbank. Nun schlägt er eine unerwartete Richtung ein. Der frühere EZB-Beamte heuert Ende März bei einem Finanz-Start-up als Aufsichtsrat an. Es ist das erste Mal, dass ein führender Kopf der politischen Szene Deutschlands zu einem Fintech wechselt.

Kreditvermittlung zwischen Investoren und Mittelständlern

Ausgesucht hat er sich für den Schritt eines der größten Unternehmen dieser noch jungen Branche: Funding Circle. Das Kerngeschäft ist es, auf einer Internetplattform Kredite für kleine und mittlere Unternehmen direkt an Investoren zu vermitteln. "Wer in der Finanzindustrie arbeitet, muss wissen, wohin sich die Branche in der Zukunft entwickelt. Man muss die Geschäftsmodelle der Fintechs verstehen", begründet Asmussen seine Entscheidung.

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Im Aufsichtsrat von Funding Circle ist Asmussen nicht der einzige ehemalige Finanzstaatssekretär - denn Bill Steel, früherer Staatssekretär im US-Finanzministerium, gehört dem Gremium bereits an. Nützlich ist vor allem Asmussens Expertise in Sachen Regulierung, denn im Finanzministerium war Asmussen damit federführend betraut. "Beide Seiten gewinnen - ich lerne etwas über Fintechs und Funding Circle lernt von mir etwas über Regulierung", so Asmussen. "Den Fintechs steht eine Welle von Regulierung bevor. Erstens weil sie eine kritische Marktgröße erreichen und die Regulatoren deswegen aufmerksam werden. Und zweitens weil sie den Wettbewerbern bald so weh tun, dass sie die junge Konkurrenz anschwärzen werden", sagt Asmussen.

Unternehmensanteile statt Festgehalt

Die deutschen Gründer von Funding Circle, Christian Grobe und Matthias Knecht, haben Asmussen schon vor einigen Jahren kennengelernt. Sie haben Zencap gegründet, das sich 2015 mit Funding Circle zusammentat. Das Fintech hat einen beachtlichen Tätigkeitsnachweis vorgelegt: 1,8 Milliarden Euro Kredite wurden seit 2010 ausgereicht. Es ist neben Deutschland in den USA, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden tätig. Zu den Geldgebern gehört unter anderem der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock.

Auf seiner Plattform bringt Funding Circle die Investoren direkt mit den Kreditnehmern zusammen. Dabei zielt das Fintech auf kleine und mittlere Unternehmenskunden, auf durchschnittlich 100 000 Euro beläuft sich der einzelne Kredit - für Banken ist das nicht lukrativ. Für Funding Circle aufgrund der hohen Digitalisierung der Prozesse hingegen schon. "Damit schließt Funding Circle eine Lücke, die Banken hinterlassen", sagt Asmussen. Gewissermaßen schlägt er damit eine Brücke zu seinem früheren Arbeitgeber, der EZB. Denn die versucht gerade händeringend, die Kreditvergabe in Europa mit lockerer Geldpolitik anzukurbeln.

Anders als seine Aufgabe am Berliner Jacques Delors Institut wird diese Tätigkeit vergütet: Ganz in der Tradition der Start-up-Szene bekommt Asmussen keine laufende Vergütung, sondern einmalig Unternehmensanteile. Ein Vollzeitjob jedoch ist auch diese Aufgabe nicht, gut möglich, dass der 49-Jährige bald mit einem weiteren Job aufwartet.

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